DIE FROMME STEFANIE

 

DIE FROMME STEFANIE

Ich bin die fromme Stefanie,
ich sündige so gut wie nie !
Ich denke immer an den Tod,
und an die Menschen die in Not.
 
Ich trag’ mein Geld zur Kirche hin,
in der ich reges Mitglied bin -;
geht dort der Klingelbeutel rum,
dann spende ich kein Minimum.
 
Läuft mein Kaplan zur Sakristei,
dann bin ich gerne auch dabei -;
der Raum ist eng, die Nische klein,
da lässt sich’s gut beisammen sein.
 
Ich fühl’ die Hände auf der Brust,
ich bin des Pfarrers heil’ge Lust -;
wie gut, dass der geweihte Mann,
bei mir Entspannung finden kann.
 
Ich selbst verbiete mir das Fühlen,
tu’ mich im Geiste unterkühlen,
denk’ feste an des Herrgotts Leid,
und richt’ am Ende mir das Kleid.
 
Dann nippen wir ein Gläschen nur
vom roten, guten Messwein, pur.
Ich gehe heim zum Abendtisch,
und singe: „Gott wir loben Dich !“
 
Laut spreche ich mein Nachtgebet,
leg’ mich zu Bette, nie zu spät,
und klemme zwischen beide Beine,
des Bibel-Buches Segens-Reine.
 
Die Fingerchen ich nie verstecke,
die bleiben artig auf der Decke -;
vor aller Sünde keusch geborgen,
so schlaf’ ich sittsam bis zum Morgen,
 
Bald eile ich zum Pfarrhaus hin,
weil ich als Christin tätig bin -;
die „Dritte Welt“ ist unser Feld -;
die Missionierung kostet Geld.
 
Ich bin dabei, um kleinen Lohn,
auch für die „Innere Mission“ -;
mein Leben ist dem „Herrn“ geweiht,
allzeit bin ich zum Leid bereit !
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