IRRENHAUS

IRRENHAUS

Das Irrenhaus ist eine Stätte,
wo in einem sanften Bette,
der Irrgeist gerne Ruhe hätte.

Doch dem Wahne fehlt die Glätte,
sei er mager oder fette,
deshalb gibt es Zwangsjackette.

Ob ergraut, blond und brünette,
keinen sticht man mit Stilette,
  hat man Hunger gibt's Omelette.

Kranke geh’n ins Lazarette -,
  wer nicht folgt der Etikette,
stellt man still und zwar komplette.

Das Irrenhaus ist überall,
nicht nur hinter Damm und Wall,
oder auf dem Opernball.

Irre ist der Medien Schall,
die meisten haben einen Knall,
  einen dicken linken Drall.

Prüft des Pfarrers irren Schwall,
vom geglaubten Sündenfall -,
auch der Politiker Gelall’ !

 Menschen-Macken sind gar prall,
erscheinen oft im Intervall,
trostlos ist der Widerhall.

Geld ist lange keins mehr da,
gute Leute werden rar -;
  schwellen will Schmarotzerschar.

Schlechter wird es jedes Jahr,
die Reichen fressen Kaviar,
den Armen fehlt das Inventar.

Alte Ängste werden wahr,
dass sich Irrsinn neu gebar,
wenig Geister sehen klar.

Leidet Deutschland unheilbar,
geht’s zu End’ für immerdar,
oder meistert’s die Gefahr ?

 

Bild: Max Beckmann, „Irrenhaus“