DER NIEDERE HASS

 

DER NIEDERE HASS

Von unten nach oben geifert der Hass,
aus bewundernder Betrachtung -;
von oben nach unten ist es nur das:
die schweigende Verachtung.

Drum quaken die Kröten zum Adler auf,
drum zischen die Schlangen zum Himmel;
still horstet der Adler am hohen Stauf,
über Gründen mit dunklem Gewimmel.

Und wer keine Fänge und Flügel hat,
der muss sich beim Taglicht verstellen,
der siedet sich Gifte aus Wurzel und Blatt,
der schleicht durch Schatten, um Ecken.

Ist niederen Gnomen ihr Gift nicht Nutz,
und die List der gespaltenen Zungen,
dann ballt sich Gesindel zum Gegentrutz,
wird zum Anschlag der Pöbel gedungen.

Die Masse allein bringt das Hohe zu Fall,
wenn die Geier, Hyänen und Ratten,
mit tierhafter Gier, ihrem bösen Vasall’,
erst in blutiger Atzung ermatten.

Wie unzählig oft in der Weltgeschicht’,
wurd’ das Edelste nieder gebissen.
Das ist im Sinn einer Steigerung nicht,
und nagt an des Weltgeist’s Gewissen.




Das metaphysische Prinzip des Weltgeistes ist der Zentralbegriff im philosophischen Werk von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831). Seinem Weltverständnis entsprechend, gilt die totale historische Wirklichkeit als ein Werdeprozess des Weltgeistes. Dadurch würde sich der „Endzweck“ in der Weltgeschichte in Form einer „Vernunft in der Geschichte“ offenbaren. Da aber in der Regel in den Kriegen der Völker nicht der Bessere oder Edlere, sondern der größere Schurke obsiegt -, wo bleibt da die Vernunft des Weltgeistes ?

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