SANDKASTENSPIELE

Das Inbild des deutschen faustischen Denkers. Miniatur aus der „Großen Heidelberger Liederhandschrift“ (um 1300). Den zusätzlichen Kopf von Walther von der Vogelweide habe ich einmontiert. Seine ihm beigegebenen Symbole sind Textblatt und Schwert, sie meinen „Weistum und Wehre“, die Grundpfeiler jeglicher menschlicher Existenz. Die Umrisslinien des Textblattes kommen von oben: Der Geist ist ein Gottes-Geschenk. Von dem ruhmreichen deutschen Denker, Dichter und Minnesänger Walther von der Vogelweide (1180-1230) sind über 90 Lieder und annähernd 150 Gedichte überliefert.
 
SANDKASTENSPIELE
 
Sandkastenspiele samt und sonders,
sind neudeutsche Denkmodelle,
denn sie kommen und sie gehen,
wie am Strand die Brandungswelle.
 
Ich meine Weltanschauungsfragen,
wonach wär‘ Leben auszurichten,
wie versteht sich rechte Führung,
ohne dem Volk was vorzudichten ?
 
Das reicht auch hin zur Esoterik,
nicht einer klamaukhaft schrillen,
sondern eines ernsten Strebens
nach des Urgrunds Mythos-Willen.
 
Stirbt ihr Mythos, sterben Völker,
denn ihr Geist hält sie zusammen,
der schafft die Gemeinschaftsseele,
mit dem Blut dem sie entstammen.
 
Tauglich zubest sind Traditionen,
auf neuzeitlichen Stand gehoben.
Nur einem Ring aus eigener Seele
kann ein Volk die Treu‘ geloben.
 
Abzutun sind Fremdheits-Weisen,
sie können nur der Seele schaden,
ganz allein das Stammverwandte,
soll der Mensch zur Mehrung laden.
 
Des Orients Bibel ist des Teufels,
führt sie doch in die Untergänge,
hinweg vom heimischen Gepräge
und lieber Ahnen Heil-Gesänge.
 
Bessere Kund‘, germanisch-arisch:
„Avesta“, „Veda“, „Völuspá“ ehren !
Deren Gedanken, Schriften, Lieder
wissen deutschen Geist zu mehren.
 
Doch auch die Oding-Runen treffen,
höchst erstaunlich, höchste Töne.
So schenkt uns der Ahnen-Weisheit
einen Blütenstrauß der Schöne.
 
Sandkastenspiele sind‘s doch alle,
oder gleich den Eintagsfliegen,
die zahllos-neuen Denkungsarten;
die alten Weisen werden siegen !
 
Das Gereimte gilt für die schier zahllosen Versuche, insbesondere deutscher Denker, Philosophen, Esoteriker, eine neue Weltanschauung für die geistig-heimatlosen und suchenden Menschen, zu errichten, die mit den herkömmlichen christenkirchlich-autoritären Weisungsangeboten nicht zufrieden sein konnten. Dazu gehören die vielen christophilen Sekten, die sich hartnäckig mit der Hauptkirche herumärgerten, sie beweisen den Bedarf nach plausibleren Zugängen zur erhofften Großen Wahrheit. Der grandioseste Entwurf, eine bessere Religion zu begründen, bestand in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ (1883-1885) und einer der krampfigsten, wenn auch gut gemeinten, war Guido Lists (1848-1919) schriftstellerischer Antritt, beispielsweise verkörpert mit seinem Runenbuch „Das Geheimnis der Runen“ von 1908, in dem er es wagte, eine frei erfundene Runenreihe als Grundkonzept, seiner Leserschaft anzubieten. Auch Karl Maria Wiliguts (1866-1946) „Irminenglauben“ der Führungskreise des SS-Ordens gehörten dazu. Und so wie G. Lists haltloser Versuch gescheitert ist, waren sämtliche esoterisch-runischen und nationalistischen Gründungen zur Erfolglosigkeit - als Dauererscheinungen - verurteilt. Sie alle die guten Willens waren und noch sind, aber ohne einen Grundbezug zu wissen und zu haben, nämlich ein echtes, eigengesetzliches Weltanschauungskonzept. Denn es gibt nur eines: Die Runen-Religion des ODING-Wizzod, die älter und ehrenwerter ist als alle die völkerverachtenden christophilen Fantasien und Trugschlüsse aus dem Orient. Wer ein überdauerndes Fundament sucht, muss sich an diesem Ur-Runen-Glaubenskonzept orientieren, an ihm führt kein heiler Weg vorbei !
 
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Ich saß auf einem Steine
(Dichtung von Herrn Walter)
 
Ich saß auf einem Steine
und deckte Bein mit Beine,
Den Ellenbogen stützt ich auf
Und schmiegte in die Hand darauf
Das Kinn und eine Wange.
So grübelte ich lange:
Wozu auf Erden dient dies Leben? ...
Und konnte mir nicht Antwort geben,
Wie man drei Ding erwürbe,
Daß keins davon verdürbe.
Die zwei sind Ehr und irdisch Gut,
Das oft einander Abbruch tut,
Das dritte Gottes Segen,
Der allem überlegen.

Die hätt ich gern in einem Schrein;
Doch leider kann dies niemals sein,
Daß weltlich Gut und Ehre
Mit Gottes Gnade kehre
In ganz dasselbe Menschenherz.
Sie finden Hemmnis allerwärts;
Untreu hält Hof und Leute,
Gewalt geht aus auf Beute,
Gerechtigkeit und Fried ist wund,
Die drei genießen kein Geleit,
Eh diese zwei nicht sind gesund.
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