DER KELCH

 

DER KELCH

Oft rang ich mit den Händen,
zum unbekannten Gott,
auch zwischen Kirchenwänden
mir schien es fast wie Spott.

Ich konnte ihn nicht finden,
so sehr ich danach rang,
er wollt’ sich nicht verkünden,
dass schier das Herz mir sprang.

Da bot sich mir im Garten
ein Weib in seiner Pracht,
bei all den Rosen-Arten,
wie aus Rubin gemacht.

Ich sah in Gottes-Kelche,
versank im Blüten-Meer.
Und küsste jene welche,
die ich geliebt so sehr.

Ich trank sie mit den Augen,
tief in die Seel’ mir ein,
der Anblick mochte taugen,
zum wahrhaft Seligsein.

Welch Wunder über Wunder,
der Lebens-Kelche Zier,
entflammte da wie Zunder -;
jetzt, Gottheit, dien’ ich Dir.

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