RINGEN UND REIFEN

RINGEN UND REIFEN

Wenn alles eben würde,
wie du gewollt es hast,
gäb’ Gott dir keine Bürde,
und nähm’ dir jede Last,
wie wär’s da um dein Wandern,
du Menschenkind, bestellt,
von einem Ort zum andern,
hinauf in bessre Welt ?

Du wolltest immer bleiben,
du würdest faul und fad’,
du würdest dich beleiben,
gingst nur bequemen Pfad.
Doch Gott will, dass Du steigest,
dass du die Sinne schulst,
die Kräftegaben zeigest,
und du um Höchstes buhlst.

Das ist dein Zweck des Strebens,
dein Ringen um das Glück,
du lebtest ganz vergebens,
fiel’ deine Kraft zurück.
Und wenn die Muskeln schwinden,
dann steigst du doch im Geist;
der soll hinan sich winden,
bis er im Gipfel kreist.

Wenn alles eben würde,
wie du gewollt es hast,
gäb’ Gott dir keine Hürde,
du wärst ein armer Gast.
Nichtsnutzig wär’ dein Wesen,
sehr sinnlos wär’ dein Sein,
du würdest nie genesen,
zur Überwelt hinein.

Der Mensch ist eine Brücke,
vom Affen hin zu Gott,
drum seh’ in Schicksals Tücke,
nicht deines Schöpfers Spott.
Er will hinauf dich ziehen;
das sei dein Ziel und Sinn,
zu heil’gen Harmonien,
des Übermenschen hin.

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