EPHIALTES

 
 
 
 
EPHIALTES
(„Der Alptraum“)


Heldenlieder klingen wider,
aus der alten Griechen Sphären,
um der Ehre Bild zu klären,
schallen sie zur Jetztzeit nieder.

Leonidas, der Löwengleiche,
blondgelockter Spartiate,
erster Diener seinem Staate,
ragend wie des Deiwos Eiche.

Um die Feinde abzuwehren,
stand er an den Thermopylen.
Zwischen engen Felsenstühlen,
trotzte er den Perser-Heeren.

Xerxes kam herangezogen,
zahllos folgten ihm die Streiter,
silber-glänzend seine Reiter,
wie der Meerflut Todeswogen

Hier, ans Tor der heißen Quellen,
brandete des Krieges Grauen,
zu beschützen Kind und Frauen,
sollte Asiens Macht zerschellen.

Folgsam, in Gesetzestreue,
kämpften König und Soldaten,
doch sie wurden schnöd’ verraten;
Spartaner sterben ohne Reue.

Ephialtes war jener Täter,
krank am Leibe, wie an Seele;
Gift troff aus der Krötenkehle -;
widerlich sind die Verräter.

Helden kennen Hass und Häme,
Herren gibt es und Halunken -;
wem der Tartaros gewunken,
nimmer zum Olympos käme.

Jedes Volk weiß seine Lumpen -
Verräter-Seelen in den Nöten -
die um schnöden Vorteil töten,
gierig nur nach goldnen Klumpen.
 
Deutsches Schicksal ward gewogen,
Feldherr Paulus führt’ im Osten,
stand in Stalingrad auf Posten,
dort hat er sein Volk betrogen.
 
Um Erbärmliches zu retten,
 niederes Verlierer-Leben,
hat dem Feind die Hand gegeben;
ruhte sanft in seidenen Betten.
 
Auch ein Präsident der Schande,
trübte seines Volkes Heile,
als er gepredigt jene Zeile,
ohne Ehre und Verstande.
 
Als sein Volk zutiefst gefallen,
packte ihn die Geistes-Räude,
sprach er von „Befreiungs-Freude“,
tät er Paradoxes lallen.
 
Der Verrat aus eigenen Reihen -,
ewiger Alptraum aller Reinen,
die im Anblick des Gemeinen
weinen, speien und verzeihen.
 
 

Am Engpass der Thermopylen („Heiße Quellen“) standen im Jahre 480 v.0 der Spartanerkönig Leonidas mit einem griechischen Aufgebot und seinen 300 spartanischen Elitesoldaten, um möglichst den Durchbruch der persischen Angriffsarmeen, unter Großkönig Xerxes, nach Mittelgriechenland, abzuwehren. Ein missgestalteter spartanischer Verräter, namens Ephialtes von Trachis (Aussprache: Efiáltis, Efialtes), verriet, um persönliche Vorteile zu erlangen, seine Nation an die asiatische Großmacht, indem er die Perser über einen Umgehungspfad in den Rücken der Verteidiger führte. Die Spartaner opferten sich, dem Gesetz ihres Staates folgend, welches besagte, dass kein Spartaner vor dem Feind zurückweichen dürfe. Ephialtes heißt „Alptraum“, er wurde in Altgriechenland zum klassischen Sinnbild des verräterischen Schurken, wie es im christlichen Schema der Judas wurde. Der Alptraum des Volksverrates schwebt wie ein Damoklesschwert über jedem Volkstum und jeglicher menschlichen Gemeinschaft seit Anbeginn der Zeit, denn auch im edelsten Volk findet sich ein Bodensatz von elenden, niederen Kreaturen.

Eine der abscheulichsten Verrätertaten der neueren deutschen Geschichte macht sich am Feldherrn Friedrich Wilhelm Ernst Paulus (1890-1957) fest, der als Führer der 6. deutschen Stalingrad-Armee kapitulierte und die Erbärmlichkeit besaß, in Gefangenschaft zu gehen, anstatt - wie es die kulturübergreifenden Kriegerehre verlangt - sich im Anblick einer militärischen Katastrophe selbst zu entleiben. Wenn ein Führer zehntausende Männer in den Untergang führt - völlig unabhängig vom Schuldanteil - hat er mit in den Tod zu gehen. Aber der schändliche Paulus arbeitete sogar nach der Gefangennahme als Verräter mit dem Gegner zusammen, verriet militärische Geheimnisse an die Russen und schulte sie für den Sieg über sein Vaterland. Während Millionen „Plenis“ (russische Bezeichnung von Kriegsgefangenen) buchstäblich vereckten, räkelte sich der kollaborierende Paulus in seidenen Betten und durfte schließlich wohlbehalten in die Heimat zurückkehren.

Eine sehr sublime und perfide Art des Verrates beging der sich intellektuell und vornehm gebende Täter Richard Karl Freiherr von Weizsäcker (1920-2015), der 1985, im höchsten Amt eines Bundespräsidenten des deutschen Nachkriegsregimes, davon sprach, Deutschland sei von seinen Gegnern nach Weltkrieg II. „befreit“ worden. Abgesehen davon, dass keiner der Alliierten jemals vorgegeben hat, Deutschland befreien zu wollen, könnte man das paradoxe Wort des v. Weizsäcker (und seiner epigonalen Nachbeter) - in Anbetracht der Millionen Deutschen die vom Leben, von der Heimat, ihrem Besitz und von der Freiheit befreit wurden - als eine der ungeheuerlichsten bekannt gewordenen Zynismen bezeichnen. Die Weltgeschichte lehrt, dass es das allzu verständliche Bestreben aller Sieger sein muss, den Niedergeworfenen einzureden, sie hätten von irgendwelchen Herrschern „befreit“ werden sollen; die fadenscheinige Behauptung, der Krieg sei nicht gegen das Volk, sondern allein gegen seine Führungsriege geführt worden, verstand schon der Mongole Dschingis-Chan vortrefflich. Dass auch Weltkrieg II. gegen das Volk und nicht gegen Ideologien oder Personen geführt wurde, ist unmissverständlich deutlich geworden, als mit dem Termin des Kriegsendes, am 8. Mai 1945, die millionenfachen Versklavungen, Schändungen und Massentötungen von wehrlos gemachten Deutschen begannen.
 
DIE ART DER „BEFREIUNG“
 
Sie kamen nicht nur als Befreier: Viele alliierte Soldaten vergewaltigten und missbrauchten deutsche Frauen nach Kriegsende und in der Besatzungszeit. Ein neues Buch räumt nun mit Vorurteilen auf. Denn zu den Gräueltaten kam es nicht nur im Osten - auch westliche Soldaten wurden zu Tätern. Von FOCUS-Online-Redakteur Julian Rohrer »
 
Miriam Gebhardt, „Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs“, DVA, München 2015, ISBN 978-3-421-04633-8.

 

Der unerträgliche Originalfilm von der „Befreiung“
der Sudetendeutschen durch die Tschechen.

Der unerträgliche Spielfilm vom Grauen der „Befreiung“ in Berlin

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Der ungarische Halbjude Sandor Kovacs, der das KZ der Nazis überlebte und bei seinem Heimmarsch nach Budapest durch Prag kam, gab zu Protokoll:

»Im hitlerischen KZ sah ich Sachen, die ich nicht für möglich gehalten hätte, dass sie von Menschen anderen Menschen angetan würden. Als ich im Mai 1945 auf dem Rückmarsch in meine Heimat in Prag vom Ausbruch des tschechischen Wahnsinns überrascht wurde, erlebte ich ein Inferno menschlicher Armseligkeit und moralischer Tiefe, gegen das meine KZ-Zeit fast eine Erholung gewesen war. Frauen und Kinder wurden bei lebendigem Leib mit Petroleum übergossen und angezündet, Männer unter unvorstellbaren Qualen ermordet. Dabei musste ich ausdrücklich feststellen, dass sich die gesamte Bevölkerung an diesem Verbrechen beteiligte, nicht nur der übliche Mob. Ich sah hochelegante junge Tschechinnen, die vielleicht noch vor kurzem mit den deutschen Offizieren geflirtet hatten, und die nun mit Revolver und Hundspeitschen durch die Straßen liefen und Menschen quälten und mordeten, ich sah offensichtlich höhere tschechische Beamte gemeinsam mit tschechischem Straßenmob johlend Frauen vergewaltigen und qualvollst umbringen. Ich fürchtete mich vor einem deutschen Wiedererwachen. Denn was den Deutschen geschah, ist unbeschreiblich!«

 

Kommentar zum Film:

http://www.michael-klonovsky.de/artikel/item/86-qflachshaarige-hexenq

„Flachshaarige Hexen“

Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen durch Rotarmisten 1945, heißt es, waren Vergeltung für die deutschen Kriegsverbrechen. Stimmt das ?
 
Der Film „Anonyma“, der dieser Tage in den Kinos angelaufen ist, schildert die Vergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch Soldaten der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs – ein ideologisch vermintes Thema. Die Kritik fand den Streifen nahezu geschlossen melodramatisch bis kitschig; er hinterlasse den Eindruck, spöttelte der Publizist Alan Posener, als „habe die Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft Regie geführt“.

Der Film schildert, wie sich eine junge Berlinerin, gespielt von Nina Hoss, um weiteren Schändungen zu entgehen, einen russischen Offizier als Beschützer sucht, dem sie natürlich gewisse Gegenleistungen bieten muss. Diese gezielte Unterwerfung führt dazu, dass sie das Verhalten der Sieger schließlich versteht und sich in den Offizier beinahe verliebt – was in Wirklichkeit, wenn überhaupt je, nicht oft vorgekommen ist.

Was der Film nicht schildert, sind Ereignisse wie jenes: Am 3. Mai 1945 besucht die Journalistin Margret Boveri eine Freundin. Was sie vorfindet, ist eine um Jahre gealterte Frau „mit blutunterlaufenen Augen und schwarzen Flecken im Gesicht und einem Loch im Schädel in der Stirn ... Die Vorderzähne sind ihr eingeschlagen.“ Ihre Freundin war mehrfach missbraucht und zusammengeschlagen worden. Die Nachbarin hing mitsamt ihren vier Töchtern, acht bis 14 Jahre alt, sowie einer weiteren Frau mit Kind im Keller des Hauses. „Die Frauen waren aber nicht durch das Erhängen getötet worden, sondern vorher vergewaltigt und übel zugerichtet worden.“

Der Film zeigt auch nicht die in der gleichnamigen Buchvorlage geschilderte Erschießung eines Rechtsanwalts, der während der Nazi-Zeit seiner jüdischen Frau beigestanden hatte und nun sterbend zusehen musste, wie Rotarmisten sie schändeten. Der Film zeigt keine jener vielfach bezeugten extremen Grausamkeiten, etwa: „Da ist ein Vater, der sein Kind, ein junges Mädchen, schützen will. Mongolen stoßen ihm das dreikantige Bajonett in den Leib. Die Russen stehen dutzendweise Schlange vor den einzelnen Frauen. In ihrer Gier merken sie nicht, daß manche schon im Sterben liegen, weil sie Gift genommen haben oder an zerrissenen Organen verbluten.“ Man habe sich bemüht, so Produzent Günter Rohrbach, „den russischen Soldaten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“.

Als im Oktober 1944 die ersten Verbände der Roten Armee deutsches Reichsgebiet betraten, „hub ein Rauben, Morden, Schänden und Metzeln an, das auch neutralen Betrachtern die Vorstellung der altmongolischen Horde einflößte“, schreibt der Berliner Historiker Jörg Friedrich. Gemeinhin wertet man die Verbrechen der Roten Armee als Vergeltung für die deutschen Gräuel in der Sowjetunion – und wer wird diese Ursache leugnen wollen? Allerdings gibt es gute Gründe, sie nicht isoliert dastehen zu lassen.

„Vergewaltigungen traten überall auf, wo die Rote Armee über Feinde herfiel“, erklärt lakonisch die englische Historikerin Catherine Merridale in ihrem Buch „Iwans Krieg“. Die Sowjettruppen führten sich in den Ländern, die sie von den Nazis „befreiten“, ebenfalls wie Barbaren auf, sie mordeten, plünderten und schändeten im Baltikum genauso wie auf dem Balkan, und als sich der jugoslawische Kommunist Milovan Djilas bei Stalin beschwerte, fragte der, was denn schon dabei sei, wenn sich ein Soldat „mit einer Frau amüsiert, nach all den Schrecknissen“.

Nach der Einnahme Budapests im Februar 1945 wurden ungarische Mädchen massenhaft in sowjetische Quartiere verschleppt, mehrfach vergewaltigt und manchmal auch getötet. Marodierende Rotarmisten überfielen sogar das Gebäude der schwedischen Gesandtschaft und vergingen sich an den Frauen darin, ungeachtet ihrer Nationalität. Die 2. Ukrainische Front, in der zahlreiche freigelassene Kriminelle dienten, zog „von Budapest bis Pilsen eine breite Spur von Vergewaltigung und Mord“, schreibt der Historiker und Stanford-Professor Norman M. Naimark. Auch die Frauen der polnischen Verbündeten blieben nicht verschont.

„Viel schockierender für Russen aber ist, dass Offiziere und Soldaten der Roten Armee sich auch an ukrainischen, russischen und weißrussischen Frauen und Mädchen vergriffen, die aus deutscher Zwangsarbeit befreit wurden“, notiert der englische Historiker Antony Beevor in seinem Buch „Berlin1945: Das Ende“. Diese „verbreiteten Vorkommnisse“, so Beevor, „führen alle Versuche ad absurdum, das Verhalten der Roten Armee mit Vergeltungfür das brutale Vorgehen der Deutschen in der Sowjetunion zu rechtfertigen.“ Zumindest schränken sie dieses Motiv ein.

Gegen das fixe Bild der Rache für erlittenes Leid spricht auch, dass Augenzeugenberichten zufolge asiatische Truppenteile – die aus Gebieten kamen, wohin kein Deutscher den Stiefel gesetzt hatte – oft ebenfalls grausam wüteten, und dass die Vergewaltigungen nach dem Kriegsende in manchen Regionen noch lange weitergingen. Bis ins Jahr 1947 musste man damit rechnen, dass „jedes neu einrückende Truppenkontingent seinen Einstand mit Gewaltorgien feierte“ (Naimark). So meldete der Polizeibericht aus Merseburg über die Feiern zum 1. Mai 1946: „Die weiblichen Bewohner werden ohne Rücksicht auf ihr Alter nach schwersten Mißhandlungen im Anschluß an die Ausplünderung ihrer Wohnungen vergewaltigt.“

Und wie verhielt sich Stalin dazu? Individuelle Rachebedürfnisse seiner Soldaten haben ihn nie interessiert – den Völkermörder im Kreml leiteten allein geostrategische Motive. Als sich das Kriegsziel der Roten Armee von „Befreiung der Heimat“ in „Zerschlagung Hitler-Deutschlands“ wandelte, musste der allgemeinen Kampfesmüdigkeit mit Verheißungen entgegengewirkt werden. So erfuhren Wehrmachtsvernehmer von gefangenen Rotarmisten, dass ihnen Politoffiziere die deutschen Frauen als Beute versprochen hatten.

Indem sie Angst und Schrecken verbreitete, forcierte die Rote Armee außerdem die Flucht der Deutschen aus den Gebieten, die den Absprachen der alliierten Führer gemäß nach Kriegsende Polen und Tschechen zufallen sollten. Nicht zuletzt verstärkten die Massenvergewaltigungen – denen die Männer zuschauen mussten, ohne ihre Frauen und Töchter schützen zu können – die Demoralisierung Deutschlands, was einen Sinn ergibt vor dem Hintergrund, dass Stalin lange davon ausging, der einstige Aggressor werde als ungeteilter, neutraler Staat fortexistieren.

„Ohne Zweifel hat Moskau die Taten der Männer gefördert, wenn nicht gar gesteuert“, befindet Historikerin Merridale. Dazu, sich besonders im deutschen Osten wie eine Tatarenhorde aufzuführen, waren die Sowjettruppen massiv aufgehetzt worden. „Diese Kreaturen sind keine menschlichen Wesen. Sie sind schreckliche Parasiten. Sie sind schädliches Ungeziefer“, schrieb Stalins Chefpropagandist Ilja Ehrenburg bereits im Sommer 1941 über die Angreifer. „Die Deutschen sind keine Menschen“, erklärte er im Oktober 1942. „Diesen Stamm vernichten wir.“ Oder: „Es ist nicht damit getan, Deutschland zu besiegen. Es muß ausgelöscht werden.“ Über die deutsche Frau schrieb er: „Das Weib dieser Gattung wartet in seiner Höhle auf Beute“, und: „Diese spezielle flachshaarige Hexe wird uns nicht so leicht entgehen.“

Vielfach bezeugt ist, dass Ehrenburgs Texte als so „heilig“ galten, dass die Soldaten sie nicht einmal zum Zigarettendrehen verwendeten. Seine Hassgesänge wurden millionenfach gelesen, rezitiert – und verstanden. „Man braucht sie nicht zu überreden, einfach den Nagan (Revolver – d. Red.) angesetzt und das Kommando Hinlegen, erledigst das Geschäft und gehst weiter“, schrieb ein russischer Soldat aus Ostpreußen. Es habe „unseren Jungs eine gewisse Befriedigung bereitet, diesen Herrenvolk-Weibern einmal gründlich einzuheizen“, erklärte Generalleutnant Wassili Sokolowski am 5. Juni 1945 in einem Interview. Offiziere, die sich für die Schonung deutscher Zivilisten einsetzten, wanderten dagegen ins Gefängnis; die beiden prominentesten Beispiele waren Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew.

Nicht individuelle Rächer kamen in erster Linie 1945 nach Ost- und Mitteldeutschland, sondern der Stalinismus als System. Viele Rotarmisten, bilanziert Russland-Kennerin Merridale, machten im Feindesland auch jenem Schmerz Luft, „der nicht erst im Krieg selbst, sondern schon in den Jahrzehnten der Demütigung, Entmündigung und Furcht“ zuvor entstanden war.

Erschienen in: Focus 45/2008, S. 52-54 

 

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„EIN GEFEIERTER BEFREIER“
 
„Ich töte gerne !“ Ernest Hemingway brüstete sich, als US-„Kriegsberichterstatter“ 122 deutsche Kriegsgefangene erschossen zu haben. („Focus“, 39/2006, S. 74) Hemingway schrieb Anfang 1945 an Mary Welsh: „Wir haben’s hier sehr nett und lustig, viele Tote, deutsche Beute, viel Schießerei und jede Menge Kämpfe.“ Am 27.08.1949 schrieb er seinem Verleger Charles Scribner: „Einmal habe ich einen besonders frechen SS-Kraut umgelegt. Als ich ihm sagte, dass ich ihn töten würde, wenn er nicht seine Fluchtwegsignale rausrückte, sagte der Kerl doch: Du wist mich nicht töten … Außerdem verstößt es gegen die Genfer Konvention. Du irrst Dich, Bruder, sagte ich zu ihm und schoss ihm dreimal schell in den Bauch, und dann, als er in die Knie ging, schoss ich ihm in den Schädel, so dass ihm das Gehirn aus dem Mund kam, oder aus der Nase, glaube ich.“ Am 02.06.1950  berichtete Hemingway Arthur Mizener, dass er 122 Deutsche getötet habe. Einer seiner letzten Opfer sei ein junger, auf einem Fahrrad flüchtender Soldat gewesen – „ungefähr im Alter meines Sohnes Patrick“. Er habe ihm mit einer M1 von hinten durch das Rückgrad geschossen, so dass die Kugel die Leber zerfetzte. Den US-„Befreiern“ waren derlei Untaten großzügig erlaubt, verfolgt und verurteilt wurde keiner wegen solcher nebensächlicher Kriegsverbrechen, man hatte und hat ja - bis heute - alle Hände voll zu tun, deutsche Täter aufzuspüren. Das Messen mit zweierlei Maß ist seit Kriegsende Richtlinie der Sieger und ihrer Trabanten gewesen.

 

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