MEIN SEELENGANG

 
MEIN SEELENGANG
 
Durch die Äonen die Seelen geh’n,
im ewigen kreisenden Reisen,
wer kann er erahnen, kann es versteh’n,
was wissen die rätigen Weisen ?
 
Wie war meiner eigenen Seele Gang,
wie war ihr vergangenes Leben ?
Ich hörte der Ahnen Sagen-Gesang
vom geheimen, verborgenen Weben.
 
War ich ein Rabe, ein Eibenzweig,
auf dem Opferaltar eine Flamme,
erklomm ich auf Höhen den Gipfelsteig
oder diente als Mutter und Amme ?
 
Meine Seele lebt, meine Seele war,
im Wiederverkörperungs-Reigen,
war ich ein Magier, ein Erilar ?
Meine Träume mögen’s mir zeigen.
 
Was aus den Tiefen des Herzens quillt,
in mein „Ich“, in die oberen Zonen,
ist gewiss meiner Seele seliges Bild,
in dem meine Hoffnungen wohnen.
 
Ich erahne des Seelengangs Heimatort,
ich seh’ meinen Platz, meinen Stuhl,
fühlt’ mich zuhause im heiligen Nord’,
wohl im Dienst an der Irminsul.
 
Mein Leben hatt’ ich den Runen geweiht
und dem Glauben germanischer Ahnen,
dies' Sinnen trug mich durch meine Zeit,
als ein Gode der Asen und Wanen.
 
Nur so erklärt sich mir meine Sucht,
mein verhangenes Wissen zu klären
und meines Forschens glückliche Frucht,
die die Götter mir gnädig gewähren.
 
Gerhard Hess
 
 
 

 

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