Snorri Sturluson

Snorri Sturluson, Holzschnitt v. Christian Krohg (1852-1925)
 
SNORRI STURLUSON
 
Du großer Snorri Sturluson,
Du weilst nicht in Walhall,
Du wolltest hin zum „Vite Krist“,
ins Christen-Mythen-All.
 
Ins Nichts hast Du Dich hingesehnt,
in einen Lügen-Traum,
der Schwarzen Mönche Fantasie,
ganz ohne Zucht und Zaum.
 
Ihr Priester ward Betörte nur,
im Spiel der Kirchen-Macht;
wie Kinder hat man Euch geäfft
mit fremder Texte Pracht.
 
Du Snorri warst zu zag, zu feig‘,
hast Dich um Macht versklavt,
wurdest im eignen, eitlen Spiel
vom Eidam mit dem Tod bestraft.
 
Sinnlos war Euer beider Werk,
nur Rom gewann Gewinn.
Das höchste Gut im hohen Nord
gabt im Verrat Ihr hin.
 
Der Väter Wort zum Glaubensgut
galt Euch als altes Kleid,
habt nie begriffen, dass daraus
des Nordvolks Seele schreit.
 
Das Beste habt Ihr abgetan,
erhieltet dafür Tand.
Und ärger noch, ein Becher Gift,
das Euch die Seelen bannt.
 
Zu seelenlosen Zombies Roms
seid Ihr verdreht-bekehrt,
habt unserer Ahnen stolzes Herz
zum Tode hin beschwert !
 
Das Volk wollt‘ nie den Glaubensbruch,
die Könige, Mönche, Pfaffen nur,
sie folgten mit dem Raubgelüst
Roms Völkermörder-Spur !
 
Snorri Sturluson (1179-1241), aus einflussreicher Familie, war ein isländischer Historikern und Politiker, mit einer Neigung zur traditionellen isländ. Poesie, die er durch eigene Dichtungen bereichert hat. Als Dreijähriger ist er nach Oddi (Gehöft aus einer Landzungenspitze in Süd-Island) geschickt worden, wo ihn Jon Loptsson (1124-1197) erzog, ein Enkel des gelehrten Priesters Sämund Sigfusson (1056-1133), der im karolingischen Frankreich studiert hatte.Snorri versuchte im damaligen brutalen Intrigenspiel, um die Herrschaft auf Island, in Gesprächen mit dem Norwegerkönig Hákon Hákonarson (reg. 1217-1283) die Selbstverwaltung der Insel zu erhalten, aber vergeblich. Einer seiner Schwiegersöhne erschlug ihn auf Geheiß des norwegischen Königs. Snorris Hauptwerk ist die „Heimskringla“ (Weltkreis), das Geschichtsbuch der norwegischen Könige (um 1230). Schon früher verfasste er sein Werl „Óláfs saga hins helga“ (Saga von Olaf dem Heiligen). Ein falscher Mythus muss hier zu Grabe getragen werden: Snorri Sturloson war ein absolut gefestigter Christ, er war weit entfernt davon, ein heidengläubiger Erhalter heidnischen Geistes sein zu wollen. Aber die Liebe zu den altisl. Manuskripten die er auf Oddi in den alten Priesterarchiven gefunden hatte, ließen ihn die Textsammlung herstellen die wir „Edda“ („Codex Regius“) nennen. Alles was nach echter Glaubensinhaltsvermittlung hätte gedeutet werden können, ließ er weg, musste er weglassen. Was übrig blieb ist streckenweise burlesker Götterschwank, im Sinne bäuerlich-volkstümlicher vorchristlicher Märchen. Dass bewusst gebliebene Germanen bis heute „ihre Edda“ so hoch schätzen liegt daran, dass ihnen die Christenkirche, wie ein Vampir, die Fülle des Ahnenerbes aufgesogen und vernichtet hat. Die ganze Edda („Codex Regius“), wurde durch den genialen Patrioten Karl Simrock (1802-1876) im Jahre 1851 erstmalig ins Deutsche  übersetzt.
 
Tiefergehende bzw. höhere Glaubensinhalte unserer germanischen Religion finden sich in der Edda nicht. Einige Stellen lassen aber Kombination auf feinere Gedankenzüge immerhin zu. Die wichtigste göttliche Wesenheit „Wodanaz-Wodan-Wodin-Odin“ beschreibt Snorri folgerichtig nicht als Gott, sondern als einen Einwanderer aus Asien, indem er sich auf eine falsche Etymologie des Begriffs der „Asen“ stützt, welcher eigentlich aus der Vorstellung jenseitiger Heldenahnen, also dem arischen Heroenglauben, entstammt. Nur so durfte Snorri vom germ. Gott und den Göttern schreiben. Korrekt scheibt Yvonne S. Bonnetain in „Loki: Beweger der Geschichten“ (2013), indem sie Textstellen aus Snorris „Heimskringla“ zitiert: „Snorri beschreibt den Verlauf des Irrglaubens der nordischen Völker in einer Abfolge von Missverständnissen und Verblendungen, beginnend damit, die Einwanderer für Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten zu halten. Als Óðinn mehrere Schlachten in Folge gewinnt, gehen die Menschen davon aus, dass er immer gewänne“. Sie zitiert: „Er war so siegreich, dass er in jedem Kampf gewann und so kam es, dass seine Leute glaubten, dass er seiner Natur nach in jedem Kampf gewinnen müsste“ Und weiter: „Er täuscht sie durch schöne Rede und Gestaltenwechsel.“ Sie zitiert: „…aber das kam daher, dass er die Fähigkeit beherrschte, sein Aussehen und seien Gestalt nach Belieben zu wechseln. Dazu kam, dass er so gewandt und schön sprach, dass alle, die ihn hörten, meinten, dass das alleine wahr wäre…“ Snorri hat also Wodin-Odin als Ober-Asen und seine aus Asien einwandernden Asen als Volksgruppe gedeutet, die sich lediglich der bekannten Götternamen bedient hätten und sich folglich als deren irdische Repräsentanten darzustellen versuchten. Damit konnte ein an der germ. Glaubensvergangenheit interessierte Christenmensch umgehen, ohne inneren Konflikten ausgesetzt zu sein.
 
Bezeichnend für Snorris Arbeitsweise sind die eddische „Hávamál“ (des Hohen Lied bzw. Sprüche des Hohen), eine Spruch-Sammlung von insgesamt 164 Strophen. Die Strophen wurden dem Geistgott Óðinn als dem „Hohen“ in den Mund gelegt. Háv 1-79 (80) werden von der Forschung als das „Alte Sittengedicht“ bezeichnet. Sie enthalten sittliche Anweisungen, Regeln und Lehren für den täglichen Gebrauch. Die folgenden Strophen (Háv 81-95) geben Ratschläge in Liebesangelegenheiten, die dann in den sogenannten Óðinns-Beispielen (Háv 96-102 und 103-110) anhand von dessen Biographie konkretisiert werden. Háv 112-137, die Lehren an Loddfáfnir (Loddfáfnismál), listen eine weitere Reihe von Verhaltensweisen auf. Háv 138-141 wird das Runengedicht Óðinns genannt. Die sogenannten Zauberlieder (Ljóðatal), welche von Guido v. List (1848-1919) und seinen Epigonen, irrtümlich als Hinweise auf ein 18-stabiges Runensystem gewertet wurden, entstammen Háv 146-164. Die durch v. List fehlgedeuteten Lieder-Ankündigungen sind vorhanden, die dazu gehörigen Zauberlieder aber verschwieg Snorri ! Es gibt Bezüge auf Odin, die den Gott in ungünstigem Licht zeigen. Es wird von Odins blamablem Scheitern eines Seitensprunges (Verse 95-101) berichtet. Die Odinserzählung (Verse 104-110) zeigt Odin als gewissenlosen und unmoralischen Gott. Vers 79, in dem die heiligen Runen den Göttern zugeschrieben werden, konnte Snorri jedoch unzensiert stehen lassen, denn „die Götter“ hat er als fremdvölkische Einwanderer aus Asien genug entgöttlicht und dämonisiert. Snorri distanzierte sich von Odin auch wie er im „Skáldskaparmál“ (Dichtersprachen-Lehre) die Gewinnung des Dichtermets zu einem banausenhaften Besäufnis herabstuft.
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