MEIN EWIGES LEBEN

 
 
MEIN EWIGES LEBEN
 
Vieltausend Zeiten bin ich alt,
in meiner Seele Ur-Gestalt.
Ich hauste mit dem Höhlen-Bär,
ich schleuderte den Eschen-Speer
dem Mammut in sein Zottelfell,
ich war ein wilder Jagd-Gesell.
 
Ich saß als Riemenknecht im Boot,
erlebte Sturm- und Wogen-Not.
Weiß leuchtete die Gletscherwand,
wir ruderten nach Dogger-Land.
Dort liebte ich ein schönes Weib,
von sonnenhellem glattem Leib.
 
Ich lernte wie man Ochsen pflegt,
wie man das Korn in Krumen legt.
Ich lenkte meinen Haken-Pflug,
wir hatten Brot und Bier genug.
Ich baute Karren, Kuf‘ und Rad,
wir türmten unser Großstein-Grab.
 
Es kam die Sturmflut über Nacht,
hat meine Sippe umgebracht.
Nicht einem Mann der Mut gebrach,
wir zogen wilden Schwänen nach,
zu suchen neue Heimat-Erd‘ -,
in aller Faust, das Bronze-Schwert.
 
So mancher Pass war uns versperrt,
ich hab‘ Verhaue weggezerrt -;
viel fremdes Volk war uns nicht gut,
ich wütete mit Wildstier-Wut.
Auch bitterer Tod hat mich ereilt,
ich wurd‘ erschlagen und gepfeilt.
 
War Speer-Soldat im Riesen-Heer,
wir kreuzten durchs Philister-Meer,
kämpften mit Nubiern um den Nil,
am Steuer lenkte ich den Kiel.
Ich wurd‘ gefangen und entmannt,
fand trotzdem neues Heimatland.
 
So flog ich hin im Seelen-Kreis,
auf meiner ewigen Wanderreis‘ -;
war gestern so wie heut‘ und bald,
und werde niemals sterbens-alt.
Halt‘ eisern fest an gleicher Art,
von Gegenwart zu Gegenwart.
 
 
Bild: Der nordische Heide, Reit- und Fechtmeister Kwälulfr
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