LEBENSREFORM

 

Der psychotische christliche „Sündenfall“ besteht in der Bejahung
triebgesunder lustvoller Leiblichkeit des Menschen
 
 
LEBENSREFORM
 
Wer Gott in der Natur begreift,
wen solcher Einsicht Flügel streift,
für den sind Leib und Liebe Gottesgaben,
dankbar ist er, dass sie uns laben.
 
Die Liebes-Lust gebiert der Leib,
ein Erden-Trost für Mann und Weib.
Niemals gedacht‘ der Himmel zu verbieten,
des Minne-Reigens wundervolle Riten.
 
Wer Unvernunft der Gottheit unterstellt,
war Pfaffen-Sinn der Dunkel-Welt.
Wollüste sind des Himmels Feuer-Spende
und Zündstoff aller Seelen-Brände.
 
Nur kranke, schwarze Geister zog es an,
was jenes Paulus irre Dämonie ersann.
Sie schmähen Liebe, Lust und jede Freude,
damit sich Kraft im Christen-Wahn vergeude.
 
Nach über tausend Jahren Kirchen-Zank,
ist unsere Zeit noch immer geisteskrank.
Lebensreform wär‘ das Gebot der Stunde,
Entchristlichung in voller, breiter Runde.
 
Trennt Euch von lebensferner Scheinmoral,
kein Gott erheischte jemals Sinnen-Qual.
Die Prüderie erfanden sich die Pfaffen,
um Sünder-Sklaven-Demut zu erschaffen.
 
Liebe und Lust sind Sünden nicht,
kein Himmelsrichter zieht Euch vor Gericht.
Naturfern sind die Kirchen-Normen,
wir suchen neue, bessere Lebensformen.
 
Nur die Natur kann unser Vorbild sein,
die Selbsterhaltungs-Lust gehört darein.
Und alle Sakramente der erhofften Religion,
die galten längst in Heiden-Zeiten schon.
 
 
 
Bild: Der Dom zu Gurk in Kärnten wurde zwischen 1140 / 1200 erbaut. Das dortige Fresko „der Sündenfall“
in der Bischofskapelle wurde etwa 1264 angefertigt.
 
 

Der unheilige Paulus im Lichte körperlicher und seelischer Gesundheit: - sein gestörtes Verhältnis zu Frauen, zur Liebe und allgemein zum Leiblichen, dem sog. „Fleische“.

 
Hören wir einige grauenerregende Vorurteile des besessenen Orientalen aus Tarsus:
  • Die Frau ist lediglich ein Abglanz des Mannes... sie stammt vom Mann... sie wurde um des Mannes willen geschaffen (1 Kor 11, 7-9)
  • Die Frauen sollen sich unterordnen und in der Gemeinde schweigen. (1Kor 14, 34)
  • Ein Weib soll in der Stille mit aller Untertänigkeit lernen. Ihr ist nicht gestattet, dass sie lehre und des Mannes Herr sei, sondern stille sei (1Tim 2,11-12)
  • Ein Mann möge keine Frau berühren. Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben (1 Kor 7, 1)
  • Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann (1 Kor 7,4)
  • Ich wünschte, alle Menschen wären unverheiratet, wie ich (1 Kor 7, 7)
  • Wer eine Frau hat soll sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine (1Kor 7, 29)
  • Ich weiß, dass in meinem Fleisch nichts Gutes wohnt (Röm 7, 18).
 
Die Hass-Botschaften des unheiligen Paulus aus Tarsus
 
„Der ‘frohen Botschaft‘ folgt auf dem Fuß die allerschlimmste: die des Paulus. In Paulus verkörpert sich der Gegensatz-Typus zum ‘frohen Botschafter‘, das Genie im Hass, in der Vision des Hasses, in der unerbittlichen Logik des Hasses. Was hat dieser Dysangelist alles dem Hasse zum Opfer gebracht ! Vor allem den Erlöser: er schlug ihn an sein Kreuz. Das Leben, das Beispiel, die Lehre, der Tod, der Sinn und das Recht des ganzen Evangeliums - nichts war mehr vorhanden, als dieser Falschmünzer aus Hass begriff, was allein er brauchen konnte. Nicht die Realität, nicht die historische Wahrheit ! ...   er strich das Gestern, das Vorgestern des Christentums einfach durch, er erfand sich eine Geschichte des ersten Christentums. Mehr noch: er fälschte die Geschichte Israels nochmals um, um als Vorgeschichte für seine Tat zu erscheinen: alle Propheten haben von seinem ‘Erlöser‘ geredet ... Die Kirche fälschte später sogar die Geschichte der Menschheit zur Vorgeschichte des Christentums ...“ (Nietzsche, dt. Philosoph, 1844-1900)
 
.o.o.o.o.
 
Zur irren christlichen Sexualfeindlichkeit und dem sog. „Sündenfall“ erklärt die Historikerin Frau Maike Vogt-Lüerssen aus Wilhelmshaven das Folgende:
 
Die sexualfeindlichen Theorien bedeutender Kirchenväter
 
Die Lust- und Sexualfeindlichkeit und den Sexualpessimismus hatte die Kirche von ... Philosophen der Antike übernommen.
 
Diesen antiken Herren geistig folgend hielt sie schließlich die Ehelosigkeit und damit verbunden die sexuelle Enthaltsamkeit für moralisch höher als die Ehe. Sexualität und Ehe wurden sowieso eins ! Der außereheliche Geschlechtsverkehr war nämlich kirchlicherseits verboten.
 
Origines († um 254), einer der bedeutendsten Theologen [der sich selbst entmannte] der katholischen Kirche, stellte als erster Geistlicher die Behauptung auf, dass der Sündenfall von Adam und Eva im Paradies ein sexuelles Vergehen gewesen wäre, das als Erbsünde alle ihre Nachkommen belasten würde. Denn durch diesen Sündenfall wäre jeder neugeborene Mensch durch den elterlichen Zeugungsakt schuldig und sündig.
 
Diese [schwachsinnige] Theorie wurde von anderen bedeutenden Kirchenvätern aufgegriffen und erweitert.
 
So sah Augustinus († 430) in der Sexualität der Menschen eine Strafe Gottes für Adam und Evas Sünde im Paradies und vertrat die Auffassung, dass das Kind durch die bei jedem Zeugungsakt vorhandene Lust automatisch mit der Erbsünde befleckt würde.
 
Seiner Meinung nach unterschied sich die Ehe im Paradies grundsätzlich von der Ehe nach dem Sündenfall. Denn der Zweck der Paradiesehe war einzig und allein die Erzeugung von Nachkommen. Der notwendige Geschlechtsakt geschah dabei angeblich ohne Lustgefühl, da die Geschlechtsorgane im Paradies völlig dem Willen unterworfen waren.
 
„Warum sollte es unglaubhaft erscheinen, dass die Beschaffenheit der ersten menschlichen Körper von der Art gewesen ist, dass die Menschen mit dem Wink über die Geschlechtsorgane verfügten, mit dem man über Füße verfügt, wenn man spazierengeht, so dass weder mit Liebesglut gezeugt noch unter Schmerzen geboren würde ?" (in: Georg Denzler, ebenda, S. 44/45)
 
Laut Augustinus konnte nur die Taufe die Menschen von der Erbsünde befreien. So gelangten die schon mit der Erbsünde befleckten, aber noch ungetauften Kinder nicht ins Himmelreich !
 
Der angesehene Pariser Theologieprofessor Johannes Beleth († um 1165) verbot daraufhin, „dass tote schwangere Frauen beim Begräbnisgottesdienst in der Kirche aufgebahrt wurden, da das ungeborene Kind noch nicht getauft war. Ferner musste, bevor die Schwangere in geweihter Friedhofserde begraben werden konnte, das Kind aus ihrem Leichnam herausgeschnitten und außerhalb des Friedhofs begraben werden." (in: Uta Ranke-Heinemann, ebenda, S. 82)
 
Vielleicht versteht man nun, warum auch heute noch in katholischen Krankenhäusern im Falle einer Geburtskomplikation das Leben der Mutter weniger wertvoll als das Leben des Kindes erscheint. Denn nach der Theorie des Augustinus' kann das Kind, da es noch nicht getauft ist, nicht die ewige Seligkeit erlangen, die getaufte Mutter aber jederzeit.
 
Nicht alle Geistlichen waren damals bereit, Augustinus' Erbsündentheorie unwidersprochen hinzunehmen. Der Priester Caelestius und sein Lehrer Pelagius ließen verkünden: „... die Sünde Adams habe diesem allein geschadet, nicht aber dem ganzen Menschengeschlecht, und die Kinder kämen in demselben Zustand zur Welt, in dem Adam sich vor dem Sündenfall befunden habe.“ (in: Georg Denzler, ebenda, S. 45)
 
Augustinus jedoch gelang es, seinen lästigen Gegenspieler Caelestius in der Synode von Karthago im Jahre 416 zum Ketzer stempeln zu lassen. Auf diese Art und Weise brachte er noch andere Konkurrenten zum Schweigen. So wurde seine [verrückte] Erbsündentheorie schließlich ein wichtiger Baustein des christlich-katholischen Denkgerüstes.
 
Und noch etwas bewirkte der große Kirchenvater Augustinus, der als junger Mann dem weiblichen Geschlecht keineswegs abgeneigt war. Er ließ nämlich verkünden, dass der eheliche Sexualverkehr nur schuldfrei wäre, wenn er zur Zeugung von Nachkommen stattfinden würde. Jeden Verkehr aus reiner Lust dagegen hielt er für eine verzeihliche, aber „lässliche Sünde“.
Im 12. und 13. Jh. wurde schließlich jeder Geschlechtsverkehr wegen der damit verbundenen Lust, auch wenn er der Zeugung von Nachkommen diente, zu einer leichten Sünde.
 
Wer dagegen nur aus reiner Lust den Verkehr beging, sündigte fortan schwer !
 
Was konnte aber eine Frau, die keine Sünde begehen wollte, tun, wenn sie von ihrem Manne zum Geschlechtsverkehr aufgefordert wurde ?
 
Thomas von Aquin († 1274), der große Scholastiker des 13. Jhs., riet ihr, den Ehemann durch „eifrigstes, aber kluges Bemühen von seinem Vorhaben abzubringen“. Klappte dies nicht, musste sie ihm zur Verfügung stehen, da ihr Mann sonst eventuell eine andere Frau aufsuchen und damit eine schwere Sünde begehen würde.
 
Diese Pflicht zum Geschlechtsverkehr forderte er selbst, wenn der Ehegatte pestkrank war.
 
Immerhin fanden Augustinus und Albert Magnus († 1280), der Lehrer von Thomas von Aquin, tröstliche Worte für die Frauen, die sich den Wünschen ihrer Männer fügten.
 
Denn laut Augustinus war derjenige Ehepartner sündenmäßig entschuldigt, der den Verkehr nur auf Verlangen des anderen 
„lustlos“ leistete.
 
Und Albert Magnus meinte: „Wer Verkehr leistet, der billigt nicht, sondern bedauert das geschlechtliche Verlangen des Ehegatten. Er beabsichtigt nicht, dessen Lust zu fördern, sondern die Krankheit des Gatten zu heilen.“ (in: Uta Ranke-Heinemann, ebenda, S. 188)
 
Im Laufe des Mittelalters wurde die Sexualität der „anderen“ zum Hauptbeschäftigungsfeld der geistlichen Herren. Denn Fragen über Fragen häuften sich.
 
Gibt es z.B. einen Geschlechtsverkehr ohne Sünde ?
 
Wilhelm von Auxerre († 1231) meinte dazu: „Wenn ein heiliger Mann ... seine Frau erkennt und ihm die hierbei auftretende Lust...keineswegs gefällt, vielmehr verhasst ist, dann ist dieser Verkehr ohne Sünde. Doch das kommt selten vor.“ (in: Uta Ranke-Heinemann, ebenda, S. 163)
 
Huguccio († 1210), der berühmte Rechtsgelehrte und Kardinal von Ferrara, sah das ganz anders: 
Die Lust kann niemals ohne Sünde sein." (in: Uta Ranke-Heinemann, ebenda, S. 164)
 
Aber es tauchten noch weitaus schwierigere Fragen auf !
 
Ist der Geschlechtsverkehr mit einer schönen oder mit einer hässlichen Frau eine größere Sünde ?
 
Auch hier waren sich die geistlichen Herren nicht einig !
 
Petrus Cantor († 1197) behauptete, „der Verkehr mit einer schönen Frau sei größere Sünde als der mit einer hässlichen Frau, weil er mehr ergötze. Denn die Größe der Lust bestimme die Größe der Sünde.“ (in: Uta Ranke-Heinemann, ebenda, S. 164)
 
Alanus von Lille († 1202) dagegen erwiderte: „... wer mit einem schönen Weib verkehre, sündige weniger, ‚weil er durch den Anblick ihrer Schönheit mehr gezwungen wird‘ und ‚wo größerer Zwang, da ist geringere Sünde.‘" (in: Uta Ranke-Heinemann, ebenda, S. 164)
 
 
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