GEFLÜGELTE SCHLANGEN

 
 
 
GEFLÜGELTE SCHLANGEN
 
Hört zu, hört zu, ich verrate euch was,
ihr kümmert euch gerne um dies und das,
doch blieb das Wichtigste ungenannt,
es leben geflügelte Schlangen im Land.
 
Sie hausen und hecken in mancher Gruft,
heben sich leichthin in nächtliche Luft,
münden beim Mondschein im Menschenmund
und beißen von innen die Hirne wund.
 
Die meisten sind von der biblischen Zunft,
sie lieben als Fraß des Menschen Vernunft,
die zehren sie auf, wohl Stück für Stück,
am End‘ bleibt ihr eigener Wahn zurück.
 
Der Wahnsinn gedeiht, erfüllt den Kopf,
wird stolz gleich einem Wiedehopf,
der es liebt, zu besudeln sein eigen Nest,
und darauf begründet ein Manifest.
 
Es ist das Programm vom fremden Gott,
dem niederträchtigsten Pfaffen-Spott,
der die Flügelschlangen gezüchtet hat,
die sich mästen an Seelen der Völker, satt.
 
Habt acht, habt acht -, ich rate euch gut,
geht ihr im Mondschein, seid auf der Hut,
Schlänglein des Wahnes tanzen im Schein
so leicht in die trügenden Träume hinein.
 
Glaubt kein Vielleicht und kein Ungefähr,
hofft nicht auf unkluge Wunder-Mär,
verflucht den paulinischen Schlangenwahn,
packt endlich die Gott-Suche selber an !
 
 

 
 
 
Ebenso wie die Flügelschlangen, als Symbole der gepredigten falschen, lügenhaften kirchchristlichen Glaubenslehren gelten, so der Wiedehopf als Gleichnis für die sich selbst beschmutzenden biblischen Glaubenssatzungen, welche die autochthonen Götterkulte der Völker als Teufeleien verketzern. Der mittelalterliche Dichter Heinrich von dem Türlinbezeichnet ihn in seinem Roman „Diu Crône“ als böse. Auch gab es die Metapher des „Wiedehopf auf stolzen Beinen“. Ebenso der der Vogel in mehrerer Hinsicht als abstoßend bzw. sündhaft. Wegen seines unsauberen Nestes und des unangenehmen Geruchs versinnbildlicht er falschen Glauben und Unzucht, wegen seines prächtigen Federkleides zusätzlich die Hochmut. Er versinnbildlicht die von Eichendorff mehrfach kritisierte gottferne Dichtung. In Achim von Arnims „Die Kronenwächter“ werden die religiösen Schwärmer, die die alte Stadtkirche verwüsten wollen, beschimpft: „Ihr Wiedehopfe, die ihr euer eignes Nest besudelt“. Wiedehopfe befördern nicht mit gleicher Sauberkeit wie manche andere Vogelarten den Kot aus dem Nest. Im Koran wird er als Bote zwischen Salomon und der Königin von Saba erwähnt (Koran 27:20+28), weshalb er in islam. Ländern als „Salomonvogel“ bekannt ist.
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