ZEUS UND ZEUS-HÖHLE

 
 
 
ZEUS UND ZEUS-HÖHLE
 
Wo ward der große Zeus geboren,
nicht in höchsten Himmels-Sphären,
sondern in Diktäischer-Höhle,
wie’s die Kreter gern erklären ?
 
Tief drunten in der letzten Grotte,
hätt‘ die Gäa Licht gezündet,
wurd‘ von ihr, der Mutter Erde,
Uranus‘ Geschlecht begründet ?
 
Den Olymp’schen Gott zu ehren,
tauchten wir hinab ins Dunkel,
der ungezählten Treppenstufen,
im Geisterstrom von Lichtgefunkel.
 
Am Heiligtum der Doppeläxte,
harrten wir in tiefster Tiefe,
gedachten still der heiligen Rätsel,
als ob uns Zeus zur Weihe riefe.
 
Ist‘s doch unser aller Gottheit,
gleichgültig, wie Namen lauten,
weil an all' den Glaubensformen
hochgesinnte Menschen bauten.
 
Und der Zeus kam von der Donau,
war ein alter Gott der Deutschen;
ach, was wissen von Geschichte
doch so wenig, heut'ge Leutchen !
 

 

Zwei kretische Geburtshöhlen des griechischen Himmelsgottes Zeus werden genannt. Die „Idäische Grotte“ und die „Diktäische Höhle“. Die erstgenannte liegt am westlichen Rand der Nida-Hochebene in Zentralkreta. Der Höhleneingang befindet sich auf einer Höhe von 1538 Metern. Die zweite ist die Diktäische Tropfsteinhöhle, sie befindet sich bei dem Ort Psycho oberhalb der „Lasithi-Hochebene“. Wir haben sie besucht. Nach ca. halbstündigen gemächlichen Anstieg erreicht man den Eingang zum gewundenen, steilen Stiegensteig in die Tiefe zur letzten heiligen Kammer, in der die Geburt des olympischen Zeus aus Mutter Gäa/Gaia (oder Rhea) stattgefunden haben soll. Die Höhle ist nur spärlich beleuchtet, was sie gerade so geheimnisvoll macht. Sie besteht aus einem stark abwärts geneigten Raum von 85 m Länge und 37 m Breite. Reihen von wunderbaren Säulen und Stalagmiten teilen den letzten Höhlenabschnitt in vier Kammern. Die gewölbte Decke erreicht an manchen Stellen 15 m Höhe. Die absteigenden Besucher werden mit langen, dünnen Kerzen ausgerüstet. So strebt ein durch die vielen Menschen gebildeter Kerzenflammenstrom in die Tiefe hinab. Die Höhle war schon eine Kultstätte der vorgriechischen Kultur der Minoer, um 2.800 v.0. Der griechische Mythos brachte seinen Gott Zeus in Verbindung mit der Höhle, der hier geboren worden sein soll, umsorgt von der Nymphe Amaltheia und von wehrhaften Kureten beschützt. In der „Theogonie“ des Hesiod über die Geburt des Zeus heißt es: „Dorthin brachte Gaia durch schwarze Nacht ihn schnell nach Lyktos, nahm in die Arme auf ihn und barg ihn in tiefer Höhle, unterhalb der auf dem bewaldeten Berge Aegaeon ihr heiligen Orte, …“ Man fand in der Kulthöhle einen Opfertisch für Trankopfer, versehen mit Zeichen der minoischen Linear-A-Schrift. Ebenso fanden sich Tongefäße, Scherben, die Bronzestatuette eines Stieres, goldene Spangen, Nadeln, eine Menge von Doppeläxten, auch eine männliche Bronzestatuette in Gebetshaltung. - Zeus ist ein indogermanischer Gott, der von mitteleuropäischen Völkerstämmen, die in die Balkanhalbinsel einwanderten, mitgebracht worden ist. Prähistoriker haben Aschenaltäre von der Art der Zeus-Altäre an mehreren Stellen im Donau-Alpen-Gebiet entdeckt. Sie stammen aus dem 2. und frühen 1. Jahrtausend vor 0. Der Aschenaltar kam also mit dem Zeuskult nach dem Süden. (siehe dazu Erika Simon, „Die Götter der Griechen“, 1989, sowie Erika Simon, „Frühe Apollobilder und das Problem früher Zeusbilder“, S. 172 in „Die Welt der Götterbilder“, 2007)

 
Fotos: G. Hess mit Tochter Edda in „Diktäische Höhle“, 1992

 

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