NICHTS IST VERGESSEN

 

NICHTS IST VERGESSEN !

 
Rückt heran zur Feuerrunde,
Flammenrunen sollen mahnen,
unvergänglich sei die Kunde
der zu Tod gebrannten Ahnen.
 
Wisst ihr noch das weiße, schöne
Heidenweib mit roten Haaren,
das bei Priester-Chorgedröhne,
nackt zum Brandpfahl ward gefahren ?
 
Wisst ihr noch die greise Trude,
Rossfleisch barg sie unter Kesseln ?
Mordbrand warf man an die Bude -,
gellend wand sie sich in Fesseln.
 
Wisst ihr noch des Goden Kinde,
wie’s das Kreuz nicht küssen mochte -,
das sie streckten auf der Winde,
bis sein Herzlein nimmer pochte ?
 
Hört ihr noch des Barden Stimme,
der des Balders Lieder sang,
bis der Mönch im Wahnesgrimme
seine Klauen um ihn schlang ?
 
Wisst ihr noch den kühnen König,
der die Taufe stolz verschmähte ?
Freiheit blieb im Kloster wenig,
wo ihm Geist und Kraft verwehte.
 
Wisst ihr noch den Nordland-Bauern,
der dem Donar treu ergeben ?
Unter grausen Marterschauern
löschten sie sein Heidenleben.
 
Hört ihr noch Sirenen heulen,
als die Terrorbomber brausten,
„Kreuzzugs“-Feuer-Phosphorkeulen
auf die Mütter niedersausten ?
 
Heut‘ sind wir zum Schwur gekommen:
Tat und Untat wird vermessen;
von euch Starken, Freien, Frommen,
nicht ein einziger sei vergessen !
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