NORMANNEN AN DER WOLGA

So etwa muss man sich einen Götterpfahl vorstellen,
in dem das Numen der Gottheit angenommen wurde.
 
NORMANNEN AN DER WOLGA
 
Der Norden ist gleich einem Geysir wild,
er gießt seine Männer ins Weltengefild‘,
nach Island, England, ans Schwarze Meer;
wer widersteht dem germanischen Ger ?!
 
Normannen, Waräger, die rauen Rus,
sie fassen in sämtlichen Fernen Fuß.
Aus Skandinavien sprudeln sie vor,
sie steh‘n vor Paris und Miklagards Tor.
 
Diese Männer, hoch wie der Dattelbaum,
hält nimmer zagende Zucht im Zaum,
sie kennen nicht Ruhe und Run-Religion,
die groben Gesellen sind Geistes Hohn.
 
Jene borstigen Burschen in Bärenhaut
denen es vor keinem Gegrusel graut,
die achten allein das Recht vom Schwert
und mehren im Beutel des Goldes Wert.
 
Dabei schießt Glauben ins derbe Kraut,
dass ödes Brauchtum aus Zeiten schaut.
Man war wohl fromm in schlichter Weis‘,
Theologie taugt nicht zur Wikinger-Reis‘.
 
Weistum von Gott ward gehütet gewiss,
bevor des Volksglaubens Faden zerriss,
im geheiligten Hof zu Alt-Uppsala -,
dort lehrten wohl Ehwart und Erilar.
 
Doch alles Fremde viel besser gedieh,
Glaubensmission trieb der Norden nie.
Großmut und unbändiger Freiheitssinn
waren nordische Artung seit Anbeginn.
 
Sie hofften auf Walhall, glaubten an Gott,
verloren jedoch aus taumelnden Trott
ihre reife Religion im Runen-Verband,
so gingen sie unter im fremden Land.
 
Normannische Rus rudern nach Miklagard-Konstantionpel
 
Die Normannen waren nicht nur kämpferisch den meisten ihrer Gegner überlegen, auch rein körperlich waren sie größer und somit auch stärker als die meisten anderen Europäer und fast einen Kopf größer als die Araber, auf die sie damit großen Eindruck ausübten. Ihre gebräuchliche Bezeichnung als Rus, ist auf das altnordische Wort „roar“ (rudern, Ruderer) zurückführen, da ihre Handelsfahrten immer im Boot unternommen werden mussten und es dazu unumgänglich war, Ruderer an Board mitzuführen, kann das Wort „roar“ als Fremd- wie Selbstbezeichnung für die Schweden aufgekommen sein. Durch die Kontakte mit den diversen Landesbewohnern wurde durch Lautwandelprozesse aus dem „roar“ ein „Rus“. Den ersten dokumentierten Angriff auf Miklagard d.h. Konstantinopel wagten die Rus unter Fürst Oleg im Jahr 907 n.0. Der Angriff endete in einem Friedensvertrag, der geschlossen wurde und von beiden Parteien unterzeichnet worden ist. Die Mehrheit der Unterzeichner tragen normannische Namen oder Namen die eindeutig auf einen skandinavischen Ursprung hindeuten. Es unterschreiben beim ersten Vertrag Männer mit Namen wie Karl, Ingeld, Vermud oder Frelav, also mit unmissverständlich schwedischen Namen. In der „Nestorchronik“ findet sich dazu folgender Eintrag: „...Oleg zog sich nun ein wenig von der Stadt zurück und begann mit den griechischen Kaisern Leon und Alexaner über den Frieden zu verhandelnund sandte Karly, Farlaf, Veremund, Rulaf und Stedmid zu ihnen in die Stadt mit den Worten: 'Verpflichtete euch, mir Tribut zu zahlen.' Und die Griechen sagten: ,Was willst du, das werden wir dir geben.' Und Oleg befahl, dass sie seinen Kriegern für zweitausend Schiffe Tribut leisten sollten, und zwar 12 Griven für jede Ruderdolle, und dazu Tribut für die russischen Städte zahlen sollten, zuerst für Kiev, dann für Cernigov und Perejaslavl´und Polock und Rostov und Ljubec und für die übrigen Städte.... Die Kaiser Leon und Alexander schlossen, nachdem sie sich zur Tributzahlung verpflichtet hatten, mit Oleg Frieden, und man leistete sich gegenseitig den Eid: Sie selbst küssten das Kreuz, Oleg aber und seine Mannen schwuren nach dem Brauch der Rus´bei ihren Waffen und bei Perun, ihrem Gott, und bei Volos, dem Gott des Viehs, und so bekräftigten sie den Frieden. … Und Oleg kam nach Kiev zurück und brachte Gold und Pavoloken, Früchte und Wein und allerlei Kostbarkeiten mit.”
 
Aus Anfang 10. Jahrhundert stammt ein Bericht über die Rus aus den Notizen des arabischen Missionsreisenden Ahmad ibn Fadlān ibn al-'Abbās ibn Rāschid ibn Hammād, der im Auftrag des Bagdader Kalifen al-Mugtadir zu den Wolgabulgaren, den Chasaren und Rus unterwegs war. Am 21.06.921 brach er auf, am 11.05.922 kam er ans Ziel. Ahmad ibn Fadlans Reisebericht beinhaltet Schilderungen über die Rus, die zum Teil schockierend sind, doch muss beim Lesen immer in Rechnung gestellt werden, dass sie aus Sicht eines islamischen Missionars geschrieben sind, welcher aus dem überzogenen Dünkel seiner vermeintlich überlegenen Kultur und Religion die Worte wählte und seine Texte als eine islamische „Risāla“ (Botschaft, Sendschreiben) gehandhabt wurden. Die orientalischen Eliten die, Ibn Faḍlān mit seinem Kundschaftsbericht anspricht sannen in seiner Zeit auf Eroberungen im Norden und auf Erwerb guter Sklaven. Die meisten Slaven wurden in die Emirate verhandelt, sie waren die zahlungsstarken Hauptabnehmer. So wie im karolingischen Fränkischen Reich der Begriff für die Menschen rechtsseitig bzw. östlich der Elbe „sklaveni“ (Sklave) war, woraus sich die ethnische Benennung Slawe entwickelt haben dürfte, so entsprach es arabischer Tradition die Ostvölker als „saqāliba“ (weiße Sklaven) zu bezeichnen, was gleichzeitig die arabische Volksbezeichnung für die Slawen wurde.
 
Der arabisierte-islamisierte Grieche Jacut bzw. Yāqūt al-Ḥamawīar-Rūmī (1179-1229) verfasste um 1220 einen geographischen Bericht in dem er den des Ibn Faḍlān aufnahm. Über die jüdischen Einwohner der persischen Stadt Isfahans äußert er sich höchst abfällig. Es wäre denkbar, dass von ihm die abfälligen Bemerkungen über die fehlende Reinlichkeit der Rus eingeschoben worden sind, wenn auch Yaqut betont, Fadlans „Risala“ „Wort für Wort“ wiedergegeben zu haben. Über die penible Hygiene der Wikinger liegen sehr viele anderslautende Berichte vor. Ibn Fadhlan gibt sich entsetzt über die Sitten der besuchten Völker, obwohl die Kalifen mit ihrem frauenverachtenden Haremssystem nicht besser waren. So schreibt er: „Es ist Gewohnheit, dass der König der Chasaren [Turkvolk] Frauen hat, von denen jede die Tochter eines benachbarten Königs ist. Er nimmt sie mit oder gegen deren Einverständnis. Für sein Lager hat er auch 60 Sklavinnen als Konkubinen, die alle von äußerster Schönheit sind. Alle diese Frauen, ob frei oder versklavt, leben in einem abgelegenen Schloss, wo jede einen Pavillon mit einer Kuppel aus Teakholz hat. Jede hat einen Eunuchen, der sie den Blicken entzieht.‘ Und weiter: ‚Wenn eine große Persönlichkeit stirbt, sagen seine Familienangehörigen zu seinen jungen Sklavinnentöchtern und Sklavensöhnen: ‚Wer von euch wird mit ihm sterben ?‘ Es ist eine Ehre für sie, sich zu opfern.“ Die gleichen Sitten findet er auch bei den normannischen Rus. Die Menschen stellten sich das Jenseitsleben als 1:1-Spiegelung des Diesseits vor. Dort drüben brauchte der Mann üblicherweise Beischläferinnen, Boote, Waffen, Pferde, Hunde, ebenso wie im gewöhnlichen realen Leben.
 
Der Text ist in seiner ursprünglichen Fassung von 1823 wiedergegeben, aber in modernem Deutsch korrigiert, folgt dem der Frau Elisabeth Haider, deren Habilitationsschrift hoch empfehlenswert ist: „Die Kontakte zwischen Skandinavien und den Kiever Rus, von der Mitte des 9. Jahrhunderts bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts“, 2012: „Rus, auch Rs geschrieben, ist ein Volk, dessen Land an das der Slawen und Türken grenzt. Sie haben ihre eigene Sprache, und eine Religion und ein göttlich Gesetz, worin sie mit keinem andern etwas gemein haben. Mukadesi sagt: sie wohnen auf der Insel Wabia, die ein See umgibt und die ihnen als Burg gegen diejenigen dient, welche ihnen etwas anhaben wollen. Ihre Zahl schätzt man auf Hunderttausend. Saaten (Felder) und Herden haben sie nicht. Die Slawen tun Streifzüge gegen sie, und nehmen ihnen ihre Habe. Wird einem von ihnen ein Sohn geboren, so wirft er dem ein Schwert hin und spricht: „Dein ist nur das, was du dir mit deinem Schwerte erwirbst.“ Wenn ihr König [melik] zwischen zwei Widersachern einen richterlichen Ausspruch getan und diese damit nicht zufrieden sind, so spricht er zu ihnen: „Richtet unter euch selber mit euren Schwertern. Wessen Schwert dann das schärfste ist, dessen ist der Sieg.“ Die Russen sind es, die sich der Stadt Berda’a im Jahr …. bemeisterten, und diese hart mitnahmen; bis Gott sie von da zurück schlug und sie vertilgte. Ich habe eine kleine Schrift gelesen, welche den A’hmed ben [Sohn] Fadlan, ben ‚Abbas, ben Raschid, ben ‚Hammad, den Schutzgenossen von Mu’hammed ben Suleiman, und Gesandten [des Khalifen] Muktedir’s an den König der Slawen, Reise von Baghdad aus und auf seiner Heimkehr sah. Was er darin [von den Russen] erzählt, gebe ich hier, nicht ohne Verwunderung, wieder. „Ich sah die Russen, sagt er, wie sie mit ihren Waren angekommen waren und sich am Fluss Itil [Wolga] gelagert hatten. Nie sah ich Leute von ausgewachsenerm Körperbau; sie sind hoch wie Palmbäume, fleischfarben und rot. Sie tragen keine Kamisöler, auch keine Khaftane. Bei ihnen trägt der Mann ein grobes Gewand, das er um eine seiner Seiten herumwirft, so dass ihm eine Hand frei bleibt. Jeder führt eine Axt, ein Messer [Dolch], und ein Schwert bei sich. Ohne diese Waffen sieht man sie niemals. Ihre Schwerter sind breit, wellenförmig gestreift und von Europäischer [fränkischer] Arbeit. Auf der einen Seite derselben befinden sich, von der Spitze bis zum Halse, Bäume, Figuren, und mehr dergleichen dargestellt. Die Weiber haben auf der Brust eine kleine Büchse angebunden, von Eisen, Kupfer, Silber oder Gold, dem Verhältnisse des Vermögens ihres Mannes und seinen Umständen angemessen. An dem Büchschen ist ein Ring, und an dem ein Messer, ebenfalls auf der Brust befestigt. Um die Hand tragen sie goldene und silberne Ketten. Wenn der Mann nämlich zehntausend Dirham [Silberstücke] besitzt, lässt er seiner Frau eine Kette machen; hat er Zwanzigtausend, bekommt sie zwei Halsketten; und so erhält seine Frau, so oft er zehntausend Dirham reicher wird, eine Kette mehr. Daher befindet sich oft eine ganze Menge Ketten an dem Halse einer Russischen Frau. Ihr größter Schmuck besteht in grünen Glasperlen [Jade] von der Art, wie sie sich auf den Schiffen finden. Sie übertreiben’s damit, zahlen einen Dirham für so eine Glasperle und reihen sie für ihre Weiber zum Halsbande. Sie sind die unsaubersten Menschen, die Gott geschaffen hat: sie reinigen sich nicht, wenn sie ein natürlich Bedürfnis verrichtet, und waschen sich eben so wenig, wenn sie sich nächtlich befleckt; wie wenn sie wild herumlaufende Esel wären. Sie kommen aus ihrem Lande, legen ihre Schiffe im Itil, welches ein großer Fluss ist, vor Anker und bauen sich an dessen Ufern große Häuser von Holz. In so einem Hause leben ihrer zehn oder zwanzig, auch mehr oder weniger, zusammen. Jeder von ihnen hat eine Ruhebank, worauf er und mit ihm seine Mädchen und die Schönen, die zum verhandeln bestimmt sind, sitzen. Da vergnügt sich denn wohl einer mit seinen Mädchen, während sein Freund zusieht. Ja zuweilen befinden sich [gleich] mehrere von ihnen zugleich in solch einer [prekären] Lage, einer Angesichts [Beisein] des Andern. Es trifft sich auch wohl, dass ein Kaufmann zu ihnen ins Haus tritt, um ein Mädchen zu kaufen, und da den Herrn dasselbe [in diesem Moment] in Lust umarmend überrascht, der auch dann nicht eher davon ablässt, als bis er seine Lust gestillt hat. Jeden Tag waschen sie sich regelmäßig mit dem schmutzigsten und unreinlichsten Wasser, das es nur geben kann, Gesicht und Kopf. Alle Morgen nämlich kommt das Mädchen und bringt eine große Schale mit Wasser, die sie vor ihren Herrn stellt. Der wäscht sich darin Gesicht und Hände, auch alle seine Haare wäscht er und kämmt sie mit dem Kamm in die Schüssel aus. Drauf schneutzt er sich und spuckt in’s Gefäß; und lässt keinen Schmutz zurück, sondern tut ihn in dieses Wasser ab. Wenn er, was nötig war, verrichtet [beendet hat], trägt das Mädchen die (selbe) Schüssel zu dem, der ihm zunächst [zum nächsten] ist. Der macht’s wie jener [genauso]. Sie aber fährt fort, die Schüssel von dem einen weg und zu dem andern hin zu tragen, bis sie bei allen, die im Hause sind, herumgewesen [reihum] ist, von denen jeder sich schneutzt, in die Schüssel spuckt, und Gesicht und Haare in derselben wäscht.
 
So bald ihre Schiffe an diesen Ankerplatz gelangt sind, geht jeder von ihnen an’s Land, hat Brot, Fleisch, Zwiebeln, Milch und berauschend Getränk bei sich, und begibt sich zu einem aufgerichteten hohen Holze, das wie ein menschlich Gesicht hat (Pfahlgötze) und von kleinen Statuen umgeben ist, hinter welchen sich noch andere hohe Hölzer aufgerichtet befinden. Er tritt zu der großen hölzernen Figur, wirft sich vor ihr zur Erde nieder und spricht: „o mein Herr! ich bin aus fernem Lande gekommen, führe so und so viel Mädchen mit mir, und von Zobeln so und so viel Felle;“ und wenn er so alle seine mitgebrachte Handelsware aufgezählt, fährt er fort: „Dir hab‘ ich dies Geschenk gebracht,“ legt dann, was er gebracht vor die hölzerne Statue, und sagt: „ich wünsche, Du bescherest mir einen Käufer, der brav Gold- und Silberstücke hat, der mir abkauft alles, was ich möchte, und der mir in keiner meiner Forderungen zuwider ist.“ Dies gesagt, geht er weg. Wenn nun sein Handel schlecht geht und sein Aufenthalt sich zu sehr verzieht: so kommt er wieder und bringt ein zweites, und abermal ein drittes Geschenk. Und hat er noch immer Schwierigkeit zu erreichen, was er wünscht: so bringt er einer von jenen kleinen Statuen ein Geschenk dar, und bittet sie um Fürsprache, indem er sagt: „dies sind ja unsers Herrn Frauen und Töchter.“ Und so fährt er fort, jede Statue eine nach der andern an zu gehen, sie zu bitten, um Fürsprache an zu flehn und sich vor ihr in Demut zu verbeugen. Oft geht dann sein Handel leicht und gut, und er verkauft all seine mitgebrachte Ware. Da sagt er: „mein Herr hat mein Begehr erfüllt. Jetzt ist es meine Pflicht, ihm zu vergelten.“ Drauf nimmt er eine Anzahl Rinder und Schafe, schlachtet sie, gibt einen Teil des Fleisches an die Armen, trägt des Rest vor jene große Statue und vor die um sie herumstehenden Kleinen, und hängt die Köpfe der Schafe und Rinder an jenes Holz auf, das (hinter den kleinern) in der Erde aufgerichtet steht. In der Nacht aber kommen die Hunde und verzehren alles. Dann ruft der, der es hinlegte, aus: „Mein Herr hat an mir Wohlgefallen; er hat mein Geschenk verzehrt.“ Wird einer von ihnen krank: so schlagen sie ihm, entfernt von sich, ein Gezelt auf; in dasselbe legen sie ihn und lassen neben ihm etwas Brot und Wasser zurück. Nahe zu ihm treten sie dann nie, sprechen auch nicht mit ihm, ja, was noch mehr ist, sie besuchen ihn nicht einmal in all der Zeit (die er krank liegt), besonders wenn es ein Armer oder ein Sklave ist. Wenn er genesen und von seinem Krankenlager aufsteht: so begibt er sich zu den Seinigen zurück. Stirbt er aber, so verbrennen sie ihn; jedoch, ist’s ein Sklave, lassen sie ihn, wie er ist, bis er endlich eine Beute der Hunde und Raubvögel wird. Ertappen sie einen Dieb oder Räuber: so führen sie ihn zu einem hohen dicken Baume, schlingen ihm einen dauerhaften Strick um den Hals, knüpfen ihn damit an denselben auf und lassen ihn hangen, bis er durch Wind und Regen aufgelöst in Stücke zerfällt.
 
Man sagte mir, sie trieben mit ihren Oberhäuptern Dinge, wovon das Verbrennen noch das geringste ausmache. Ich wünschte diese (Zeremonien) näher kennen zu lernen, als man mir endlich den Tod eines ihrer Großen berichtete. Den legten sie in sein Grab und versahen es über ihm mit einem Dache für zehn Tage, bis sie mit dem Zuschneiden und Nähen seiner Kleider fertig waren. Zwar, ist es ein armer Mann, so bauen sie für ihn ein kleines Schiff, legen ihn hinein und verbrennen es. Beim Tode eines Reichen aber sammeln sie seine Habe und teilen sie in drei Theile. Das eine Dritteil ist für seine Familie, für das Zweite schneiden sie ihm Kleider zu, für das Dritte kaufen sie berauschend Getränk, um es an dem Tage zu trinken, wo das Mädchen sich dem Tode Preis gibt und mit ihrem Herrn verbrannt wird. Sie überlassen sich aber dem Genusse des Weins auf eine unsinnige Weise und trinken ihn Tag und Nacht hindurch. Oft stirbt unter ihnen einer mit dem Becher in der Hand. Wenn ein Oberhaupt von ihnen gestorben ist: so fragt seine Familie dessen Mädchen und Knaben: „Wer von euch will mit ihm sterben?“ Dann antwortet einer von ihnen: „ich.“ Wenn er dies Wort ausgesprochen: so ist er gebunden, und es bleibt ihm nicht frei gestellt, sich jemals zurück zu ziehen; und, wollt‘ er es ja, so lässt man ihn nicht. Größtenteils aber sind es die Mädchen die es tun. Als daher jener Mann, dessen ich oben erwähnte gestorben war; so fragten sie seine Mädchen: „wer will mit‘ ihm sterben?“ Eine von ihnen antwortete: „ich.“ Da vertraute man sie zweien Mädchen an, die mussten sie bewachen, und sie überall, wo hin sie nur ging, begleiten, ja bisweilen wuschen sie ihr sogar die Füße. Die Leute fingen dann an, die Kleider für ihn zuzuschneiden und alles, was sonst erforderlich ist, zuzubereiten. Das Mädchen trank indes alle Tage, sang und war fröhlich und vergnügt. Als nun der Tag gekommen war, an dem der Verstorbene und das Mädchen verbrannt werden sollten, ging ich an den Fluss, in dem sein Schiff lag. Aber dies war schon an’s Land gezogen; vier Eckblöcke von Chalendsch - und anderem Holze wurden für dasselbe zurecht gestellt, und um dasselbe herum wieder große, Menschen ähnliche Figuren von Holz. Drauf zog man das Schiff herbei und setzte es auf das gedachte Holz. Die Leute fingen indess an ab- und zu zugehn, und sprachen Worte, die ich nicht verstand. Der Tote aber lag noch entfernt in seinem Grabe, aus dem sie ihn noch nicht herausgenommen hatten. Darauf brachten sie mit wattierten, gesteppten Tüchern, mit griechischem Goldstoff [Brokat] und mit Kopfkissen von demselben Stoffe. Alsdann kam ein altes Weib, das sie den Todesengel nennen, und breitete die erwähnten Sachen auf der Ruhebank aus. Sie ist es, die das Nähen der Kleider und die ganze Ausrüstung besorgte, sie auch, die das Mädchen tötet. Ich sah sie, es war ein Teufel mit finstern, grimmigen Blicke. Als sie zu seinem Grabe kamen, räumten sie die Erde von dem Holze [dem hölzernen Dache], schafften dies selbst weg und zogen den Toten in dem Leichentuche, in welchem er gestorben war, heraus. Da sah ich, wie er von der Kälte des Landes ganz schwarz geworden war. Mit ihm aber hatten sie in sein Grab berauschend Getränke, Früchte und eine Laute getan, welches alles sie nun auch heraus zogen. Der Verstorbene aber hatte sich, die Farbe ausgenommen, nicht verändert. Ihn bekleideten sie dann mit Unterbeinkleidern, Oberhosen, Stiefeln, einem Kurtak und Khaftan von Goldstoff mit goldenen Knöpfen, und setzten ihm eine goldstoffene Mütze mit Zobel besetzt auf. Darauf trugen sie ihn in das auf dem Schiffe befindliche Gezelt, setzten ihn auf die mit Watte gesteppte Decke, unterstützten ihn mit Kopfkissen, brachten berauschend Getränk, Früchte und Basilienkraut und legten sie vor ihn hin. Hierauf brachten sie einen Hund, schnitten ihn in zwei Teile und warfen die in’s Schiff; legten dann alle seine Waffen ihm zur Seite; führten zwei Pferde herbei, die sie so lange jagten, bis sie von Schweiß troffen, worauf sie sie mit ihren Schwertern zerhieben und das Fleisch derselben in’s Schiff warfen. Alsdann wurden zwei Ochsen herbeigeführt, und ebenfalls zerhauen und in’s Schiff geworfen. Endlich brachten sie einen Hahn und ein Huhn, schlachteten auch die und warfen sie eben dahinein. Das Mädchen, das sich dem Tode geweiht hatte, ging indes ab und zu, und trat in eins der Zelte, die sie dort hatten. Da legte sich der Inwohner desselben zu ihr und sprach: „sag deinem Herrn, nur aus Liebe zu Dir tat ich dies.“ Als es nun Freitagnachmittag war, so führte man das Mädchen zu einem Dinge hin, das sie gemacht hatten, und das dem vorspringenden Gesims einer Tür glich. Sie setzte ihre Füße auf die flachen Hände der Männer, sah auf dieses Gesims hinab und sprach dabei etwas in ihrer Sprache, worauf sie sie herunter ließen. Dann ließen sie sie wieder aufsteigen, und sie tat, wie das erste Mal. Wieder ließ man sie herunter und zum dritten Male aufsteigen, wo sie sich wie die beiden ersten Male, benahm. Alsdann reichten sie ihr eine Henne hin, der schnitt sie den Kopf ab und warf ihn weg. Die Henne aber nahm man und warf sie in’s Schiff. ich erkundigte mich beim Dolmetscher nach dem, was sie getan hätte. Das erste Mal (war seine Antwort) sagte sie: „Sieh! hier seh‘ ich meinen Vater und meine Mutter;“ das zweite Mal: „Sieh! jetzt seh‘ ich alle meine verstorbenen Anverwandten sitzen;“ das dritte Mal aber: „Siehe! dort ist mein Herr, er sitzt im Paradiese. Das Paradies ist so schön, so grün. Bei ihm sind die Männer und Knaben. Er ruft mich; so bringt mich denn zu ihm.“ Da führten sie sie zum Schiffe hin. Sie aber zog ihre beiden Armbänder ab und gab sie dem Weibe, das man den Todesengel nennt und das sie morden wird. Auch ihre beiden Beinringe zog sie ab und reichte sie den zwei ihr dienenden Mädchen, die die Töchter des Todesengel Genannten sind. Dann hob man sie auf’s Schiff, ließ sie aber noch nicht in das Gezelt. Nun kamen Männer herbei mit Schildern und Stäben, und reichten ihr einen Becher berauschenden Getränkes. Sie nahm ihn, sang dazu und leerte ihn. Hiemit, sagte mir der Dolmetscher, nimmt sie von ihren Lieben Abschied. Drauf ward ihr ein anderer Becher gereicht. Sie nahm auch den und stimmte ein langes Lied an. Da hieß die Alte sie eilen, den Becher zu leeren und in das Zelt, wo ihr Herr lag, zu treten. Das Mädchen aber war bestürzt und unentschlossen geworden; sie wollte schon in’s Gezelt gehen, steckte jedoch [nur] den Kopf zwischen Zelt und Schiff. Stracks nahm die Alte sie beim Kopfe, brachte sie in’s Gezelt, und trat selbst mit ihr hinein. Sofort begannen die Männer mit den Stäben auf ihre Schilder zu schlagen, auf dass kein Laut ihres Geschreies gehört würde, der andere Mädchen erschrecken und abgeneigt machen könnte, dermal einst auch den Tod mit ihrem Herrn zu verlangen. Dann traten sechs Männer in’s Gezelt und wohnten samt und sonders dem Mädchen bei. Drauf streckten sie sie an die Seite ihres Herrn. Und es fassten sie zwei bei den Füssen, zwei bei den Händen. Und die Alte, die da Todesengel heißt, legte ihr einen Strick um den Hals, reichte ihn zwei von den Männern hin, um ihn an zu ziehen, trat selbst mit einem großen breitklingigen Messer hinzu und stieß ihr das zwischen die Rippen hinein, worauf sie es wieder heraus zog. Die beiden Männer aber würgten sie mit dem Stricke, bis sie tot war. Nun trat nackend der nächste Anverwandte des Verstorbenen hinzu, nahm ein Stück Holz, zündete das an, ging rückwärtig zum Schiffe, das Holz in der einen Hand, die andere Hand auf seinem Hinterteil haltend, bis das unter das Schiff gelegte Holz angezündet war. Drauf kamen auch die übrigen mit Zündhölzern und anderem Holze herbei; jeder trug ein Stück, das oben schon brannte, und warf es auf jenen Holzhaufen. Bald ergriff das Feuer denselben, bald hernach das Schiff, dann das Gezelt und den Mann und das Mädchen und alles, was im Schiffe war. Da blies ein fürchterlicher Sturm, wodurch die Flamme verstärkt und die Lohe noch mehr angefacht wurde. Mir zur Seiten befand sich einer von den Russen, den hört‘ ich mit dem Dolmetscher, der neben ihm stand sprechen. Ich fragte den Dolmetscher, was ihm der Russe gesagt und erhielt die Antwort: „ihr Araber, sagte er, seid doch ein dummes Volk: ihr nehmt den, der euch der geliebteste und geehrteste unter den Menschen ist, und werft ihn in die Erde, wo ihn die kriechenden Tiere und Würmer fressen. Wir dagegen verbrennen ihn in einem Nu, so dass er unverzüglich und sonder Aufenthalt in’s Paradies eingeht.“ Dann brach er in ein unbändig Lachen aus, und setzte drauf hinzu: „seines Herrn (Gottes) Liebe zu ihm macht’s dass schon der Wind weht, und ihn in einem Augenblicke wegraffen wird.“ Und in Wahrheit, es verging keine Stunde, so war Schiff und Holz und Mädchen mit dem Verstorbenen zu Asche geworden. Darauf führten sie über dem Orte, wo das aus dem Fluss gezogene Schiff gestanden, etwas einem runden Hügel ähnliches auf, errichteten in dessen Mitte ein großes Buchenholz und schrieben darauf den Namen des Verstorbenen, nebst dem des Königs der Russen. Alsdann begaben sie sich weg.
 
Es ist bei den Königen der Russen Brauch, dass sich mit dem Könige in seiner Burg [oder Palast] vierhundert der Tapfersten und Zuverlässigsten von seinem Gefolge befinden, die mit ihm zu sterben oder für ihn ihr Leben zu opfern bereit sind. Jeder derselben hat ein Mädchen, das ihn bedient, ihm seinen Kopf wäscht und Essen und Trinken bereitet; aber neben diesem hat er noch ein anderes Mädchen, das ihm als Beischläferin dient. Diese vierhundert sitzen unten an des Königs Hochsitz, welcher groß und mit kostbaren Edelsteinen verziert ist. Auf dem Hochsitz selbst lässt er vierzig Mädchen, die für sein Bett bestimmt sind, bei sich sitzen. Zuweilen vergnügt er sich wohl mit einer derselben in Gegenwart der erwähnten Edeln seines Gefolges. Von seinem Hochsitze steigt er nicht herunter. Wenn er daher ein Naturbedürfnis befriedigen will, tut er es vermittelst einer Schale; will er ausreiten, so führt man ihm sein Pferd bis zum Hochsitze hin, von wo ab er es besteigt; und will er absteigen, so reitet er so nahe an denselben, dass er auf ihn wieder absitzen kann. Er hat einen Stellvertreter, der seine Heere anführt, mit den Feinden kriegt, und seine Stelle bei seinen Untertanen vertritt.“ Dies sind die Nachrichten, die ich buchstäblich aus Ibn Fadlan’s Schrift entlehnt. Für die Zuverlässigkeit derselben mag der Autor bürgen. Gott weiß es besser, [als wir alle, ob es seine Richtigkeit damit habe]. Was die Russen jetziger Zeit anbetrifft, so weiß man, dass sie sich zur Christlichen Religion bekennen.“
 
Nordische Sippen beherrschen Russland
 
Die Normannen setzten sich schließlich im Raum Kiev fest, unterwarfen die slowenischen Stämme und erhoben ihre Tributforderungen. Nach einiger Zeit regte sich jedoch Widerstand unter den tributzahlenden Bewohnern gegen die herrschenden Schweden und sie vertrieben sie aus ihren Gebieten. Die „Nestorchronik“ gibt dazu weiter an, es wäre nach dem Abgang der Schweden zur alten Uneinigkeit und zum Chaos gekommen, weshalb man eine Botschaft nach Schweden schickte, mit der Bitte, jemanden zu finden, der über die Gebiete dieser Stämme und die Stämme selbst herrschen sollte. In der „Nestorchronik“ heißt es: „Im Jahre 6370 - Sie verjagten die Waräger übers Meer und verweigertenihnen den Tribut. Und sie begannen selbst über sich zu herrschen, und eswar keine Gerechtigkeit unter ihnen. Und Sippe stand gegen Sippe und esentstanden Fehden unter ihnen, und sie begannen, Krieg gegeneinander zuführen. Und sie sagten untereinander: Lasset uns einen Fürsten suchen, derüber uns herrsche und der anordne Recht! Und sie fuhren über das Meer zuden Warägern, zu der Rus'. … Unser Land ist große und hat Überfluss, aberes ist keine Ordnung in ihm. So kommt, Fürst zu sein, und über uns zu herrschen!”Es handelt sich hier also, laut „Nestorchronik“ um eine eindeutige Einladung, die eben an die Rus adressiert ist und die mit dem Versprechen lockt, über diese Völkerschaften, die im Text erwähnt werden, zu herrschen. Bei der Berufungssage wird darauf Wert gelegt, dass man die Waräger, die Tribut forderten, zwar wieder über das Meer gejagt hätte, doch importierte man dann aus ihren Reihen eine neue Herrscherschicht, die den Grundstock der Kiever Rus bildeten: „... unser Land ist groß und hat Überfluss, aber es ist keine Ordnung inihm. So kommt, Fürst zu sein und über uns zu herrschen!“ Drei Brüder wurden dann aus den Warägern ausgewählt, die im Osten ein neues Geschlecht begründen sollten. „Und von diesen Warägern erhielt das Russische Land seinen Namen. Es war Mitte des 9. Jahrhunderts, als sich die Slowenen ihre Herrscher aus Skandinavien zurückholten. Drei Brüder nahmen die Herausforderung an und zogen in den Osten. Rjurik, der Bedeutendste der drei, und auch der Einzige, der lang genug überlebt, wird zuerst Herrscher über Novgorod, nach dem Tod seiner Brüder übernahm er auch die Herrschaft über deren Gebiete und wurde alleiniger Herrscher über das Kerngebiet der Kiever Rus. Dieses Gebiet erstreckt sich von Novgorod am Ufer des Ilmensees, bei der Einfahrt vom finnischen Meerbusen, bis nach Kiev in der heutigen Ukraine. Nach Rjuriks Ableben ist sein Sohn Igor noch zu jung, um seinem Vater nachzufolgen, deshalb übernahm Oleg die Herrschaft, und übergab sie später wieder an Igor. Oleg unternahm auch, wie wir schon hörten, die ersten Angriffe auf Konstantinopel und handelt mit den Byzantinern Friedensverträge aus. Er blieb der letzte Herrscher der Rus, der einen typisch skandinavisch-altnordischen Namen trug. Doch blieben auch für die nachfolgenden Rus-Fürsten immer noch die skandinavischen Entsprechungen ihrer Namen bekannt, die in den Sagas oder auf den Runensteinen auf der skandinavischen Halbinsel teilweise noch erhalten sind. Auch unter Igor kam es erneut zu einem großen, jedoch weniger erfolgreichen, Angriff der Rus auf Konstantinopel. Er heiratete eine Slavin oder Germanin des Namens Helga/Olga. Ihr gemeinsamer Sohn war Svjatoslav. Die Beschreibung seines Aussehens, rührt von einem Treffen an der Donau her, mit Johannes Tzimiskes: „Er war mittellang, weder zu lang noch zu kurz, er hatte dichteAugenbrauen, blaue Augen, eine platte Nase, er rasierte sich den Bart vomKinn, aber dichtes Haar hing herunter von der Oberlippe. Sein Kopf warganz kahl - nur von der einen Seite hing eine Haarlocke als Zeichen der Vornehmheit seines Geschlechts. Der Hals war dick, die Schultern breit und die ganze Gestalt war wohl gebaut. Er wirkte düster und wild. In seinem Ohr hing ein Goldring, geschmückt mit 2 Perlen und einem Rubin in der Mitte. Seine Kleider waren weiß und unterschieden sich von den anderen nur durch ihre Reinheit.“ Fürstin Helga/Olga vollzog bald, in Übereistimmung mit ihrer Annäherung an Byzanz, den rigorosen Glaubensbruch zum sog. „orthodoxen“ Christianismus.
 
Das mittelalterliche Klimaoptimum (nach Elisabeth Haider)
 
„Eine sehr innovative Theorie, die den Grund des Auszugs der Skandinavier aus ihren Heimatländern erklären soll, ist die des Klimaoptimums. Je nachdem, welche Literatur man sich ansieht, variieren die Jahreszahlen, aber laut H.H. Lamb, kam es zwischen 650 n. Chr. und 1200 n. Chr. zu einer merkbaren Verbesserung des Klimas. Das Klima wurde wärmer und es war nun auch möglich in den nördlicheren Teilen der Welt Feldfrüchte anzubauen, die vorher dort nicht gedeihen konnten.So konnte zum Beispiel eben Weizen bis auf die Höhe des heutigen Trondheim angebaut werden .… Aber nicht nur die schwierigen Reisebedingungen, auch die schlechte Versorgung der Ankömmlinge in Island oder Grönland ließ den Schiffsverkehr zurückgehen. Es war durch die Klimaverschlechterung schon nicht mehr möglich bestimmte Feldfrüchte anzubauen, darunter hatte schon die einheimische Bevölkerung zu leiden und man konnte es sich nicht mehr leisten eine ganze Crew mitzuversorgen. Somit waren die temporären Aufenthalte der Besatzungen der Handelsschiffe nicht mehr möglich und man konzentrierte sich von Seiten Skandinaviens auf andere Handelspartner. Besonders die Märkte im fränkischen sowie im byzantinischen Reich wurden interessanter und auch die Kiever Rus wurde als Absatzmarkt für ihre Produkte immer attraktiver. Deshalb fanden auch die meisten Fahrten zwischen Skandinavien und Grönland zwischen 1000 und 1020 n. Chr. statt. In diesen Jahren waren die Bedingungen am besten, auch wurden von Grönland die Weiterfahrten in den Westen, sprich nach Nordamerika, genau Kanada vorbereitet. Hier konnte man sich dann noch mit genug Proviant und Reserven eindecken, um es bis nach Amerika zu schaffen. Auch war das Klimaoptimum in Nordamerika zu spüren. So war es in Nordamerika, Europa, Russland und Grönland zwischen 950 n. Chr. und 1200 n. Chr. am wärmsten. Schon ab 1100 n. Chr. kam es zu einer massiven Abkühlung des Meerwassers auf den nördlichen Routen der Wikinger, und ab dem 13. Jahrhundert kam es zu einer vermehrten Eisbildung (Meereis) rund um Island und Grönland, das unter anderem die Verbindungen zur Außenwelt für einige Monate kappte.In Island muss die Besiedelung der Wikinger genau mit der wärmsten Zeit dort zusammen gefallen sein, denn schon vor den ersten Skandinaviern siedelten dort irische Mönche, die in ihren Aufzeichnungen schon Eis auf dem Meer erwähnten. In den Jahren 870 bis 930 n. Chr. fehlt aber jegliche Erwähnung von diesem. Es muss also in diesem Zeitraum ungewöhnlich warm gewesen sein, oder zumindest das Meerwasser in diesem Gebiet muss zu warm zum Gefrieren gewesen sein.“