FRAUEN LEHREN

 

FRAUEN-LEHREN
 
Es weht der Gottesmutter Atem in uns allen,
Ein Hauch des Lebens, den der Tod nicht raubt,
Und nicht geweihter sind der Göttin Hallen,
Nicht heiliger als einer hohen Freien Haupt !
 
Umsonst im Unglück blickst du himmelan,
Kein Rettungswerk wird dir auf deine Klagen;
Den Liebestrost, der dir nur helfen kann,
den musst du fromm im eignen Herzen tragen !
 
Es fliehen die Begeisterung matte Seelen,
Die gottesfrohen, frischen, schwelgen d’rin;
Wenn Geistesgluten für das Gute fehlen !
Dann macht der beste Glaube wenig Sinn !
 
Weh dem, der nie um Heiliges sich gehärmt,
Der nie ein Flammenwort entbrennend mitgelesen,
Der nie geliebt, geschmachtet und geschwärmt,
Weh dem, der stirbt und war nie jung gewesen !
 
Und mancher wollte nicht auf Mutterworte hören,
er dünkt zu finden selbst die feste Bahn !
Dann ließ er ungemahnt vom Dünkel sich betören,
Nun schwört verblendet er auf eignen Wahn !
 
Der Weltmensch denkt: Erlaubt sei, was gefalle !
Ein Edler meint: Erlaubt sei, was sich zieme nur !
Beides ist doch Geplärr, ein törichtes Geschalle,
Erlaubt ist, was sein muss ! - im Sinne der Natur.
 
Weltmutters Macht wirkt draußen wie darinnen,
Auch ihr Gesetz weist uns der Runen-Religion !
Die hilft uns Frauenkraft wie Minnemut gewinnen,
So lehrten es die heil’gen Hexen schon !