„TREU DEUTSCH“

 
 
So „typisch deutsch“, was soll das sein ?
Schau in Dein Wesen schonungslos hinein !
Das blaue Aug’, der klare Blick,
der feste Druck der Freundeshand,
der Meisterhände Werkgeschick,
ein einziges Wort als Treuepfand....
 
Zur deutschen Art zählt vielerlei,
vor allem aber: Fremdentümelei !
 
Was Jung und Alt zugleich gefällt,
das Reisen in die bunte, weite Welt.
Fremde Gaue zu begaffen,
fremde Mundart nachzuquaken,
fremde Kunst und Gunst zu raffen,
das sind typisch deutsche Schnaken.
 
Nur was von fernher zu uns rollt,
dem wird so recht Respekt gezollt.
 
Das deutsche Gänschen -, blond, brünett,
lockt fremde Ganter gern ins Lotterbett.
Dem Andersart’gen wird sie rasch zu eigen,
den man als Fremdling preisen kann.
Sie tanzt so hübsch nach fremden Geigen,
zieht fremde Hüt’ und Schuh’ sich an.
 
„Treu deutsch“ heißt: Deutsches zu verachten
und aller Fremdheit nachzuschmachten.
 
Die Leibesfreuden aus fernen Landen,
die Seele gefesselt in fremden Banden,
von fremden Götzen das Herz gelenkt,
an fremde Art das Blut verraten,
an fremdes Volk das Land verschenkt -,
das sind die typisch deutschen Taten.
 
Hört endlich auf, „treu deutsch“ zu denken,
und fanget an, euch selbst zu lenken !
 

 

PS: „Wer der Teutschen Acht hat, der findt diesen Fürwitz, Mangel, äffische Art an ihnen, daß sie aller dinge eher Acht haben, nachfragen, bewundern, dann ihrer eygenen Dinge. Da fahren und wandern sie durch alle Land, bis zu den äußersten Inseln, erspähen fürwitzig all Ding, und sich selbs wissen sie nit.“ Aus Sebastian Francks „Chronika“, 1531

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