DER HEIMATGLAUBEN

 

HEIMATGLAUBEN

Das Fleisch ist ein Fluss aus firnen Fernen,
die Seele ein Strom von strahlenden Sternen.
Aus den Vorfahren fließt es den Enkeln zu,
wie ein Rinnen und Reisen ohn‘ Rast und Ruh.

Zwar gehen auch Helden zu „Hel und Hügel“,
den härtesten Händen entgleiten die Zügel,
auch flinkesten Fingern entfällt der Faden -;
es grüßet die Göttin in Glimpf und Gnaden.

Sie greift ins Geweb‘ mit geheurer Gewalt,
sie verändert so kaum ihrer Knoten Gestalt.
Ließe sie heut‘ ein paar Maschen fallen,
schon bald wird sie neue Schlingen schnallen.

Und sendet das Schicksal den barschen Befehl,
dann schickt es die Seelen den Hellweg zur Hel,
zur helenden Halle, zur Halja, zur Helle,
zum Quickborn der Mutter, der Lebensquelle.

Dann genesen die Geister in Gruft und Grab:
„Zu den Wurzeln wandern die Väter hinab !“
Im Schoße der Erdmutter sitzen die Stillen
und wirken aus ihm für den Wachstumswillen.

Mit Quellen und Pflanzen sind sie verquickt,
zum Pflegen und Hegen und Heilen geschickt.
Bis ihnen das Werden weist wieder die Furt,
ihren Weg der Erweckung zur Wiedergeburt.

Galt doch als Göttin der Geister die Gaia,
die Nertha, die Gerda, das Mütterchen Maia.
Als Allmutter Hel hat sie Seelen zu helen -
sie selbst ist die Summe sämtlicher Seelen.

Sie ist grenzenlos gültige Geistermacht,
mit dem Welt-Atem W-Odan in Eines gedacht.
Wie Boden und Fleisch von ihr herstammen,
fließt ihr Blut, ihre Seele, darein zusammen.

Das Gute, das Godh, gleicht Mutter und Vater,
so verstand es der Runenrauner und -rater.
Was Runen zur Rückverbindung uns raten,
alle treuen Töchter und Söhne vertraten.

Das war Gottesgewissheit um Erbe und Art,
mit Preisung der Ahnen war sie gepaart.
Durch Eltern wie Enkel rann Gottes Sein,
und keiner war elend und gottfern gemein.

Als Gottesfünkchen durft' er sich fühlen,
als Welle auf göttlichen Ewigkeitsmühlen.
Wer ließe da Selbstvertrauen sich rauben,
im Runen-, im Odal -, im Heimatglauben ?!

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