OD-GOTTES GODORD

 

Die germanische Lichtglück-Seele, das Od, an. „Oðr“, verkörpert sich in der Metapher des Od-Gottes Wodin-Odin.
 
OD-GOTTES GODORD
 
Germaniens Glaube geht nie zugrund‘,
ein geheimes Godord gebe ich kund. 
Es weist wodinisches Glaubens-Glück
weit über zweitausend Winter zurück.
 
Jedes Godentum, wie das Godord-Mál
basiert auf Od-Gottes Rune und Zahl.
Er ist der Arzt-Gott der Odem schenkt,
als Wodan-Wodin das Denken lenkt.
 
Als Seelen-Gott weckt er die Toten auf,
weiß ja und fügt allen Schicksals Lauf.
Eins ist er mit Auðaz, mit Oð und Urð,
er kennt jede Straße, Brücke und Furt.
 
Kriegsgötter ehrten Germanen nie,
Sieg-Heil der Himmelsherr Tiu verlieh.
Und Wodan, der Ódr, ist Geist an sich,
er lädt die Toten an Walhallas Tisch.
 
Die da tapfer lebten, ehrhaft und treu,
denen formt er zur Seele die Leiber neu.
Brave braucht er zum besseren Bau
der morgigen Welt seiner Gottes-Schau.
 
Es trat in die Zeit der christliche Zorn,
Jehova erwies sich als Thursen-Dorn.
Glaubenshass wurde bedacht entfacht,  
so wuchs katholische Kirchenmacht.
 
Doch Od-Gottes Godord lag im Schlaf
als Gerhard der Hess‘ das Oding traf.
Damit war das Urheil wiedererweckt
und Hess hatte sein Godord entdeckt.
 
Ein geistiges Godod, ein Godentum
des Erretters und seiner Runen Ruhm.
So lange das Volk sein Od verkennt,
siecht es dahin bis zum tragischen End‘.
 
Vom Godord hören wir beispielsweise in den isländischen Familiengeschichten, wie in „Fünf Geschichten aus dem westlichen Nordland (Thule Bd. X), Kap. 37, „Wie Thorstein das Godort an sich brachte“. Man verstand unter den Begriffen an. n. goðort/godort/godord) das Godentum, also des vorchristlichen Priestertums Amt u. Würde. Der an. m. goðorð-maðr war der Goden-Mann und das an. n. goðorð-mál war die Goden-Sache/Angelegenheit. Wer ein Priesteramt ausübte oder es zunächst beabsichtigte, erbaute einen Tempel, den man Hof nannte, in welchem die rituellen Handlungen zur Ehre der Gottheit durchgeführt wurden. Anders, als später die zentralgelenkte, römisch-päpstliche Katholikenkirche, gestaltete der heidnische Gode sein Godord weitgehend frei nach eigenen frommen Vorstellungen. Diese freie Volkskirche ging im staatlich organisierten Terror der Christenmission völlig verloren. Rom, seine Bischöfe, Kardinäle und die von ihnen anberaumten Kirchenversammlungen (Synoden, Konzile) verordneten den geistig versklavten Zwangsgläubigen was sie zu denken, zu glauben und zu spenden hatte. Der zentrale Volksgott in der weiten Germania war der Geistgott, Runengott, Heilgott und Göttervater war die göttliche Wesenheit Wodanaz, Wotan, Wodin Odin, die viele Kultnamen trug. Die Christenkirche versuchte den Gott vergessen zu machen, indem sie den jüdischen Erzengel Michael als „Ersatzspieler“ anbot und dessen Gedenkfest auf die altgläubige Wodan-Festzeit legte. Im Zuge dieser Fälschungsarbeit wurden die vielen heiligen Od-Stätten Germaniens in „Michaelskirchen“ umgeweiht.
 
Im indogerm. Stammbegriff audh „Glück, Besitz, Reichtum“ wurzelt das germ. auðanōn und audaz „Gut, Glück, Habe“, was im Germanischen zu wuoð, im Gotischen wods u. Angelsächsischen zu wōd „Eifer“, auch zur Gottesbezeichnung führte: urgerm. Wôðanaz, aisl. Óðinn, altengl. Wōden, alsächs. UUoden, ahd. Wuotan, altalem. Woatan, langob. Gwodan; verwandt mit ind.-eran. Vaju, Vatan, gall-lat. Vates „Seher“. Die Formen im Altnordischen auðna/auðr/oðr bedeuten „Schicksal, Besitz, Reichtum, Gut, Glück, Vorteil“. Sie bildeten sich im Färöischen zu eyður/eydna, mit der Bedeutung „Schicksal, Glück, Vorteil“. Die Anlautvarianten „au, u, o, e“ irritieren zunächst, ändern aber nichts am ursprünglichen semantischen Begriffsinhalt einer ursächlichen Geistwesenheit, einer Art sinnlich nicht fassbarer göttlichen Urenergie, oder Urweltseele. In der eddischen Völuspá („Seherinnenweissagung“) sagt Strophe 18 über die Erschaffung der Menschen: „Önd þau né áttu, óð þau né höfðu, lá né lætiné litu góða; önd gaf Óðinn, óð gaf Hænir, lá gaf Lóðurr ok litu góða“, d.h.: „[Sie] besaßen Seele und Sinn noch nicht, nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe. Seele [önd] gab Odhin, Hönir gab Sinn [od], Blut gab Lodur und blühende Farbe.“ Müßig wäre es, verbissen die vorgetäuschten drei Götterpersonen als verschiedene ergründen zu wollen, denn der Geistgott Wodan-Wodin-Odin ist als Dreiheit aufgefasst worden. So wie er an anderer Stelle als Odin, Vili und Ve („Geist, Wille, Weihe“) beschrieben wird, ist er während der Menschengestaltung Odin, Hönir, Lodur. Das kommt schon darin zum Ausdruck, dass Odin nicht od gibt und Hönir nicht önd, was aus ihren Namen her ableitbar wäre, sondern in vertauschter Weise, was ihre Austauschbarkeit, also Gleichwesenheit, verdeutlichen soll. Wie wären Sinn und Seele zu unterscheiden ? Dazu schreibt der Isländer Sigurdur Nordal: „önd, óðr: Hier wird eine Unterschei­dung gemacht zwischen dem Lebens­odem und der Seele. önd bestimmt die Lebens­funktionen, ist Teil des Lebens und ist Mensch wie Tier gemeinsam. óðr ist der ,göttliche Funke‘ im Men­schen, der auf höhere Mächte zurückgeht.“ (Sigurdur Nordal, Völuspa, 1980, S. 48). Dass in Völuspá 18 Hönir óðr/od gibt und nicht Oðinn/Odin erweist seine völlige Identität mit Odin. Hönir („der Schwanen­gleiche“) ist eine tiergestaltige Metapher für die germanische Seele selbst, wie sie in altnordischer Ikonographie der Bildsteine wiederholte Darstellung fand. Auch Lodur, der Wärme und gute Farbe den Menschen gab, ist zwangsläufig eine Odin‘sche Emanation. „Od ist der göttliche Funken im Menschen“ und Odin ist der Zünder, der Rauschvermittler, der Geistanreger für jede intellektuelle Schöpfung. Deshalb ist die gebräuchliche Übersetzung des Wortes Wodan-Odin als der „Wütende-Zornige“ völlig entstellend, weil eine geänderte Assoziation die Semantik verschoben hat. Sie könnte erst unter kirchenchristlichen Beeinflussung ins Negative abgedrängt worden sein. Ursprünglich musste der üble Sinn erst mittels eines weiteren Adjektivs, wie z.B. „grimmig“, zu mhd. Wuotgrimme (Wutzorn”) ergänzt warden. Die bessere Übersetzung des „wout/oðr“ hieße „Rausch, Eifer, Erregung, Leidenschaft“, wohl auch „Werdung, Wallung, Wuchs“, welche sinnlich nicht, allein in ihren Ergebnissen wahrnehmbaren Naturereignisse. Ais. oð-viðri meint „Unwetter, aufgeregtes Wetter“. In der alten Sprache gab es noch den Begriff „Minnewout“ für Liebesrausch (Nathan Bailey, „Wörterbuch der Englischen Sprache“, Bd. 1, 1822, S. 582). Markant im verwandten Sinne ist das Runen-Oding, die intelligible Werdung aus dem Geist, dem Geistgott Oðr-Oðinn/Od-Odin. Auch Jan de Vries erklärte: „Óðr ist eine alte Gottheit, aus ihm ist Óðinn hervorge­gangen“. (Jan de Vries, „Altgerm. Relig ionsgeschichte" II, 1957, S. 87) Sein Begriff weist ihn als Seelen- und Geistgott aus, denn altn. óðr ist das Seelen­leben und der Verstand. Ein Blick in den altnordischen Sprachraum gewährt das Schwedische, weil das Land spät christianisiert wurde und damit der orientalisch-römischen Verfremdungskirche ein bedeutend geringerer Zeitraum zur Verfügung stand. Schwedisch Od meint „Besitz“, der Odalman u. Odalbonde ist der „freie Grundbesitzer“, das Odlande ist „der Anbau“ und Odling, das gleiche Wort (mit Suffix ing oder ling) wie Oding, steht für „Anbau, Züchtung, Kultur, Gesittung“. Weitere Beispiele fördern das Wortverständnis: biodling = „Bienenzucht/Imkerei“, blomsterodling = „Blumenzucht“, fiskodling = „Fischzucht“, fruktodling = „Obstanbau“, nyodling = „Urbarmachung“, odlingar = „Kulturen“; eine sprachlich stimmige Ergänzung wäre runodling/runoding = „Runenzucht /-züchtung“, exakt der Begriff welcher am rechten Beginn der Ur-Runenreihe zu lesen ist. Schwed. Minnesruna meint „Inschrift zu jemandes Gedächtnis“. Genau das ist auch das Runen-Oding, denn es ist zum liebenden Gedächtnis unseres deutschen Volksgottes Wodan-Odin vom Runenschöpfer errichtet worden, gleich einem die Zeiten überdauernden Monument.
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