ANGELIKA

 

ANGELIKA

Weil ich fromm und romantisch bin,
zieht’s mich mit Macht zu Priestern hin;
ich liebe diese heil’gen Männer,
des Heil’s geheimnisvolle Kenner.

Steht solch ein Priester am Altar,
da wird’s mir gleich recht sonderbar,
er wirkt so magisch im Ornat,
und reizvoll durch den Zölibat.

Denk’ ich genauer drüber nach,
dann werden mir die Knie schwach;
ein solcher Mann mit seiner Kraft,
bestimmt die größte Lust verschafft.

Ich fühl’ mich schon in seinen Armen,
ach, würde er sich doch erbarmen -;
es wär’ nur eine kleine Sünde,
wenn ich ihm meine Lieb’ verkünde.

Er schaut so gütig -, lächelt mild,
wie Josef auf dem Heiligenbild -;
es macht mich kribbelig und verrückt,
wie ist ein heiliger Mann bestückt ?

Bestimmt kann er nicht glücklich sein,
ganz ohne Frau -; oh, wär’ er mein;
ich wollte ihn schon tüchtig lieben,
dass er auf ewig mir geblieben !

Ob ich ihn wohl verführen kann,
ist er doch letztlich nur ein Mann ?!
Ich sitz’ in seiner Liturgie,
und zieh den Rocksaum über’s Knie.

In einem bin ich Meisterin -,
ich drück’ den Busen an ihn hin,
und guck dabei mit viel Geschick,
mit meinem reinsten Unschuldsblick.

Dann streicht er zärtlich mir das Haar,
nichts rührt sich unter dem Talar.
Ich werd’ am ganzen Körper rot -;
mein Gott, der Kerl ist ein Idiot !

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