LEHREN DER HOHEN FRAU

 

LEHREN DER HOHEN FRAU

Ich bin die hohe „Frau vom Berge“,
oft scheinen Männer mir wie Zwerge -;
manch’ einem schenk’ ich meine Gunst,
lehr’ ihn die Lieb- und Lebenskunst.
 
Kein Mann hat dieses weite Wissen,
das Frau’n aus sich erfahren müssen;
aus ihrer Ahnung tiefstem Grunde,
schöpft die geschulte Frau sich Kunde.
 
Ich bin der Weisheit Meisterin,
von weither kommen Schüler hin,
die meine Lehren hören wollen,
mir gern die höchste Achtung zollen.
 
Die reifsten Geister nehm’ ich auf,
ich lehr’ sie der Gestirne Lauf -,
und zeig’ die höchste Form und Frist,
wie Liebesglück zu steigern ist.
 
Den Jungfern spende ich den Rat,
dass jede streng die Tugend wahrt,
bis der erscheint dem sie vertraut,
nachdem sie prüfend ihn beschaut’ !
 
Gewährt dem Mann kein leichtes Glück,
denn keiner schenkt Euch Dank zurück,
der nicht erkämpft’ was er begehrt’ -,
nur das erscheint dem Mann von Wert !
 
Seid Männern niemals zu bequem,
gebt hin und wieder Euch extrem,
übt sehr geschickt frivoles Wort -;
weist nicht zu oft den Weg zum Hort !
 
Öffnet nie leicht den letzten Schrein,
das Höchste will errungen sein -;
wenn ihr gewährt, dann gebet ganz,
im Sinnenrausch, im Flammentanz !
 
Doch stehet nicht zu oft in Flammen,
seid immer sehr bewusst beisammen,
und haltet stets die Zügel fest,
dass keiner Eure Bahn verlässt !
 
Nie ist ein Mann mir je entkommen,
nie sein Begehren fortgeschwommen;
ich weiß der Männer Sinn zu fesseln,
ich peitsche sie mit sanften Nesseln !
 
Ein Mann will seine Herrin finden,
er lässt zum Knecht sich willig binden;
will zwar die Welt in Ketten zwingen,
doch seiner Liebsten Opfer bringen !
 
Sie führe ihn mit feiner Strenge,
allmählich auf die höchsten Ränge,
der Weiber-Weisheit-Meisterschaft,
zum Blühen beider Liebeskraft !
 
Der Ur-Mann ist ein Muskelwesen -;
von Tat und Untat mag genesen,
er nur im Amt der Königin -,
in Minnedienstes edlem Sinn !
 
Die Frau entfacht die Feuerung,
sie spendet die Vergeistigung,
sie ist die Schöpferin der Sitte -;
sie ist des Lebens Quell und Mitte !
 
Ich geb’ den Mädchen meine Weihe,
dass klug zur Königin gedeihe,
jegliches Weib das sich ermannt,
in jedem Alter, Rang und Stand !
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