DORA / HEINRICH RATJEN

 
 
DORA / HEINRICH RATJEN
 
Lügen gelten meist als scheußlich,
doch in Medien sind sie häuslich.
Die Lüge jede Stimmung hebt,
wenn’s nur gegen „Nazis“ geht !
 
Dann ist Lug und Trug erlaubt,
denn sie dienen hehren Zwecken,
wär’n auch Lügen dick verstaubt,
man zerrt sie aus ihren Ecken.
 
So filmte man Olympia-Spielen,
wo Medaillen einstmals fielen -;
angeblich die „Nazis“ trogen,
Medaillen-Segen sich erlogen.
 
Solche Märchen machen Kasse,
auf die „Nazis“ hau’n ist Klasse,
das ist gefahrlos, ungefähr -,
denn die wehren sich nicht mehr.
 
„Nazi-Trug“ wird frei erlogen,
Geschichten sich zurechtgebogen,
von einem armen Menschenkind,
das nicht so war wie andere sind.
 
Die Dora Ratjen war ein Zwitter,
sprang wie ein Junge über Gitter,
doch sie pinkelt’ nur im Sitzen,
wie die Mädels aus den Ritzen.
 
So war sie deutlich androgyn,
sie „Mann“ zu nennen, wäre kühn;
sie trat im Damen-Hochsprung an,
sie zeigte Leistung und gewann.
 
Erst im Wachstum ihrer Reife,
war'n Probleme zu erkennen,
ohne Anlass zum Gekeife -,
nichts als Tragik ist zu nennen !
 
Doch was gilt heute Sachlichkeit,
Sensationen liebt die Zeit ?!
Ist keine Untat zu erkunden,
wird halt eine frei erfunden !
 
 
 
Wie eine Nazi-Sport-Intrige in den USA frei erfunden wurde und von unverantwortlichen Filmemachern und Schreiberlingen kolportiert wird, ist einmal mehr zu beobachten an der heutigen Berichterstattung über die Tragödie der ehemaligen deutschen Hochsprungmeisterin Dora Ratjen, die sich später in Heinrich umbenennen lassen musste. Der Film „Berlin '36“, von Regisseur Kaspar Heidelbach, erzählt die Geschichte der Dora Ratjen als tendenziöses Politdrama, das von der historischen Wahrheit stark abweicht. Als interessant gilt die Geschichte weil die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann bei den Olympischen Spielen 1936 durch die gleich gute androgyne Dora Ratjen ersetzt worden ist. Den Sportorganisatoren der „Nazis“ zu unterstellen, dass sie vom zwitterhaften, oder sogar vom männlichen Charakter der Dora gewusst hätten und gezielt einen „Mann“ als Mädchen eingesetzt haben, ist nachweisbar falsch und höchst albern. Dora wuchs als Mädchen auf, wurde so erzogen und begriff sich, neben ihren Schwestern, als weibliches Wesen. Ihre Liebe war der Hochsprung, ohne jede Manipulation der „Nazis“. Sie scheint keinen echten Penis gehabt zu haben, hatte eine tiefe Furche im Schritt und konnte nicht im Stehen urinieren. Erst als bei der jungen Frau ein stärkerer Haarwuchs an den Gliedmaßen einsetzte, wurde das Problem von Außenstehenden erkannt. Bei den Leichtathletik-Europameisterschaften hatte sie 1938 Gold für Deutschland geholt, saß wie gewohnt in Frauenkleidern im Zug von Wien nach Hause, wurde wegen auffällig behaarter Unterarme von einem Mitreisenden angezeigt und damit eine behördliche Untersuchung angestrengt. Das Vorgehen der NS-Amtsträger war absolut korrekt und doch auch rücksichtsvoll. Ein Ermittlungsverfahren war eingeleitet worden, wegen des Verdachtes auf Betrug, als „Geschädigter“ galt dabei das Dt. Reich, so steht es in der Einlieferungsanzeige. Die noch vorhandene Polizeiakte enthält Selbstzeugnisse von D. Ratjen, auch die Aussagen des Vaters und umfangreiches Ermittlungsmaterial der Behörden, dazu etliche Schreiben an den Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten. In diesem Material findet sich für eine „Nazi-Intrige“ keinerlei Indiz. Bezeugt wurde, der Oberkörper Ratjens sei „mädchenhaft zart“. Die Untersuchungen ergaben, dass Doro aufgrund der genitalen Sonderheiten zu einem Geschlechtsverkehr nicht befähigt war. Die olympische Medaille wurde zurückgegeben, die Neubenamung in Heinrich veranlasst und möglicht ohne Peinlichkeiten für die betroffene bedauernswerte Person, zur Tagesordnung übergegangen. Die Ente wurde von der US-Zeitung „Time“ in die Welt gesetzt, zusammen mit der nichtdeutschen Gretel Bergmann, welche nie davon abzubringen war, es handele sich hierbei um einen üblen „Nazi-Plan“. Der Schwachsinn, sie sei „zum Ruhm und zur Ehre Deutschlands“ von den „Nazis“ gezwungen worden, sich als Mädchen zu verstellen, entbehrt aber jeder Grundlage. Der Historiker Berno Bahro, spricht hinsichtlich des filmischen Machwerkes von „deutlichen Abweichungen zwischen Realität und Darstellung“.
 
PS: Bis heute lügen US-Netz-Seiten das Blaue vom Himmel herunter: "German Dora Ratjen came fourth in the 1936 Olympics high jump. Dora had a interesting amount of facial hair. After an examination, Ratjen’s real name was revealed to be Hermann. In 1957, Ratjen blamed her lie on the Nazis lust for glory. He said: ,For three years I lived the life of a girl. It was most dull.'”
 
Bild: Dora Ratjen beim Hochsprung
Pin It