„VIKINGS“

Rollo, Ragnar und Ladgerda
 
„VIKINGS“
 
Ein grandioser Lügen-Dreh,
wirkt erneut auf Hirn und Herzen,
man scheute weder Müh‘ noch Kosten,
Heiden-Denken auszumerzen.
 
Raffiniert und hinterfotzig
war stets Christen-Propaganda,
so auch in dem „Viking“-Streifen
mit Ragnar, Rollo und Ladgertha.
 
Gut gedreht, mit guten Mimen,
unbestritten, gut zu sehen,
doch Heidentum und Viking-Zeiten
wird man trotzdem nicht verstehen.
 
Scheinbar objektive Szenen
werden oftmals vorgegaukelt,
tatsächlich, insgesamt gesehen,
wird der Zuschauer verschaukelt.
 
Darin liegt die Raffinesse,
dass auch krasse, grause Züge
christlicher Verbrechens-Taten,
dieser Film zeigt, zur Genüge.
 
Objektiv und realistisch
will das Werk sich präsentieren,
doch der üble Zweck der Übung
ist’s, die Trübung zu verzieren.
 
Ein Mönch ringt zwischen Christ und Odin,
vorgeblich, so soll es scheinen -;
die Strategie der Filmemacher
ist Mission auf frischen Beinen !
 
Michael Hirst ist recht belesen,
machte sich als Autor kundig,
doch aus echter Sicht der Heiden
ist sein Film nichts mehr als schundig !
 
 
Michael Hirst ist ein englischer Drehbuchautor und Produzent, der sich für seine kanadisch-irische Fernsehreihe „Vikings“ über das altnordische Heidentum redlich kundig machte. Wie er selbst sagte, musste er dem amerikanischen Zeitgeschmack entsprechend, seinem Film eine gewisse Tendenz beilegen. Dass diese mehr oder minder klar christlich-missionarisch zu sein hat, wenn sie beim Publikum und den Medien Erfolg haben will, versteht sich von selbst. Der wikingerzeitliche Stoff wird hauptsächlich vom christlich-dänischen Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus (1140-1220) bezogen, was die tendenziöse Einseitigkeit der Sichtweise garantiert. Überraschend und beachtlich sind die Szenen in denen die grausige Doppelmoral der christlichen Denkweisen und ihrer Akteure ohne Scheu vorgetragen wird. Auch die typische schon altenglische Perfidie. Ausgeglichen, aus englisch-patriotischer Sicht, werden derartige Einblicke in die unschönen historischen Realitäten, durch die langlogische Politik König Egbert von Wessex für die Vergrößerung Englands und beispielsweise durch den Chor frenetischer „Gott-schütze-England“-Rufe. Der Wikinger Ragnar Lodbrok, von dem keiner weiß ob er tatsächlich Paris angegriffen hat, denn dieser hieß nur Heerkönig („Reginheri“), wird von dem deutschstämmigen Travis Fimmel überzeugend gespielt. Auch die Schildmaid Lagertha, gespielt von Katheryn Winnick, die ukrainischer Abstammung ist, darf als gute Besetzung gelobt werden, wobei eine weniger grazile Frau überzeugender angekommen wäre. Ihren taffen Sohn Bjorn Ragnarsson spielt der deutschstämmige Alexander Richard Ludwig. Jenen seltsam überzeichneten Heiden Floki spielt der Schwede Gustaf Caspar Orm Skarsgård. Den lobesamen Mönch Athelstan darf der britische Schauspieler George Paul Blagden verkörpern. Man sollte so nebenbei die Filmemacher belehren, dass Haithabu, wo man Ladgertha residieren lässt, nicht in Skandinavien liegt, sondern in Norddeutschland. Michael Hirt war bemüht, möglichst den gesamten Horizont unseres Wissens über das Heidentum in seine Filmfolgen einzubeziehen, bis hin zu den gelegentlichen Zitationen nordischer Spruchdichtungen. Dabei sind etliche schöne, würdige und sogar glaubwürdige Episoden entstanden, obschon dabei die sprühende Fantasie den Boden des Gesicherten oft und oft verlassen musste. Dem US-amerikanischen Geschmack entsprechend, wurde nicht gespart mit überdeutlich gezeigten sensationell-schauerlichen Blutorgien. Die sexistischen Szenen blieben aber annehmbar zurückhaltend. Übertrieben schmutzig kommen die Wikinger - überhaupt mittelalterliche Menschen - daher, womit man wohl den „antiken“ Eindruck künstlich zu verstärken versuchte. Dass gerade Wikinger als extrem eitel, was körperliche Sauberkeit und was die Haarpflege betrifft, beschrieben wurden, wird außer Acht gelassen. Kein realer Wikinger wird je so viel Schmutz im Alltagsgesicht geduldet haben, wo er sich nur einen Moment hat etwas bücken müssen, um sich problemlos mit ein paar Schöpfkellen Seewasser Antlitz und Hände hätte reinwaschen können. Völlig daneben ging die Darstellung der Wikinger-Haarpracht, die den damaligen Nordmännern - schon wegen ihres religiösen Haar-Seelen-Kultes - so sehr am Herzen lag. Ungekämmt ging kein Mann aufs Schlachtfeld, er hätte Bedenken getragen, struppig und strähnig nach Walhall einzugehen. Was dann während der Kampfhandlungen mit dem Haar passierte, steht auf einem anderen Blatt. In den „Viking“-Folgen muten die Skandinavier - im Alltag wie in den Phalanxen - eher wie Zigeuner-Haufen an. Dass aber nach den historischen Abbildungen, die auf uns gekommen sind, Wikinger in der Regel während ihrer Angriffe eisenbehelmt auftraten, und nicht struwwelpeterköpfig, scheint den Filmemachern entgangen zu sein. Vollends unglaubwürdig wird es, wenn man ganze „Wikinger“-Bootsmannschaften an sich vorbeirudern sieht, bei denen nicht ein einziger authentischer Nordmännertyp darunter ist, sondern ausschließlich byzantinische bzw. südosteuropäische bis vorderasiatische Menschenschläge. Dass die Wikinger-Frauen ein überdickes schwarzes Liedschatten-Geschmiere mochten, eher wie die alten Ägypterinnen, ist so wenig als authentisch anzunehmen, wie die Tattoo-Arabesken auf den rasierten Schläfenseiten des Jarl Ragnar. Dass Gott Odin als wandernder Märchenerzähler auftritt und der orakelnde „Älteste“ schließlich keine Antworten mehr weiß, gehört in die Logik des modernen Missionsstückes „Vikings“. 
 
Dass ein solcher Film heutzutage über kein Statistenmaterial mehr verfügen kann wie es nötig wäre, um die einstige Überlegenheit der Wikinger-Kämpfer augenscheinlich zu machen, versteht sich von selbst. Männer, welche ein Leben lang tagelange Arbeiten als Ruderknechte verrichten mussten, verfügten nun mal zwangsläufig über andere Muskelberge als gewöhnliche Bauern, Mönche oder die Stadtbewohner von Paris beispielsweise.  Die ins Bild gesetzten Wikinger nehmen sich in der Masse aus wie heutige Großstadtmenschen von New-York oder sonstwo. Die fast unglaublichen Erfolge der in aller Regel zahlenmäßig unterlegenen Wikinger sind allein erklärbar durch ihre überlegene Körperlichkeit. Diese Recken, durchweg blondhaarig, sollen oder können, so wie sie einstmals daherkamen, nicht abgebildet werden. Es gab so wenig dunkelhaarige Typen im Norden, dass sie als solche, „der Schwarze“, bezeichnet wurden. Die in „Vikings“ agierenden Wikinger gleichen nicht selten eher türkisch-vorderasiatischen Männern und Frauen als den ehemaligen skandinavischen Normannen. Auch insofern ist der Film weit entfernt davon, authentische Eindrücke vermitteln zu können. Der so gern wiederholte Begriff des „Plünderns“, im Zusammenhang mit den Wikinger-Unternehmungen, kaschiert die Tatsache, dass alle die damaligen Herrscher Plünderer waren und vom Plündern ihren hauptsächlichen Lebensunterhalt bestritten, angefangen von den beutelüsternen Römern, über „Karl den Großen“ bis hin zu den in England einfallenden Angelsachsen von Wessex usw.. 
   
Die zentrale Identitätsfigur ist der Mönch Athelstan, welcher scheinbar zwischen seinem ursprünglichen Kloster-Christentum und dem ihn mitbeeinflussenden Nordmänner-Heidentum hin und her pendelt. Mit all seiner sympathischen Menschlichkeit - die eine süße Sex-Geschichte mit einbezieht - soll er die Herzen der Zuschauer gewinnen und sie letztlich mitnehmen auf seinem mystischen Weg zurück, über die Prüfung der Teufelsversuchung, zur „letzten“ Erkenntnis des Golgatha-Erlebnisses und einer Marienerscheinung, dann endlich zur triumphalen edlen christlichen Glaubensgewissheit.
 
Ganz anders, eben höchst abstoßend, werden die heidnischen Priester, mit ihren langen Schlachtopfermessern, kohlschwarz gefärbten Mündern und Ohren gezeichnet. Der Hauptvertreter des Heidenglaubens in der Wikinger-Gruppe um Ragnar ist Floki, aus dessen Namen man den Begriff des tückischen Gottes Loki heraushören soll. Er führt eine ganz skurrile Gesichtsbemalung von schwarzen Augen- und Hals-Nacken-Streifen. Ist natürlich auch völlig konfus, als sein Angriffskonzept auf die Mauern von Paris fehlschlägt und wird konsequent als ein über einige Künste verfügender Narr vorgestellt. Der markante Hauptheld Ragnar aber muss - folgerichtig bei solcher Gedankenkonstruktion - sich dem netten Mönch Athelstan anschließen und - trotz einiger brutaler heidnischer Rückfälle - doch die kulturelle Bedeutung der Römer und der „römischen Religion“ verständnisvoll erahnen. Der Frankenkönig Karl muss in diesem Rahmen selbstverständlich als der „Große“ weise Christenkaiser lobende Erwähnung finden. Seine Abschlachtung der nordischen Sachsen, die einstmals aus Jütland kommend, weitestgehend identisch mit Dänen und anderen Skandinaviern waren, wird mit keinem Wort erwähnt. Das hätte aber den Angriffsgeist der sich wehrenden Wikinger gegen das aggressive Missionskloster Lindisfarne motivieren können. Dass die räuberische und mörderische Brutalität der fränkischen Blutmission gegen den Norden den Wikinger-Angriffen vorausging, ist und bleibt das große christlich-abendländische Tabu. So bleibt eben auch diese Wikinger-Filmfolgen in den altüberkommenen Klischees kleben -, und sind doch sehenswert wenn man mit genügend Wissen ausgestattet ist, die Spreu vom Weizen zu trennen, und die moderne Filmkunsttechnik in ihrer heutigen Gestaltungskraft genießen mag.         

  

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Kommentar einer Leserin:

Ja gut getroffen. Ich schaue die Serie gern um mich einerseits am Ideenreichtum der Haar- und Kostümgestalter zu erfreuen (sowie natürlich an der großartigen musikalischen Untermalung durch Einar Selvik), andererseits gestehe ich auch daß ich mich gern über die Unstimmigkeiten und völlig falschen Darstellungen aufrege, die wir dann oft in der Gruppe diskutieren.
Mich hat diese bescheuerte chinesische Sklavin total aufgeregt, keine Ahnung ob Du das mitbekommen hast, aber die nahmen sie wohl aus Paris mit und Ragnar ließ sich (natürlich - ganz im Sinne des heutigen Zeitgeistes) mit ihr ein, woraufhin sich dann herausstellte daß sie AUSGERECHNET die Tochter des Kaisers von China sein soll!! Also da ging mir der Hut hoch. :D
Katheryn Winnick ist übrigens tatsächlich eine gute Kämpferin, allerdings ist sie ursprünglich eher in den Asiatischen Kampfsportarten unterwegs.

 

 

 

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