DER TANZ

 
 
 
Ritueller Ausdruckstanz-Tänzer (ca. 80 cm) im bronzzeitlichen Felsbild
(um 1500 v.0 - Järrestad, Skåne, Schweden - Papierhandabrieb von G.Hess)
 
DER TANZ
 
Trommeln, Pfeifen, Hörnerklang,
das macht die müden Beine lang.
Das reizt das Gemüt, das geht ins Geblüt,
da bleibt kein Tänzer matt und müd‘.
 
Seit Urzeiten wird der Tanz gepflegt,
wo immer sich das Leben regt.
Ob Mensch, ob Tier, wohl dort und hier,
sind wir glücklich, tanzen wir.
 
Archaisch ist der Werbe-Tanz,
ein jedes Wesen kennt die Balz.
Lieb‘ macht verrückt, das Weib entzückt,
dann tanzen Männer bis es glückt.
 
Und wenn das Weibchen Feuer fing,
man tauscht den ersten Kuss und Ring,
so tanzen Weiber mit in Sitt‘,
im frohen gleichen Sprung und Schritt.
 
So war‘s zur Steinzeit bis zum Tag,
wer Frohsinn spürt der tanzen mag.
Wer Heil erfährt und Höchstes ehrt,
hält Gottes-Tanz für nicht verkehrt.
 
Drum ist uralt der Tempel-Tanz,
der Ritus-Tänzer gibt sich ganz.
Im Heiligen Hain, im Vollmondschein,
scheint er im Kreis mit Gott allein.
 
Der Kosmos macht es Menschen vor,
es tanzt der Sterne Strahlen-Chor,
um ihrer Sonne Macht und Pracht -,
nur Licht und Tanz verschönt die Nacht !
 
 
In der nordischen Felsbilderwelt der Bronzezeit finden sich mehrere Tänzer-Bilder, auch Tänzer im Kreis, ebenso Abbilder von Musikinstrumenten, wie Trommeln, Hörner, Luren. Der Ausdruckstanz hatte mit Sicherheit kultischen Charakter, wie wir ja auch aus dem noch heidnischen Hochmittelalter Skandinaviens Berichte von kultischen Reigentänzen kennen. Das Bild des bronzeitlichen Tänzers von Järrestadt/Schonen demonstriert den Ausdruckstanz, die weichen Knie vermitteln seine Beweglicheit, die schwingende Gürtelquaste die Hüftdrehung und die erhobenen Arme mit abgespreitzten Daumen die Symbolgestik. Das Bild erinnert an die Jahrtausende alte indische Tanzkunst der Tempeltänzerinnen der Bajaderen oder Devadasis, die als „Gottes-Dienerinnen“ bei Gottesdiensten oder auch bei weltlichen Veranstaltungen auftraten. Die Devadasis gehörten einer eigenen Kaste an, die mit dem Zerfall des Kastensystems zwar ihr Ende gefunden hatte, nicht aber die Traditionen ihrer Tanzweisen. Es sei an Goethes Gedicht „Der Gott und die Bajadere“ erinnert. Noch die heutigen europäischen Ballettbewegungen beruhen im Grunde auf fünf Grundpositionen von Armen und Beinen, die aus uralten Körpergesten hervorgegangen sind. In einem Fachaufsatz heißt es: „Die Basis der körperlichen Haltung ist die Vertikale und das en dehors (Auswärtsdrehung der Beine aus dem Hüftgelenk). Zu den Ballettpositionen gehören zum Beispiel die Arabesque (gestrecktes Spielbein) und die Attitude (gebogenes Spielbein), das Sur-le-cou-de-pied und das Retiré, ebenso sind die Fußpositionen standardisiert. Auch die Arme (dazu gehören auch die Hände und die Finger) haben bestimmte Positionen sowie der Kopf (dazu gehört auch der Blick). In einer Choreografie werden diese formalisierten Positionen abgeändert, verwischt, variiert und interpretiert. Doch geschieht dies alles auf der Basis der Grundpositionen. Ein Ballett-Tänzer ist also stets in einer dieser Positionen, unabhängig davon, ob er springt, sich dreht oder bewegt.“ Und in der Besprechung der Choreographie eines modernen Ballettmeisters heißt es: „…zeigt unsere zerrissene Existenz, die Spannung zwischen Körper und Geist, den Blick in die Zukunft gerichtet, doch mit einem Bein in der Vergangenheit. Seine Tanzvisionäre wirken sehr menschlich mit ihren Träumen und Begierden und ihrem Streben nach Höherem.“
 
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