KRANKER MANN UND DAS MEHR

„Papa Hemingway“
 
 
 
KRANKER MANN UND DAS MEHR
 
Am Kilimandscharo lag noch Schnee,
erzählte Ernest Hemingway.
Wie blutbeschmutzt der Schnee da war,
nahm kaum ein Leser damals wahr.
 
Wer dieses Menschen Weg beschaut,
dem’s Herz und Hirn unsagbar graut,
vor seiner Freud’ am Schießgewehr
und seiner Gier nach mehr und mehr.
 
Maßlosigkeit in all’ den Dingen
die „echten Männern“ nur gelingen,
Boxen, Ballern, Suff und Brunst,
pries dieser Kerl als „Lebenskunst“.
 
Sein ganzer Stolz war Mord auf Mord,
sein Lebenssinn war Mord als Sport.
Wie schrecklich sich die Fotos gleichen,
auf denen er posiert mit Leichen.
 
Nur wechseln seine Jagd-Probanten:
Schwertfische - Löwen - Elefanten.
Und eitel ließ er die „Erfolge“ sehen,
sein Haus hing voll von den Trophäen.
 
Hoch schätzt’ er stets das Präparieren,
von Machotum und wilden Tieren,
mit Schreibmaschinen wie mit Tinten,
mit Angelhaken und mit Flinten.
 
Das Killen hat der Ernest so genossen,
auch Deutsche hat er gern erschossen,
er prahlte, über hundert wärn’s gewesen,
’nen Jungen traf er gut in den Vogesen.
 
Der wollte vor ihm fliehen auf dem Rad,
es war im Wald, auf einem stillen Pfad,
dem schoss der Ernest in den Rücken -,
die Nieren platzten auf, zu blut’gen Stücken.
 
Dies’ alles „muss“ ein Mann erleben,
im Mehrerleben muss er förmlich beben,
damit ein Autor blutvoll schreiben kann,
Nobelpreisträger wird + ein berühmter Mann.
 
 
Schlaglicht: Kriegsverbrecher Ernest Hemingway >>

Der 1899 in einer Wohlstandsfamilie geborene Ernest Miller Hemingway war so durch und durch Amerikaner, dass, als er anfing zu schreiben, es gar nicht anders gehen konnte, als dass diese enthemmte, in vielen Bereichen maßlos erscheinende Nation das Gefühl verspürte, er schreibe ihr aus der Seele. Hemingway wurde als Reporter und Romanautor berühmt; er erhielt sogar 1953 den Pulitzer-Preis und 1954 den Literaturnobelpreis, nicht für seine aktuellen Leistungen, sondern mehr als politisch motivierte Verbeugung vor der Siegernation des Weltkrieg II., die sich damals auf dem Höhepunkt ihres spektakulären Triumphes sonnen durfte. Gewalttätigkeiten bis zur Mordlust erhielt sich dieser tief gestörte Mann bis zu seinem Ende -; von Alkoholexzessen und seiner bipolaren Störung gezeichnet, erschoss er sich selbst - wie es schon sein Vater getan hatte - als 61-jähriger 1961.

Welch eine kranke, verworrene Seele so ihr Ende gefunden hatte, liest der geneigte Leser in seinen Büchern. Alkoholismus, Gewalttätigkeiten, ungezügelte Sexualität und Depressionen waren die ständigen Begleiter auf Hemingways Lebensstrecke. Sein literarischer Nachlass wird bestimmt von trockenen, emotionslosen Schilderungen der Brutalität und des Verbrechens durch die vom Autor geliebten Gestalten der Säufer, der Neurotiker, Nymphomaninnen, Rauschgiftsüchtigen, Homosexuellen und anderer sexuell verirrter Charaktere. Das war die Welt in der sich Hemingways Geist zeitlebens bewegte.

So brutal, wie er es als Macho liebte, ging Hemingway auch mit Frauen um; als Frau Hadley Anderson schwanger war, trieb er sich herum und jammerte: „Ich bin zu jung, um Vater zu sein.“ Letztlich war er, der ewige Wanderer, bindungsunfähig. Seine zweite Frau, Pauline Pfeiffer, ließ sich scheiden, weil er sie verlassen hatte; kurz darauf heiratete er zum drittenmal, eine Martha Gellhorn. Auch diese Ehe dauerte nur vier Jahre, darauf kam Mary Wels an die Reihe. Unter seinen vielen Liebschaften waren die Kanadierin Jane Mason, die Italienerin Adriana Ivancich, die Kubanerin Leopoldina und eine nicht bekannte Anzahl von Prostituierten.

Um die Brutalität des Krieges hautnah, aber zunächst ohne erhöhtes Risiko erleben zu dürfen, meldete sich der junge Mann zur Sanitätstruppe im Krieg gegen die Deutschen, den die wortbrüchigen Italiener 1914, in ihrer Gier auf Landraub Tirols, vom Zaun gebrochen hatten. Hemingway wurde ein bisschen verwundet, so dass ihm zwei Dutzend Eisensplitter einer detonierten Mörsergranate aus dem rechten Bein gezogen werden mussten. Vorher, oder auch während seines kurzen Endkriegseinsatzes bei der italienischen Infanterie, scheint es - seiner eigenen Aussage gemäß - dem „Sanitäter“ gelungen zu sein, einige deutsche Soldaten zu ermorden.

Der Mord an Tier und Mensch blieb Hemingways große psychotische Leidenschaft. So grausam kalt und empfindungslos gegenüber fremdem Leid, wie er als sadistischer, innerlich völlig unbeteiligter Beobachter auftrat, so war auch der Schreibstil dieses „großen“ und frenetisch gefeierten US-Schriftstellers. Diese Art von unmenschlichem Anderssein erzeugte nicht nur in Amerika Anhängerscharen, sein unreflektorisches Eintreten gegen den Faschismus und Nationalsozialismus fand bis in die massenmörderische bolschewistische Sowjetunion bewundernde Zustimmung. Hemingways Weltbild war kindisch primitiv, geprägt von einem beschränkten Ehr- und Heldenideal, welches in US-amerikanischen Western-Filmen bis in unsere Tage markantesten Ausdruck findet. Die Beschränkung auf Primitivität und niederste Instinkte muss bei einem Teil der proletarischen und salonmarxistischen, antifaschistischen Jugend - damals wie heute - einen starken Widerhall erzeugt haben. Der „wahre Mann“, so Hemingway, muss seine Männlichkeit, ob im Bett oder Schlafsack, immer hart und aggressiv, auf dem Sportfeld und Schlachtfeld ausschließlich durch Brutalität und geschlechtliche Potenz vorführen können.

Als Vierzehnjähriger begann er Boxunterricht zu nehmen, das Schießen, Jagen und den Fischfang brachte ihm schon sein Vater bei, seine spätere Begeisterung für den Stiermord in der spanischen Arena entsprachen ebenso seiner Neigung zu jedem blutigen Geschehen, wie die Gewaltexzesse die er als Kriegsberichterstatter seinem Publikum zu bieten wusste. Zwar nahmen manche Kritiker Anstoß an seiner kaum verhüllten Glorifizierung der brutalen Gewalt, doch der Masse gefiel es als typisch amerikanisch. Sein Roman „Tod am Mittag“ wurde als „blutrünstig und abstoßend“ empfunden, als „neurotisch und hysterisch“, Merkmale die noch heute auf einen Großteil der amerikanischen Schundfilmproduktionen zutreffen. Max Eastman, ein US-Schriftsteller, brachte es auf den Punkt: Es sei stupid, sagte er, von einem „Stierkampf“ so zu sprechen wie es Hemingway tat, denn es handelt sich um keinen Kampf, vielmehr: „Menschen quälen und töten einen Stier. Ein Stier wird gemartert und getötet. Das ist alles. In diesem Zusammenhang von Ehre und Ruhm zu sprechen ist kindisch.… Hemingway hat kein Gefühl für Leben und Tod. Ihn beschäftigt nur die Kunst des zünftigen Mordens.“ Entsprechend seiner Urmenschenpsyche schlug, während einer zufälligen Begegnung, Hemingway seinem Kritiker ins Gesicht und - nach eigenem Bericht - die Nase blutig.
Unmissverständlich auf Hemingway zielend, äußerte sich der Urwaldarzt Albert Schweitzer in der amerikanischen Literaturzeitschrift Saturday Review: „Ich kann mir nicht versagen, zwei der unmenschlichsten Bräuche zu nennen, die unsere Zivilisation und unser Empfinden nicht dulden sollten: den spanischen Stierkampf und die Hetzjagd.“
 
Im Spanischen Bürgerkrieg, in den Hemingway seine exzentrische Nase natürlich auch reinstecken musste, engagierte er sich für die Sache der Demokratie, die nicht weniger menschenverachtend und massenmörderisch auftrat wie die Gegenseite. Dort lernte er den Kriegsberichterstatterkollegen Ilya Ehrenburg kennen, welcher später als Propagandaminister Stalins traurige Berühmtheit erlangte, durch seine Massenmord- und Massenvergewaltigungsaufrufe gegen Zivilisten im Krieg gegen die Deutschen. Hemingways oberflächliches Propagandastück „Die Fünfte Kolonne“ misslang und wurde ein echter Reinfall. Während sein Roman „Wem die Stunde schlägt“ ein durchschlagender Erfolg wurde, nicht zuletzt, weil er den durch US-Präsident Roosevelt inszenierten antifaschistischen Zeitgeist geschickt bediente, aber auch weil in etlichen authentischen Passagen die Zwecklosigkeit der Revolution, der kalte Zynismus der Sowjetkommissare und der „Verrat der Weltmächte am spanischen Volk“ theatralisch in Szene gesetzt wurden.
 
Der Literaturkenner Reich-Ranicki schrieb über den eitlen Selbstinszenierer höchst zutreffend: „Ein Schriftsteller, der sich als Soldat, Pilot, Angler, Großwildjäger, Boxer oder Athlet fotografieren ließ, der mit seinen dramatischen Abenteuern und Jagderfolgen prahlte und der nicht müde wurde, sich seiner Männlichkeit und seiner Trinkfestigkeit zu rühmen, ist eine komische, bestenfalls eine tragikomische Figur.“ Und mit scharfem Blick auch: „Hemingway interessiert der Krieg vor allem als Schule männlicher Tugenden. Er ähnelt in seiner Sicht einer sportlichen Veranstaltung, die den Teilnehmern die unmittelbare Konfrontation mit dem Tod ermöglicht. Er suchte nicht den Tod, wohl aber das Töten.“

Welch ein Kaliber der vordergründig „gute Amerikaner“ in Wahrheit war, eröffneten u.a. John Earl Haynes, Harvey Klehr und Alexander Vassiliev in ihrem Buch „Spies: The Rise And Fall Of The KGB In America“. Hemingway ließ sich 1941 vom KGB unter dem Decknamen „Argo“ rekrutieren, nachdem er gegenüber Sowjetagenten „wiederholt seinen Wunsch, zu helfen“ ausgedrückt hatte, und ist den Akten des sowjetischen Geheimdienstes als „dilettantischer Spion“ geführt worden.

Der Krieg gegen Deutschland wurde zu Hemingways Lebensthema.
Er betrieb seine „Sportfischerei“ auch im deutschen Schwarzwald. In seinem Geschreibsel „49 Depeschen Ausgewählte Zeitungsberichte“ gibt es den Artikel „Deutsche Gastwirte“ (veröffentlicht am 01.09.1922), wo er erzählt, wie der Gastwirt im Oberprechtal im Schwarzwald ihnen ein Zimmer verweigern will, weil sie Ausländer sind, und wo er am selben Abend von zwei „blondhaarigen Deutschen“ angeblich angepöbelt wird, die sich über Ausländer mokieren, die „Schweinehunde“ und „Schieber“ seien. Dass nach Ende von Weltkrieg I., der englischen Hungerblockade, den verlogenen Zusagen des US-Präsidenten Wilson und dem erreichten Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft, nicht wenige bettelarm gemachte Deutsche mit gutem Recht so sprechen konnten, weil sie die Vertreter des Auslandes nicht anders erlebt hatten, kommt dem feinen US-Touristen nicht im Entferntesten in den Sinn.
 
Als Mannschaftsmitglied eines harmlos aussehenden, aber vortrefflich mit Radioanlage und Bewaffnung ausgerüsteten Fischkutters, kreuzte er vor den kubanischen Küstengewässern, um deutsche U-Boote aufzuspüren, die er dann der US-Kriegsmarine zum Versenken meldete. Bei Aufklärungsflügen flog er gerne mit und als die Amerikaner in der Normandie landeten, war er als Kriegsreporter dabei, der aber - ganz entgegen der Genfer Konvention – sehr wohl bewaffnet war und darauf brannte, Deutsche zu killen. Hemingway brüstete sich: „Ich tötete 122 Deutsche”. Während seiner acht Monate im Zweiten Weltkrieg war „Papa Hemingway“ kein Soldat, sondern akkreditierter Kriegsreporter, also Zivilist, was er tat war ganz gemeiner Mord ! Wie durch Recherchen eines „Focus“-Redakteurs bekannt wurde, finden sich in Briefen und Biographien Hinweise auf mehrfachen Mord an deutschen Kriegsgefangenen; der Nobelpreisträger berichtete stolz, wehrlose deutsche Soldaten umgebracht zu haben, darunter einen ganz jungen Buben, der vor ihm auf einem Fahrrad zu flüchten versuchte. Er gesteht in seinen Briefen, dass er einen „frechen Kraut“ und einen fliehenden Jugendlichen erschossen habe. Der killende „Kriegsberichterstatter“ schilderte, wie infolge seines Schusses in den Rücken des Jungen dessen Nieren geplatzt seien. Weder für seine Morde als „Sanitäter“ noch für seine Verbrechen als „Kriegsberichterstatter“ ist Hemingway jemals von einem US-Staatsanwalt vernommen bzw. angeklagt worden. Ob in der Karibik als Fischer, in den „Grünen Hügeln Afrikas“ auf Großwildjagd, beim „Tod am Nachmittag“ im spanischen Stierkampf, oder in seinem geliebten „Männerabenteuer Krieg“, Sterben und Töten gehörte bei Hemingway immer dazu. Seine Behausungen schmückte der leidenschaftliche Tier- und Menschenmörder über und über mit den Trophäen seiner Mordlust; da hingen, zur ständigen Erinnerung an seine Jagdabenteuer, die präparierten Köpfe von Büffeln, Antilopen und anderen Abschussopfern, ob darunter auch der Kopf eines Deutschen war, ist nicht überliefert.
 

2 Werke von E.H.:

The Snows of Kilimanjaro (Schnee auf dem Kilimandscharo), 1936 – Kurzgeschichte aus Afrika

The Old Man and the Sea (Der alte Mann und das Meer), 1952 – Novelle aus Kuba

Über den Killer-Autor:

Aaron E. Hotchner, „Papa Hemingway. Ein persönliches Porträt“, Econ-und-List Taschenbuch-Verlag, München 1999
 
-o-o-o-o-o-o-
 
Pablo und Eleonora M. eröffneten in Jahre 2012 in Leipzig ein Lokal des extrem geschmacklosen Namens „Papa Hemingway“, dessen Eigenwerbung lautet: „Der weltbekannte Ernest ist die Inspiration für uns und der Name Papa Hemingway ist quasi eine Liebeserklärung an ihn. Auf Cuba lebte er 20 Jahre und die Kubaner nannten ihn gern Papa. Der Kerngedanke ist, Leipzig als Kulturmetropole zu feiern, Musik Brücken nach Cuba zu schaffen und die große Persönlichkeit von Hemingway zu würdigen. Ernest Hemingway ist ein Genie, ein Macho, ein Romantiker, ein Moralist, ein Kriegsheld, ein Kritiker, ein Abenteurer, ein Künstler, ein leidenschaftlicher Jäger und Fischer, ein Schriftsteller, der 1000 % sein Leben gelebt hat. Ernest ist eine charismatische und interessante Persönlichkeit. Im Papa Hemingway bieten wir monatlich kulturelle Highlights an, wie z.B. Lesungen über sein schöpferisches Schaffen.“

 

-o-o-o-o-o-

 

Wie man es wagen kann, einen völlig mitempfindungslosen, hemmungslosen Tier-, Menschen- und insbesondere Knaben-Mörder, Macho, Säufer, Bordellgänger und Möchtegern-Kriegshelden - der sich zeitlebens am Töten ergötzte - als „Papa“ zu bezeichnen, entzieht sich jeglichem Verständnis aus der Sicht eines auch nur halbwegs zivilisierten Beobachters !

Pin It