SOMMERSONNENWENDE-JAHRESTEILUNG

 

SOMMERSONNENWENDE
 
Prajapatis, des Urvaters Schöpfungsruf,
mit dem er das Hell und das Dunkel schuf,
wies, dass der ewige Pendelschlag werde,
Devas die Höhe, Asuras die Erde.
 
Die beiden Prinzipien liegen im Ringen,
der Lebensring kann nur gemeinsam gelingen.
Wer eine göttliche Seite missachtet,
hat die große Ganzheit nicht recht betrachtet.
 
Asen und Wanen, sie kreisen im Krieg,
aus Niederlagen neigt sich der Sieg.
Aus Siegen steigen die Niederlagen,
das heißt ureinst-ewiges Sich-vertragen.
 
Jahr, das heißt „Gehen“, heißt „Sonnenlauf“,
Licht steigt aus nächtigem Dunkel herauf.
Der Sonnenstillstand zur Winterwende
ist des Lichtes Wanderung Anfang und Ende.
 
Das Jahr beginnt so verschwiegen, so sacht
mit der stillen, hochheiligen Mütternacht,
zur Winterwende, zur Schwarzmondzeit,
in tiefer, fast trostloser Dunkelheit.
 
Die Sonne geht ihren sicheren Gang,
den Nordberg besteigt sie sechs Monde lang.
Sie erreicht den Gipfel, den steilsten Stand,
wo ihr Sieglauf Erfüllung und Spitze fand.
 
Dort oben, auf tirmigem Tanzplatz der Sonne
ringt sie den Reigen der Sommerwonne.
Im hohen Norden, im heiligen Thule
blüht sie im Brande als liebender Buhle.
 
Das Land lacht unter Lichtkaskaden,
Die Erdfrau darf im Glanzmeer baden.
Es bersten die Tage im blendenden Schein,
sie neigen sich weit in die Nächte hinein.
 
Die Brände prangen, die Sippen singen,
verliebte Pärchen durch Flammen springen.
Auf Zinnen brennende Zeichen ohn' Zahl,
funkende Räder fauchen zu Tal.
 
Glühende Scheiben werden geschwungen,
so gilt die Sommerwende gelungen.
Die Zeit wird ein einziger großer Tag,
den das fürstliche Feuer zu füllen vermag.
Das himmlische Licht will sich verschwenden,
bald muss es sich wenden !

 

 

PS: Die Sommer-Sonnenwende (21.06.) ist der jahreszeitliche Moment höchster Lichtentfaltung; danach nimmt dich das Jahr wieder zurück, die Tage werden kürzer. Dieses Fest ist im altdeutschen Runen-Kalender durch die Jahr-Rune gekennzeichnet. Noch das heutige Brauchtum des Festes speist sich aus rein urheidnischen Symbolismen.
 
Das Jahr besteht und wird erwirkt, durch zweierlei Kräfte, denen des Aufstieges und denen des Abstieges. Gott (als Allmacht) ist Tag und Nacht, Gott ist Frieden und Krieg, sagten die alten Weisen. Diese Pendelmächte, jenen der Höhe, des Himmels (Devas) und jenen der Tiefe (Asuras) sind in sämtlichen indogermanischen Religionen fassbar.
 
Bild: Sommersonnenwende am altdeutschen Zentralheiligtum dem Externstein im Teutoburger Wald, wo im Turmfelsen die Raumachse exakt zum nordöstlichen Azimut des höchsten Lichtstand-Sonnenaufganges, der Sommersonnenwende ausgerichtet ist. Franken-König „Karl der Sachsenschlächter“ ließ hier, während seines Überfalls auf Sachsen i.J. 772, die heilige Allsäule, der „Irminsul“, stürzen, raubte die sakralen Schätze und ließ die genannte Weihekammer zerstören.
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