DAS MESSOPFER

 

DAS MESSOPFER

Was sollen vom Sinn der Kirche verstehn,
die selbst zum „heiligen Messopfer“ gehn -,
die am Morgen schon die Hände falten,
innig das „Buch der Bücher“ drücken
und beten, der Herr möge walten,
die Jungen zu richten nach den Alten -,

nur ihr Glaube könne beglücken ?!

Weihrauchnebel steigen ins Hirn,
farbige Fenster verklären die Stirn -,
mit Kunst werden Sinne verbogen -,
schon schmecken sie Wein und denken Blut.
Gedanken sind sorgsam erzogen -,
den „Besten“ kommt die „Einsicht“ geflogen:

„Es ist ein Wahn, doch er ist gut !“

Geopfert wird weder Blut noch Wein.
Geopfert werden die Schafe allein,
die in den Abgrund des Irrsinns ziehen.
Und Saulus, der Priester Jehovas, lacht:
„Die letzten guten Geister fliehen -,
Herr, die Nationen knien.“


Der segnet leise: „Es ist vollbracht !“


 
(1957)

Bild: Kitschiges Heiligenbildchen, auf dem der Ritus des christophilen „Messopfers“, fantastisch überhöhend, als göttlicher Gnadenakt dargestellt wird.
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