NONNEN-WAHNSINN

 

NONNEN-WAHNSINN

Was gibt’s unter Gottes Sonnen,
kränkeres als fromme Nonnen,
die - dem Jesus-Wahn verfallen -
nächtens Bitt-Gebete lallen ?!
 
Die in ihren dunklen Klausen,
unter bleichen Schwestern hausen,
und im irren Sinnen-Schwärmen,
Kreuze auf dem Busen wärmen ?!
 
Die die Freud’ der Liebe missen,
d’rum den Kruzifixus küssen -,
totes Holz - von Gier besessen -
auf die heißen Schenkel pressen ?!
 
Die den eigenen Leib verachten,
gegen Gottes Willen schmachten,
denn der gab dem jungen Blut,
zur Gatten-Liebe Kraft und Mut.
 
Die gesundes Leib-Verlangen,
abzutöten, betend bangen -;
sie sich geißeln, Nacht für Nacht,
wenn der geile Trieb erwacht.
 
Die dann doch die fetten Pfaffen,
sich zur schwachen Stunde raffen,
sie zur „Todes-Sünd“ verführen,
dass Gewissens-Qual sie spüren.
 
Die, wenn Liebesfrüchte kommen,
folgend ihrer Angst, der frommen,
Kindlein - mit zerfress’nen Nerven -
in die Kloster-Brunnen werfen.
 
Die ewig hinter Kloster-Mauern,
kläglich in Kapellen kauern,
töricht, Lobeshymnen schreien -;
noch als Greisin sich kasteien.
 
Die des Lebens Sinn entsagten,
einem Pfaffen-Trug nachjagten -;
ihrem Volk die Kraft entzogen,
sich selbst wie andere belogen.
 
Was gibt’s unter Gottes Sonnen,
kränkeres als fromme Nonnen,
die - dem Jesus-Wahn verfallen -
nächtens Bitt-Gebete lallen ?!
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