DEM PRIESTER

DEM PRIESTER

Ich kenne dich und deine schlimme Zunft,
Und lange war‘s ein Rätsel mir, wie euch
In ihrem Runde duldet die Natur.
Ach ! als ich noch ein Knabe; da mied
Euch Allverderber schon mein frommes Herz,
Das unbestechbar innigliebend hing
An Sonn und Äther und den Boten allen
Der großen ferngeahndeten Natur.
Denn wohl hab ich‘s gefühlt, in meiner Furcht,
Dass ihr des Herzens freie Götterliebe
Bereden möchtet zum gemeinen Dienst,
Und dass ich‘s treiben sollte, so wie ihr.
Hinweg ! Ich kann vor mir den Mann nicht sehn,
Der Heiliges wie ein Gewerbe treibt,
Sein Angesicht ist falsch und kalt und tot,
Wie seine Götter sind. Was stehet ihr
Betroffen ? Gehet nun !

Friedrich Hölderlin

geboren am 20. März 1770 in Lauffen a. N.
gestorben en am 7. Juni 1843 in Tübingen

Bild: Der Jesuit von Wilhelm Busch

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