LILITH

 

LILITH

Ein Wesen gibt’s, ohn’ Heil und Sitt’,
so wie der Nachtwind fährt Lilith;
des Totenreiches Weibsdämon,
umstrich einst die Sumerer schon.
 
Wenn Sterne sich im Tigris baden,
dann will die Nachtluft Lilith laden -,
hebt sich aus Weltenbaumes Grüften,
ergeht sich in den schwülen Lüften.
 
Als Dämon aus dem Weltenstamm,
weiß sie der Urmutter Programm;
kennt alle Namen von den Dingen,
mit ihren Schlüsseln sie zu zwingen.
 
Die Lilith sucht, sie streicht umher,
findet sie Menschen im Verkehr,
versucht sie Schaden zu bewirken,
in arm und reichen Wohnbezirken.
 
Manche Gestalten sind ihr eigen,
sie gleitet von den Palmen-Zweigen,
sie fliegt als Eulen-Nachtgespenst,
dass du sie nicht als Geist erkennst.
 
Schlaf’ nie in Räumen ganz allein,
leis’ schwebt die Lilith zu dir rein,
sie mischt sich frech in deine Träume,
dir zuzutragen Wollust-Schäume.
 
Sie schädigt auf gemeine Weisen,
mit bösem Sinn geht sie auf Reisen,
späht auf verlassene Kinderwiegen -,
manch’ Herzlein musste ihr erliegen.
 
Mit scharfen, dünnen Eulenkrallen,
will sie die Schläfer überfallen -;
und mordet sie ein Opfer nicht,
hat stets doch Schäden angericht’.
 
Auch gilt’s der Lilith als Gewinn,
zu schlüpfen in der Weiber Sinn,
die so vom Abgrund-Geist betrogen,
von Mann und Kindern fortgezogen.
 
Oft geilen Lüsten schlimm erlegen,
steh'n sie als Dirnen an den Wegen -;
unzüchtige Wort’ und Weisen sirren,
die Männer reizen und verwirren.
 
So müht sich Lilith zu bereiten,
der Weiber zügellose Seiten -;
es finden sich der Lilith Spuren
in all' den wüsten Seelen-Fluren.
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