SARGFELSEN VOM EXTERNSTEIN, VORCHRISTLICH !

 
 
Copyright Gerhard Hess / Februar 2016
Grabfelsen vom Externstein nach Freilegung, 1932
Urzeitliches thrakisches Kultgrab bei Tatul / Bulgarien
 
 
 
WARUM DER SARGFELSEN DES EXTERNSTEINS NUR EIN ALTGLÄUBIGES WEIHTUM SEIN KANN,
KEINESFALLS EIN KIRCHENCHRISTLICHES RELIKT !
 
 
 
Der katholische Theologe und Kunsthistoriker Alois J. Fuchs (1877-1971) unternahm es, mit seinem Buch „Im Streit um die Externsteine. Ihre Bedeutung als christliche Kultstätte“, 1934, deren christlichen Anspruch zu untermauern. Er rabulierte ohne sich über die antiken Gräber tiefere Kenntnisse angeeignet zu haben: „Das Felsengrab an den Externsteinen wurzelt als Bogennischengrab vollkommen in der christlich Tradition. Sowohl von den römischen Katakomben her wie auch durch den Bericht Winos über den Befund in Jerusalem konnte die Arkosolform in Paderborn bekannt sein.“ (Fuchs 18) Und Friedrich Focke (1890-1870), der Tübinger Philologe, schreibt in „Beiträge zur Geschichte der Externsteine“, 1943, S. 42: „Daß diese Anlage das Heilige Grab und nie etwas anderes hat darstellen sollen, halte ich für sicher. Sie bildet mit dem Kreuzabnahmebild und den beiden Kapellen einen dramatischen Sinnzusammenhang, dem der Gedanke einer Nachbildung der Grabesheiligtümer in Jerusalem zugrunde gelegen hat. Dies zuletzt von Fuchs eingehend begründete Deutung der Externsteinanlagen ist in ihrem Kernbestand als gesichert zu betrachten.“        
 
Der gesamte ausufernde Streit zwischen kirchenchristlichen Verfechtern einer rein und allein „christlichen Externstein-Tradition“ und deren Gegner, hätte nicht geführt werden müssen, denn bereits an der rekonstruierten Raumflucht-Visierline der Turmfelsen-Kammer („Sacellum“), mit ihrem Sonnenbeobachtungsloch, sowie an der etwa gleichen Ausrichtung des Körperformgrabes im Sargfelsen nach NNO, scheitert jeglicher Ansatz einer kirchenchristlichen Gegenargumentation ! Diesen Sachverhalt hat bis zur Stunde keiner der Diskutanten erkannt ! Eine christliche Grablegung in Richtung von Südsüdwest nach Nordnordost ist ausgeschlossen. Eine derartige Beisetzung entspricht heidnischem Brauch. 
 
Alle als ernsthaft zu beurteilenden Bearbeiter des Themas „Externstein“ sind sich darin einig gewesen, dass die dortigen Baulichkeiten - oder deren Vorgänger - sehr wohl als vorchristliches Heiligtum denkbar oder wahrscheinlich seien, doch alle die Spuren handwerklicher Eingriffe erst in die christliche Zeit datiert werden müssten -, frühestens um 1100. Der dortige sog. „Sargstein“ mit seiner aus dem Nischenboden ausgehöhlten Form eines menschlichen Körpers, wurde von kirchlich gebundenen Autoren immer als Sargnische gedeutet, die dem „Grab Christi in Jerusalem“ entsprechen sollte. Dagegen stehen aber eine Reihe von Fakten die keine Rabulistik aus der Welt schaffen kann.
 
1.      Die Jerusalemer Felsengräber kannten keine Körperformgrabgruben (Kopfnischengräber),  die Toten wurden auf flachen Grabnischen beigesetzt.
 
2.      Die Gestalt der Grabhöhlung vom Externstein ist ein Arkosolgrab oder  Arkadenbogennischengrab. Die exakte deutsche Bezeichnung ist Trogbogengrab, ein Bautyp der in ganz Deutschland kein zweites Mal anzutreffen ist. Eine derartige Form des Einzelgrabes war völlig untypisch für hebräische Gräber Altjerusalems, welche eine Vorkammer hatten und dann dahinter erst die eigentliche Grabkammer oder mehrere Grabkammern. Aber bei altheidnisch-thrakischen Gräbern hochgestellter Personen fand das einfache archaisch anmutende Akrosolgab Verwendung (siehe Fürstengrab bei Tatul), ebenso wie bei späteren vorchristlich-hellenistischen Grablegungen im Vorderen Orient. Aus der antiken griechischen Stadt Milet an der Westküste Kleinasiens (heutige Türkei) finden sich Rundbogengrabanlagen aus Phase II. des ca. 4. Jh. v.0., wie es die archäologischen Untersuchungen am Kazartepe erwiesen. Ein Sarkophag mit Nische, aus einer Felswand gehauen, findet sch im lykischen Balbura (südwestl. Kleinasien, heutige Türkei. Die Lykier waren ein griechisch geprägtes indogerm. Volk, dessen blühende Städte erst durch die Arabereinfälle untergingen. Der Stein müsste, aufgrund seiner Schlichtheit, aus alter Lykierezeit herrühren (3. / 1. Jh. v.0), denn aus hellenistischer und römischer Zeit kennt man von dort aufwendige, hervorragend gearbeitete Sarkophage. Ein Sarkophag in einem Felsengrab der antiken Stadt Termessos in Pisidien (Süden heutiger Türkei). Ebenso die hellenistische Nekropole in Sagalassos, in  Pisidien am Fuße des Taurusgebirges, weist etliche hervorragend erhaltene in den Felsen geschlagene Arkosolgräber auf, bis in die röm. Kaiserzeit. Die ehemalige röm. Stadt Abritus, nahe der heutigen bulgarischen Stadt Razgrad, ist zu einem sehenswerten archäologisch-touristischen Reservat gestaltet worden. Ende des 1. Jhs. n. 0 entstand hier ein röm. Kriegslager auf den Ruinen einer alten thrakischen Siedlung. Die Arkosolien-Reliefplatten stammen aus röm.-vorchristl. Zeit, aber die vielen schönen Rundbogen-Grabreliefs scheinen einer altthrakischen Bau- und Kunsttradition zu folgen. Die Rundbogengräber der thrakischen Kultur könnten eine Fortsetzung der Tradition prächtiger Begräbnisse mit monumentalen Gruften sein, unter majestätischen Grabhügeln, deren Anzahl in Bulgarien zwischen 10.000 bis 60.000 geschätzt werden. Auch die Akrosolgräber in den unterirdischen Anlagen von Malta, mit ihren urtümlichen solarsymbolischen Spiralornamenten, sind sämtlich vorchristlich. Malta wurde nicht wie die Mehrzahl der röm. Provinzen in vorkonstantinischer Zeit christianisiert, sondern erst während der Mitte des 4. Jahrhunderts, in dem keine Katakomben mehr angelegt wurden. (Heinz Warnecke, „Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus“, 1987)
 
3.      Ein in Jerusalem üblicher Rollstein, zum Abschluss der Grablege, hätte beim Externstein-Grabstein, wegen der vorhandenen Abstufung vor der Arkadenbogennische, nicht eingesetzt werden können. Ein geeigneter steinerner Rollweguntergrund, für den nötigen schweren Rollstein war nicht vorhanden und auf erdigem Mutterboden hätte kein Schlussstein gerollt werden können.
 
4.      Die Kopfnischengräber waren zwar um die in Frage kommende Zeit im Gebrauch, das ist richtig, doch sie waren sämtlich recht genau mit Blick der Toten nach Osten ausgerichtet. Erhofften doch die Christgläubigen bei der „weltlichen Rückkehr ihres Erlösers“ mit „Auferstehung der Toten“ und dem „Letzten Gericht“, dass er - wie die tägliche Sonne - als „Ex oriente lux“ erscheinen würde. Das Kopfnischengrab vom Externstein aber ist in Richtung NNO angelegt, also zum höchsten jährlichen Sonnenaufgangspunkt. Es handelt sich um die gleiche Visierlinie wie wir sie finden in der Raumausrichtumg der vorchristlich-germanischen Sonnenwarte im Turm des Felsens 2. Eine absolut altheidnische Visierlinie ! - Bestätigt werden meine Erkenntnisse durch die Grabungsergebnisse durch Prof. Dr. Julius Andree (1898-1942), welcher in „Die Externsteine - Eine germanische Kultstätte“ (1936, S. 21, Abb. 17.) ausführt, dass sich unmittelbar vor dem Kreuzabnahme-Relief des „Felsens 1“ eine Reihe von Skeletten aus Sargbestattungen in ca. 1 m Tiefe fanden; einige ruhten noch in ungestörten Lagerungen. Es handelt sich offensichtlich um christliche Gräber, denn sie lagen mit Köpfen im Westen, in Richtung Ost. Aber auch die dunkle Bodenverfärbung eines 1,90 m langen Baumsarges wurde entdeckt. Der Tote lag in dieser vor der Christianisierung üblichen Heidenrichtung: Süd-Nord (Andree, S. 25f).
 
Die Grablegesitte der Ostnordost-Blickrichtung ist als eine ureuropäische, schon steinzeitliche Sitte feststellbar. Das beweist u.a. der kupferzeitliche Friedhof von Varna, aus einer Zeit ca. 3.900 v.0. („Das erste Gold der Menschheit - Die älteste Zivilisation in Europa“, 1986, S. 143) Die hochmittelalterlichen Rechtsquellen Skandinaviens bekunden klar die heidnische Gebetsrichtung nach Norden, die einer christlichen, nach Osten gewandten, gegenübergesellt wurde. Die Ost-West-Ausrichtung kommt aus spätrömischen bzw. christlichen Traditionen. Die Ostung spielt bekanntlich in der christl. Liturgie eine große Rolle, sowie beim Taufritual, bei Gebetshaltung und Kirchenbau. So heißt es in der Fachliteratur: „Im Mittelalter dominiert im gesamten norddeutschen Raum die Körperbestattung. Ihre Orientierung wechselt durch den Einfluss des Christentums von Nord-Süd bei den germanischen Gräbern auf Ost-West. („VLA-Handbuch der Grabungstechnik“, Online-Publikation; 2011, S. 26) Doch die Köperbestattung fand in Nordwestdeutschland erst Laufe des 4. Jhs. verstärkte Aufnahme, vorher war die Brandbestattung üblich. In den letzten Jahrzehnten vor Beginn unserer Zeitrechnung, seit Caesars Gallischem Krieg, wurde auch in Skandinavien körperbestattet. Kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung erscheinen die ersten Körpergräber bei den Markomannen in Böhmen. Das Einsetzen der Körpergrabsitte in Südwestdeutschland, des 3.-4.Jahrhunderts, hängt mit dem Vordringen elbgermanischer und mitteldeutscher Siedler in diese Region zusammen, die sich ab der Stufe C2 allmählich archäologisch nachweisen lassen. Die archäologischen Hinterlassenschaften aus Nordwestböhmen zeigen während der jüngeren Römischen Kaiserzeit so enge Verbindungen mit denen im Saale-Unstrut-Gebiet, dass viel für eine Übernahme von dort spricht. Die mitteldeutschen, südwestdeutschen und nordwestböhmischen Körpergräber weisen in diesem Zeitraum so viele Gemeinsamkeiten auf, in diesen drei Gebieten wurde der Leichnam so gut wie ausschließlich lang ausgestreckt, N-S-ausgerichtet auf den Rücken gebettet. (Jan Bemmann / Hans-Ulrich Voß, „Anmerkungen zur Körpergrabsitte in den Regionen zwischen Rhein und Oder vom 1. Bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr.“) Das heidnische Grab des Frankenkönigs Childerich war eines der letzten seiner Art. Auf den ländlichen Friedhöfen wurde um 500 die Ostung üblich, eindeutig ein christlicher Brauch. Beispielsweise das ausgegrabene vorchristliche alamannisch-fränkische Gräberfeld von Weingarten (Württemberg), besitzt mehr als 800 Reihengräber, von ca. 450 bis 730 n. 0. Die Toten der frühen Bestattungen waren in gestreckter Rückenlage, mit dem Kopf im Westen und Blick Richtung Osten beigesetzt. Die jüngeren Bestattungen gehen zu einer Ausrichtung in westsüdwestlich-ostnordöstlicher Lage über, wie das Felsengrab vom Externstein.
 
5.      Da der Grabfelsen am Externstein in keiner Weise dem Jerusalemer „Hl. Grab“ gleichkommt, kann er auch nicht als Wallfahrtsort mittelalterlichen Pilger errichtet und gedient haben, wie es von kirchenchristlicher Seite vorgetragen wurde. Demnach sollte ein Ersatz gestaltet worden sein, an Stelle der nicht für jedermann erreichbaren vorderasiatischen „Gnadenstätten“ der Christenheit.
 
6.      Ein dem Externstein-Grab fast gleich gestalteter urzeitlicher Kultgrabkompex fand ich im Sommer 2011 im alten Thrakien, in Südbulgarien beim Dorf Tatul. Entdeckt wurde es schon im Jahr 2000. Damit ist erwiesen, dass der Externstein-Grabfelsen heidnische Vorbilder oder gleichalte Baumäler besitzen könnte -, dass er nicht unbedingt aus dem christlichen Mittelalter herrühren muss ! In der Heimat des Orpheus, dem Sänger vom unsterblichen Seelenleben, im Rhodopengebirge, einen Kilometer von Tatul entfernt, liegt das urzeitliche thrakische Felsengrab, das nach der Legende das Grab des Orpheus sein soll. Dieser mythische Sänger stand den Musen und somit dem hyperboräischen Gott Apollon nahe. Seine verzückenden Lieder prägten den Mythos von der Unsterblichkeit der Seele. Die Griechen schrieben ihm die Erfindung der Musik und des Tanzes zu. Er lehrte die Vergeistigung, die seelische Entrückung, wohl damit eine Art der Verachtung körperlicher Diesseitigkeit, Weltlichkeit, was ganz folgerichtig den „Mänaden“, den Anhängerinnen des Rauschgottes Dionysos, konzeptionell entgegenstand. Nach dem Orpheus-Mythos wurde er von ihnen zerrissen, sein Kopf in den Fluss Meletos (oder Hebros) geworfen, wo er, auch im Tode, immer weiter - „vom Ewigen Leben“ - sang.
 
Das sog. „Orpheus-Heiligtum“ oder „Sonnenheiligtum“ von Tatul wurde als religiöses Zentrum erkannt das für die gesamte Region von zentraler Bedeutung war. Die erste Epoche ist die Kupferzeit von 3.800-3.500 v.0., aus der man Hinweise auf Gebäude, außerdem Tongefäße und Keramiken mit Ornamenten fand. Diese Fundstücke sind um 1.500 Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden. Die Felspyramide von Tatul und die Gruft wurden - nach Annahme der Fachwelt - im Zeitraum 1.800-1.100 v.0 errichtet. Hunderte von Kultgegenständen, menschlichen „Tongötzen“, Spinnwirbeln, Gefäßmodelle, Gegenstände aus Bronze und Abbildungen des Sonnengottes hob man aus dem Boden. Wie Maximos von Tyrus im 2. Jh. schreibt (VIII., 8), verehrten die thrakischen Päonen ihren Sonnengott („Helios“) in Gestalt einer Sonnenscheibe auf einem hohen Pfahl -, also einer Art Irminsul. Sie wohnten an der Donau, etwa im heutigen Ungarn. In Heiligtum von Tatul wurden heidnische und später, ab dem 4./5. Jahrhundert, auch christliche Kulthandlungen durchgeführt. Die in der Umgebung entdeckten Steinplastiken und weitere Gräber stammen von der Antike bis zum Mittelalter. Das Heiligtum ist nur ein Teil des viel größeren Megalith-Komplexes bei Tatul mit kultischer Bedeutung. Nördlich davon gibt es weitere Felsgräber und Felsnischen religiösen Charakters. Durch archäologische Funde können die ersten dortigen Besiedlungsspuren auf 4.000 v.0 datiert werden. Im Gegensatz zu den Hügelgrab-Begräbnissen beschrieben antike Quellen das Begräbnisritual auf einem Berggipfel eigentlich nie, nur bei den beiden herausragenden Führern Orpheus und dem Thraker-König Rhesos, welcher in der „Ilias“ auf trojanischer Seite kämpfte.
 
Diese Entdeckung nährt und beflügelt die, aufgrund des archäologischen Fundmaterials, sich mir aufdrängende Überzeugung, nämlich dass die nordischen Ost- und Nordseekulturen mit dem thrakischen Nordbalkanraum und den helladischen-griechischen maritimen Kulturen in engsten Beziehungen standen. Der solarbezügliche Symbolfundus weist so viele Übereinstimmungen auf, dass auch eine religiöse Verwandtschaft vermutet werden darf. Die Wanderbewegungen der Völker im 2. Jahrtausend v.0 von Nord nach Süd sind gut belegt, rückgewandte Impulse - von den technisch fortschrittlicheren Fürstensitzen und deren städtischen Zentren, die sich der nichtindogermanischen pelasgischen Vorkultur aufgepfropft hatten - in die verwandten oder befreundeten Nord- und Ostseebezirke hinein sind anzunehmen. Womöglich ist das Egesterenstein/Externstein-Heiligtum von aus Thrakien stammenden Priestermissionaren begründet worden. Die Gestirnbeobachtungen war von den Felsentürmen aus gut vorzunehmen, ein Umstand der zur Namensgebung führte, denn kantenartige Höhenrücken (Egge: Webkante) wurden auch als Eggen bezeichnet, so dass sich der Ege-Stern-Stein zum Begriff Externstein im 16. Jh. abschliff. Die vorchristlich-heidnische Himmelsbeobachtung an dieser Stätte gab ihr den Namen. Das Kirchenchristentum lehnte die Himmelsbeobachtung ab, was mit dem röm. Kaiser Diokletian begann, der im Jahr 294 die Astrologie aus dem Katalog der legitimen Wissenschaften streichen ließ. Seit dem Konzil von Toledo im Jahr 400 galt sie nicht nur als wissenschaftliche Irrlehre, sondern auch als Häresie. Im 6. Jahrhundert flohen Astrologen vor dem römischen Recht, das ihnen mit Todesstrafe drohte, nach Persien, von wo sie den islamischen Kulturkreis befruchteten. Erst um das Jahr 1000 gelangte die griechisch-arabische Sternkunde über Spanien nach Europa zurück. Für die Kirchenväter, wie auch für Thomas von Aquin, waren Gestirne „Werkzeuge Gottes“, nicht sie sondern „ihr Schöpfer“, stand im Mittelpunkt der kirchenchristlichen Betrachtungen. Auch aus diesem Grund muss von einer vorchristlichen Bezeichnung der „Ege-Stern-Steine“ ausgegangen werden ! Die Sternbeobachtung war im christlichen Mittelalter mit zu vielen unwägbaren Tabus belegt, so dass sich nie und nimmer eine solche Ortsbezeichnung unter der Kirchenhoheit hätte entwickeln können. 
  
 
Grundriss des Externstein-Areals -
Unten rechts der Sargstein mit der heidnischen Grablege nach Nordnordost,
zum Sommersonnwendaufgangsort.
 
 
Die Ortung an den Externsteinen
 
 
Man hat den Sonnenbeobachtungsraum im Kopf des höchsten Externstein-Felsens Nr. II, mit seinem kreisrunden Sonnenbeobachtungsfester, nicht zu Unrecht mit dem antiken Begriff „Sacellum“ belegt. Ein Sacellum war ein geheiligter Raum oder Platz, der einer bestimmten Gottheit geweiht war. Das Externstein-Sacellum war der geheiligten Sonne geweiht, die zu jeder Sommersonnenwende, der ursprünglichen Raumachse folgend, im Sonnenfenster am Morgen des Sommersonnwendtages ihre Erscheinung verursachte. Es zeigt sich in der widerwärtigen Tatsache, dass von Vertretern des Kirchenchristentums, seit nunmehr Generationen, hartnäckig die beweisbare Tatsache geleugnet wird, dass es sich bei dem Gesamtkomplex des Externsteins um ein vorchristliches Heiligtum handelt, nichts weniger als unwissenschaftliche Amoralität. Rein christliche Kultanlagen waren immer nur nach Osten und Südosten ausgerichtet, während die altgläubigen Anlagen die Ausrichtung nach NNO zum Sonnenhöchststand bevorzugten. Zum nordnordöstlichen Sonnenaufgangsort wurde das Sonnenfenster im Turmfelsen von den ursprünglichen Erbauern eingerichtet, ebenso das Kopfnischengrab im Sargstein vor dem Felsen I. Das hat mit christlichen Anschauungen nicht das Geringste gemein ! Es ist das Verdienst des patriotischen Laienforschers Wilhelm Teudt (1860-1942) auf derartige Erklärungsmöglichkeiten als Erster aufmerksam gemacht zu haben. Der Astronom Prof. Dr. Rolf Müller (1898-1981) beschreibt sein eigenes Erlebnis im Sacellum: „Es ergibt sich also von diesem Standort aus vorzügliche Möglichkeit, den Sonnenwendtag recht genau zu fixieren. Hier möchte ich  noch auf einen Besuch zu sprechen kommen, den ich am frühen Morgen um die Mittsommerzeit den Externsteinen abstattete. Blutrot war die Sonne aufgegangen, und ich erlebte das wirklich eindrucksvolle Schauspiel, als dann unser Tagesgestirn mitten im Sonnenloch stand und ihre Strahlen das runde Fenster ausfüllte.“ - „Das Turmzimmer bot - völlig abgesehen von der Frage, ob und wie es ehemals gestaltet war - gerade wegen seiner natürlichen Lage in Richtung zum nordöstlichen Himmelsrand einzigartige Möglichkeiten zur Beobachtung der Mittsommersonne und des alle 18,6 Jahre um die gleiche Zeit wendenden Mittwintervollmondes (nördliches Mondextrem). Das kreisrunde Loch eignete sich dabei vorzüglich zur genauen Fixierung der Gestirnsstände.“ (Rolf Müller, „Der Himmel über den Mensch der Steinzeit“, 1970, S. 92 ff) Nicht unerheblich, doch ohne Einfluss auf die Gesamtbeurteilung sind die Differenzen, bei der Feststellung der genauen Visierlinie der Sonnwendortung. R. Müller gab den Azimut mit 47,5° an, während der Astronom Josef Hopmann (1890-1975) von etwa 48° ausging. Er stellte die ideale Ortungsphase um den Beginn unserer Zeitrechnung fest. Zielpunkt am Horizont war ihm und offenbar den alten Sonnenbeobachtern der vorgelagerte „Steintischberg“, wo noch in den 20er Jahren nach Weltkrieg I, große Steine lagen und eine frühbronzezeitliche Grabanlage erkannt wurde. Ging das erste Blitzen der Sonne über diesem Kalenderpunkt am Horizont auf, war Sommersonnwendtag. („Mannus - Zeitschrift für dt. Vorgeschichte“, 27. Jg., 1935, J. Hopmann, „Die Ortung an den Externsteinen“, S. 146 ff)
 
 
So könnte es nach Faktenlage gewesen sein
 
 
Den 6 Punkten zufolge kann unmöglich eine kirchenchristliche Institution, wie beispielsweise die Frater vom Kloster Paderborn bzw. die Benediktinermönche vom Abdinghof die Anlagen am Externstein gestaltet haben. Es könnte, wenn sie nicht weitaus älter und urheidnisch sind, ein synkretistischer Heiden-Christ geschaffen haben, von denen es - wie viele diesbezügliche Fundzeugnisse ausweisen - über lange Übergangszeiten nicht wenige gegeben haben muss - und zwar nicht nur in Laienkreisen - bis die päpstliche Romkirche mit ihren willigen Sachwaltern, dem Legat für Germanien Winfried-Bonifatius (673-754) und dem Frankenkönig Karl (747-813) dem ganz öffentlichen Synkretismus ein Ende setzten, um eine romhörige linientreue Christenkirche zu installieren.
 
Eine auf das Jahr 1093 datierte Kloster-Abdinghofer Kaufurkunde setzt uns in Kenntnis: Die altheilige Steingruppe gehörte im 11. Jahrhundert einem Edelmann, der in Kohlstädt (Colstidi) und in Holzhausen Land besaß. In Kohlstädt gehörte zu seinem Besitz eine „Hünnenkirche / Heidenkirche“ und in Holzhausen der Hain um den „Agisterstein“, das Gebiet der Externstein-Felsen. Nach seinem Tod teilten drei Söhne das Erbe auf. Zwei von ihnen verschenkten ihren Anteil der Kirche. Der dritte Bruder stimmte offenbar der Schenkung zu, um im Gegenzug dafür den Externstein-Bezirk zu erhalten. Das war ein heiliger Hain, er war unverletzbar, unteilbar. Diesem Mann lag offenbar der altheilige Ort am Herzen, während er den beiden Brüdern gleichgültig war, oder sie waren sogar christlich eingestellt, schenkten sie doch Kohlstädt mit der Heidenkirche dem Klerus, für ein paar „Seelenmessen“, wie das so üblich war. Der nunmehrige Besitzer trug unverkennbar altreligiöse Neigungen, anders wären die Umstände nicht zu erklären. Er könnte also die alte Kultanlage in seinem Sinne umgestaltet haben. Es war die Ära in der sich vornehme Herrschaften Kopfnischengräber schaffen ließen. Weil der betreffende Edelmann aber dem Altglauben in manchen Anschauungen treu geblieben war, ließ er sich sein Herrengrab nach der heidnischen Nordnordost-Richtung gestalten. Er wollte zum Aufgangsort des höchsten Lichtes schauen, immerfort, bis zum vorläufigen Weltende im Ragnaröck. Welche genauen Heilserwartungen er damit verband, können wir nur erahnen. Die Untersuchung des Sargsteins während der Grabungen 1934/1936, durch Prof. Dr. Julius Andree, ergab die Feststellung, der viereckigen Gestaltung des Sargsteines, mittels eines sehr breiten Meißels. Weder in Andrees Grabungsbericht - noch sonst wo - ist auf das altheidnische Zeugnis der Kopfnischengrabausrichtung auf NNO hingewiesen worden. Das wurde bisher versäumt ! Das tief eingeritzte Symbolzeichen auf der Decke des Sargsteines besteht aus zwei sich überkreuzenden „lagu-lauka“-Runen, mit dem Bedeutungsgehalt: „Heilung / Gesundung“. Klein und unscheinbar ließ er es ausführen, denn auf erkanntem Runenzauber stand der Flammentod für „Ketzerei“. Als Steinmetzzeichen ist das Symbol nicht zu deuten, da es sich auf unbearbeitetem Fels eingetieft ist. Nach Emikos Beisetzung im Sippenkreis wurde das Trogbogengrab mit einem passgenauen waagerechten Sarkophagdeckel oder senkrechten Steinplatten sorgfältig verschlossen, vermörtelt und mit Erde überhäuft.
 
Sein unmündiger Sohn Erpho starb früh und seine überlebende Ehefrau Ida verkaufte den Gesamtbezirk an das Kloster Abdinghof in Paderborn für den ansehnlichen Preis von vierzehn Pfund Silbers und weiterer Gaben. Die Beurkundung ist im Jahr 1093 beglaubigt worden. Die Tochter Witsuit stimmte zu, auch der Schwiegersohn Eberhard von Velthem. In den Texten wird der Externstein-Ort „vicino nemore“ genannt, „der nahe Hain“, also „der geweihte Hain“ bzw. „der bewaldete Kultplatz“. Geweihte Haine gibt es im Christentum nicht. Es ist wohl verständlich, warum das Kloster einen derart hohen Preis zahlte, ihm war daran gelegen, die Felsen samt dem heiligen Hain rundum in den Griff zu bekommen, um solche Überreste des überwundenen Glaubens unschädlich machen zu können. Wie so oft waren Frauen, ohne einen starken Mann an ihrer Seite, zu haben, rasch entnervt und leicht den Drohungen kirchlicher Höllenstrafen erlegen und anderseits den Schmeichelreden pfäffischer Listen verfallen. Doch in diesem Fall war Frau Ida gezwungen so zu handeln, denn die männliche Linie Imikos war erloschen. Den Abdinghofer Benediktiner-Mönchen können die altgläubigen Anwandlungen des Externstein-Herrn unmöglich unbekannt geblieben sein, sie hatten ihre Spürnasen überall, wie es die weitere Geschichte ihrer raffgierigen Aufkäufe erweist. Sie waren schon lange scharf auf die Inbesitznahme des Heiligtums, um das sich manche Sage gerankt haben muss und sich im schlichten Volk immer noch seine gewisse Würde erhalten haben mag. Es ist anzunehmen, dass die Witwe Imikos vor ihrem Verkauf in kirchliche Hand, eine Umbettung des Gemahls vornehmen ließ. Jetzt erst waren die Abdinghofer Benediktiner im Vollbesitz des Kultplatz-Terrains von Imikos Vater, dessen Name unbekannt blieb.
 
 
Quellen bei Freerk Haye Hamkens, „Der Externstein“, 1971, S. 40 ff u. 343 ff
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