TOLLHAUS DEUTSCHLAND

 
 
 
TOLLHAUS DEUTSCHLAND
 
Nie war die Zeit so krank wie heut‘,
so irr und wirr das Hirn der Leut‘.
Kein Fürst und Kaiser und Führer war
so blind gleich heutiger Narrenschar.
 
Der Erdkreis über Deutschland lacht:
Zum Tollhaus habe sie‘s gemacht,
die züchten zum eig'en Schadenszweck,
Maden in ihrem lebendigen Speck.
 
Sie verstreuen mit verbissener Wut,
rings in die Nationen ihr Hab und Gut,
sie haben Schulden wie Duft im Darm,
sie machen begeistert sich bettelarm.
 
Sie reißen die Grenzen und Riegel auf,
laden die Schnorrer herein zuhauf,
dass sich das Pack an den Pforten dängt,
Türen schon frech aus den Angeln hängt.
 
Aus dem Gedränge, Tumult und Rabatz,
gellen die Rufe: „Mehr Platz, mehr Platz !“
Und die Tollhaus-Deutschen treiben ab,
werfen den Nachwuchs ins Massengrab.
 
Wie's mit den Verrückten die Regel ist,
erkennen sie nie ihren Mist als Mist -,
tanzen wie auf ‘nem Segensgewinn,
sinken hinein und verschwinden darin.
 
 
 
Bildausschnitt: William Hogarth, „Szene aus dem Irrenhaus“, 1735
 
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