IHR TÜCHLEIN

 

 



 

IHR TÜCHLEIN

Sie sandte mir ein Stück von sich,
ein Tüchlein nur, sie trug's am Herz -
ich küßt' es heiß als sei‘s ihr Mund,
das war kein Spiel, kein Kinderscherz.

Sie schenkte mir von ihrem Haar -
ein Löckchen nur beseligt' mich.
Ich strich's mit Fingerspitzen sanft
und flüsterte: „Ich liebe Dich !“

 Sie schrieb mir Worte, fraulich schön,
wie Schwanenflug im Himmels-Blau,
so rauschten sie mir durch den Sinn
und löschten jedes Alltags-Grau.

Sie ließ mich ihre Seele schau‘n,
dass ich ihr Innerstes erführe -
sie war so frei - so froh - so stark,
Heil-Rätin war sie und Walküre.

Sie gab mir ihre schmale Hand,
ich hielt sie fest, als sei‘s mein Leben;
sie führt' mich fort, hinauf ins Glück -
ich hatt' mich willenlos ergeben.

Sie leitet' mich ins heil‘ge Licht,
wo Gottes Gluten flammen -;
ich war wie sie ein Feuer-Mal,
so schmolzen wir zusammen.

 

 

Eldrit, 7099 n. M. bei Mespelbrunn

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