HINABZÜCHTUNG DER FRAU

 
 
 
 
HINABZÜCHTUNG DER FRAU
 
 
Das hat diese Pfaffenkirche gemacht,
in der tausendjährigen Geistes-Nacht,
aus der freien, stolzen Germanin ward
ein Wesen schon eher von Eulen-Art.
 
Ein nächtig schwärmend‘ düst‘res Ding,
das lüstern am christlichen Jenseits hing,
das Sonne und Leben vergessen mocht‘,
mit blutleeren Fingern auf Texte pocht'.
 
Als Vorbild galt nicht das starke Weib
mit weißem, biegsamen Wonne-Leib -,
vielmehr so was wie ein Raupen-Kokon,
in Zellen gesperrt als Kloster-Nonn‘.
 
So hat der Klerus das Weib pervertiert,
dass es scheelen Auges zur Freiheit stiert,
es vor der eigenen Nacktheit erschrickt
und des Leibes freie Gelüste erstickt.
 
Da lag mach‘ Weib in des Mannes Arm
und ängstigte sich, dass Gott erbarm‘,
dass es möglichst keine Lust empfänd‘,
die als tödliche Sünde die Seele bänd‘.
 
Derart haben Pfaffen die Frau geschreckt,
gar einen Zwang zur Verstellung geweckt,
denn, wenn das Schönste verboten ist,
bleibt nur der Weg in die unwahre List.
 
Drum sind die Frauen ein Kunstprodukt,
dem christlicher Wahnsinn im Hirne spukt.
Und nur das Weib das sich völlig befreit,
ist für den kommenden Morgen bereit !
 
 
 
Wollust ist die sinnliche, sexuelle Begierde und Lust, die bei jedem natürlichen Denken und Handeln bei der Befriedigung sexueller Bedürfnisse erlebt wird. In der geisteskranken Lehre der katholischen Kirche gilt die Wollust (luxuria) als eine der 7 Todsünden, welche angeblich unweigerlich die ewige Höllenstrafe nach sich ziehen würde, wenn man ohne „vollkommene Reue und Buße“ stirbt.
 
Bild: „Schauderhaft !“, aus Satirische Zeitschrift „Kikeriki“, 1870 - Thema: bigotte klerikale Wiener Frauen, die sich über die Nacktheit der Figuren am Wiener „Donnerbrunnen“ empören. Raphael Donner (1693-1741) war ein bedeutender deutscher Bildhauer. - Quelle: Eduard Fuchs, „Die Karikatur der europäischen Völker vom Jahre 1848 bis zur Gegenwart“, 1903
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