DIE LORELEI

Eldrit kämmt ihr Haar auf der Lorelei-Höhe
 
 
DIE LORELEI
 
Der Rhein zog einstmals seine Bahn,
als breiter Strom durch Au und Tal,
langt‘ auch zur schmalen Pforte an,
der schroffen Felsen, steil und kahl.
 
Im Flussbett drohte dort Gefahr
durch Strudelflut ums Klippgestein,
zu spät wurd's mancher Mann gewahr,
sein Schifflein schlang die Tiefe ein.
 
Das Wasser plätschert, gurgelt still,
turm-fern darüber, hoch im Licht,
der ewige Himmel strahlen will,
ihn kümmern Untergänge nicht.
 
Gerad‘so thront‘ auf höchstem Grad,
im Sonnenschein ein Mägdelein,
und schenkt‘ aus alter Weisheit Rat,
 des Heimat-Glaubens, frei und rein.
 
Weithin erklang ihr Zauber-Sang,
sie strich ihr blondes Haar dabei.
Kam dort ein Wandersmann entlang,
hieß er sie nur, die „Lore-Lei“.
 
Sinnlos ist nie ein Sagen-Wort !
Der „Lore-Stein“ rät weise Mär,
in ernster Mahnung liegt sein Hort,
er sagt: „Gedenk‘ des Besten mehr !“
 
In „Lore“ klingt das Wort „Verlust“;
des Heimatglaubens Schifflein sank,
doch schläft noch in der Besten Brust
bis heut‘ die deutsche Seele, blank.
 
„Vergesst sie nicht, die eigne Art !“,
meint goldnen Haares Pflegestrich,
„erkennt der Lügen Gegenwart,
die sich in all‘ den Zeiten glich !“
 
Längst ist der Rhein-Engpass befreit,
die scharfen Klippen sind gesprengt,
zur Warnung doch ist’s immer Zeit,
wenn sie die rechte Einsicht schenkt.
 
Wir fuhren hin, in Lores Land,
auf Saga-Spuren-Suche,
mit Freundin Eldrit, Hand in Hand,
fast wie im Märchenbuche.
 
 
Eldrit vor der Lorelei-Statue
 
 
DIE LORE-LEY UND IHRE SAGEN
 
Der Felsen „Loreley“ liegt im Rhein-Lahn-Kreis auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Loreley, dessen oberhalb des Rheinstromes liegendes Loreley-Höhenplateau zur Ortsgemeinde Bornich gehört. Die ringsum vom Rhein aufragenden Steilhänge und Klippen gehören zum Stadtgebiet von Sankt Goarshausen. Die russische Künstlerin N. A. Prinzessin Jusopov schuf und schenkte 1983 der Gemeinde St. Goarshausen eine Loreley-Statue, die man auf der Spitze der Hafendamm-Mole bei St. Goarshausen aufstellte (Abb. 2).
 
An den Felsen heften sich die Sagen von der „Lore-Ley“. Eine Mär berichtet von der „Verlassenen Braut“. Diese Sage geht davon aus, dass Loreley wirklich gelebt habe. „Weil sie sehr schön war, wurde sie von vielen Männern begehrt. Die Loreley liebte aber nur den Ritter Eberhard. Als er in den Krieg zog, bewarben sich viele Männer um die Hand der Loreley. Sie wollte aber auf ihren Liebsten Eberhard warten. Vor Liebeskummer brachten sich viele Männer um. Deshalb vermutete man, die Loreley sei eine Hexe. Hexen aber wurden damals verbrannt. Der Erzbischof von Köln saß zu Gericht über Loreley und hatte Mitleid mit ihr. Er verurteilte sie nicht zum Tode, sondern schickte sie in ein Kloster. Auf dem Wege dorthin bat sie ihre Begleiter, noch einmal auf den Felsen am Rhein klettern zu dürfen, um ein letztes Mal auf die Burg ihres geliebten Ritters Eberhard zu schauen. Plötzlich sah die Loreley dabei den Ritter, wie er auf einem kleinen Boot den Rhein herunterfuhr. Die Loreley rief laut: ,Eberhard‘. Der Ritter blickte fasziniert zur Loreley hinauf und bemerkte nicht den Felsen, gegen den er fuhr. Er ertrank im Strudel des Rheins. Voller Verzweiflung sprang Loreley in den Rhein, damit sie ihrem Eberhard nah sein könnte. Sie wurde nie wieder gesehen.“
 
Eine zweite Sage geht so: „Sie kämmte ihr goldenes Haar... Der Sage nach saß ein blondes langhaariges Mädchen namens Loreley auf dem Felsen am Rhein und kämmte ihr goldenes Haar und sang dabei eine liebliche Melodie. Ihr Aussehen und der Gesang waren so bezaubernd, dass die Schiffer auf dem Rhein zur Loreley hinaufsahen und auf die gefährlichen Riffe, Felsen und Untiefen des Rhein fuhren. Dabei kamen viele Schiffer ums Leben.“
 
Eine dritte Erzählung lautet: „Die Loreley und der Teufel" - Wo das Stromtal des Rheins unterhalb von Kaub am engsten ist, starren zu beiden Seiten schroffe Felswände von schwarzem Schiefergestein unheimlich hoch empor. Schneller schießt dort die Flut des Rheinstroms, lauter brausen die Wogen, prallen ab am Felsen und bilden schäumende Wasserwirbel. Nicht geheuer ist es in dieser Schlucht, über diesen Stromschnellen. Die schöne Nixe des Rheins, die gefährliche Loreley, erscheint oft den Schiffern, kämmt mit goldenem Kamme ihr langes flachsenes Haar und singt dazu ein süßes betörendes Lied. Mancher, der sich davon locken ließ und den Fels erklimmen wollte, fand seinen Tod in den Wellen. Wer sie sieht, wer ihr Lied hört, der verliert sein Herz. Hoch oben auf der höchsten Spitze ihres Felsen steht sie, in weißem Kleide, mit fliegendem Schleier, mit wehendem Haar, mit winkenden Armen. Keiner aber kommt ihr nahe. Sie weicht vor ihm zurück, sie lockt ihn durch ihre zaubervolle Schönheit - bis an den jähen Rand des Abgrundes. Er sieht nur sie, er glaubt sie vor sich auf festem Boden, schreitet vor und stürzt zerschmetternd in die Tiefe. - Einst fuhr auch der Teufel mit dem Schiff auf dem Rhein und geriet zwischen die Loreley-Felsen. Der Pass schien ihm zu eng, er wollte ihn weiten und den gegenüberliegenden Felsenkoloss von der Stelle rücken. Er stemmte seinen Rücken an den Loreley-Felsen und hob und schob und rüttelte an dem gegenüber liegenden Berg. - Schon begann dieser zu wanken, da sang die Loreley. Der Teufel hörte den Gesang, und es wurde ihm seltsam zumute. Er hielt inne mit seiner Arbeit und hielt es fast nicht länger aus. Gern hätte er die Loreley für sich gewonnen, aber hatte keine Macht über sie. Er wurde von Liebe so heiß, dass er dampfte. Als das Lied der Loreley schwieg, eilte der Teufel fort. Er hatte schon gedacht, an den Felsen gebannt bleiben zu müssen. Aber als er fort war, da zeigte sich, o Wunder, seine ganze Gestalt, schwarz in die Felswand eingebrannt. Nachher hat sich der Teufel sehr gehütet, der Sirene des Rheins wieder nahe zu kommen. - Die Loreley aber singt immer noch, in stillen ruhigen Mondnächten, erscheint immer noch auf dem Felsengipfel, wartet immer noch auf Erlösung.“
 
 
Ottmar Zieher, 1926
 
 
 
DER LORE-LEY- UND HAAR-MYTHOS
 
Die „Lore-Ley“- Verse des Nichtdeutschen Heinrich Heine (1797-1856), die er den Loreleysagen nachempfand, welche Friedrich Silcher 1837 vertonte, beginnen bezeichnenderweise mit seinen Worten: „Ich weiß nicht was soll es bedeuten, - Dass ich so traurig bin; - Ein Märchen aus alten Zeiten, - Das kommt mir nicht aus dem Sinn.“ Ein Mann wie Heine, der dem Deutschen wesensmäßig fern stand, vermochte ganz selbstverständlich nicht den tiefen Sinn der Volkssage zu erfahren. Es beginnt bei dem Namen „Lore-Lei“. Die „Lei“ oder „Ley“ ist ein altes deutsches Wort (altsächs. Lêia) für Stein, Fels, Klippe. Ein Dachdecker hieß der „Leiendecker". Der Lorelei-Felsen ist ein sagenumwobener 132 m hoher Schieferfelsen an der engsten Stelle des Rheins bei St. Goarshausen. An seinem Fuße im Rheinstrom befanden sich vor ihrer Sprengung einige gefährliche Klippen, an denen manches Schifflein wegen der reißenden Strömung zerschellt ist. Die Legenden spannen jene Erklärung dazu, die Schiffer seien wegen des verwirrenden Gesanges und dem Anblick eines sein langes Blondhaar kämmenden oben auf dem Felsen thronenden Mädchens abgelenkt worden. Der Frauenname Lore kommt aus der Bedeutung germ. „lor“, mittelengl. „lore“, ahd. for-lor“ = Verlust, Verderben, ahd. „for-lorian“ = verlieren. Der Felsenengpass des Rheines selbst muss demnach als der „Verderbenbringende“ bzw. „Verlust-Felsen“ benannt worden sein.
 
Doch mancher Schöpfer dieser mehrgestaligen deutschen Sage wird möglicherweise tiefere Beweggründe empfunden haben. Das Motiv des demonstrativen Haarekämmens ist eine Metapher der Ermahnung zur Seelenpflege. Denn im Haar zeigt sich nach alter Ansicht vieler Völker die Seelenstruktur des Betreffenden: „Krause Haare, krauser Sinn !“ Nach dem Tode von Menschen wachsen oft die Haare noch ein Wenig weiter, so dass die Meinung entstand, erst beim völligen Haarwuchsstillstand sei die Seele aus dem Leichnam ganz entwichen. Unsere germanischen Vorfahren trugen den Haarknoten - auch „Swebenknoten“ genannt - in Form der Odal-Schlinge an der rechten Schädelseite, um ihre rechts-richtige Seelenhaltung anzuzeigen. Von den Merowingern weiß man, dem ältesten Königsgeschlecht der Franken (5.-8. Jh.), dass ihr Heil, also die sakrale Kraft des germ. Königtums, auf ihrem langen, nie geschnittenen Haupthaar beruhte. Der letzte Merowinger-Schattenkönig, Childerich III., wurde von dem mit der Romkirche paktierenden Thronräuber, dem Verwalter bzw. Hausmeier Pippin, dem Sohn Karl Martells, auf Veranlassung des Papstes geschoren und in Klosterhaft geschickt. Das Gleiche widerfuhr vielen anderen die ein Mächtiger kaltstellen wollte. Das Scheren des Kopfhaares galt zu allen Zeiten als Akt der Demütigung, der Entehrung, Entrechtung, also der Wegnahme eines seelischen Aspektes der Persönlichkeit. Auch die jüdisch-biblische Geschichte kennt die Sage vom Hebräer Samson, dessen enorme Kräfte so lange anhielten wie sein langes Haar ungeschoren blieb. Seine philistinische Frau Delila verriet das Geheimnis seiner Kraft an ihre Landsleute, die ihn trunken machten, um ihm mit dem weggeschnittenen Haar, seiner Kraft zu berauben (Buch Richter, Kap. 16). Das sog. Skalpieren, ein Brauch dem unterlegenen oder getöteten Gegner die Kopfhautschwarte abzureißen, ist als Akt der Entseelung zu verstehen, welcher einhergeht mit der Inbesitznahme und des Überganges der gegnerischen Kraft an den Sieger. Die stolze japanische Kriegerkaste der Samurai ließ sich seitlich einen langen gepflegten Zopf wachsen, den in der Schlacht zu verlieren, als die größte Schade galt.
 
Es gibt aus dem Amerikanischen folgenden Bericht von C. Young: Das US-Kriegsministeriums suchte während des Vietnamkrieges in Indianerreservate nach bewährten Spähern mit übernatürlichen Fähigkeiten, die darauf trainiert waren, sich bei Nacht und Nebel durch die Wildnis zu bewegen. Die indianischen Fährtenleser wurden in Dienst genommen und bekamen ihren vorgeschriebenen Kurzhaarschnitt. Doch egal welche Talente und Fertigkeiten sie im früheren Leben hatten, sie schienen auf mysteriöse Weise zu versagen. Als sie über ihr Versagen im Erbringen der erwarteten Leistungen befragt wurden, antworteten die älteren Rekruten übereinstimmend, dass sie, sobald sie ihren vorgeschriebenen militärischen Haarschnitt erhalten hatten, den Feind nicht mehr länger „wahrnehmen“ konnten, sie keine Zugriffsmöglichkeit mehr auf ihren „sechsten Sinn“ verspürten, ihre „Intuition“ nicht mehr verlässlich sei, sie die erkannten Zeichen nicht mehr so gut „lesen“ konnten oder keinen Zugriff mehr auf außersinnliche Information hätten. Das Prüfinstitut erlaubte daraufhin Neurekrutierungen ihr langes Haar zu behalten und testete sie in mannigfaltigen Vergleichsprüfungen. Das Ergebnis war eindeutig, wieder erzielten Männer mit langen Haar die erwarteten hohen Testergebnisse und ebenso versagten Probanden mit dem kurzen Haar, welche vorher als Langhaarträger hohe Testergebnisse erzielt hatten.
 
Dass es mit den Kopfhaaren des Menschen tatsächlich eine besondere Bewandtnis haben könnte, scheint aus ihrer anatomischen Betrachtung hervorzugehen. In einer medizinischen Text heißt es: „Die Haare weisen eine so reiche Nervenversorgung auf, dass sie geradezu als Sinnesorgane angesprochen werden können. Die Nerven der Haare, welche deren als Hauptfunktion als Sinnesorgane bedingen, treten zu mehreren von unten und den Seiten an den Haarbalg heran, und bilden dicht unterhalb der Talgdrüsenmündung ein reiches Endorgan, indem sich in zahlreiche feine Fasern aufteilen, sie wie ein Staketenzaun die äußere Wurzelscheide umgeben.“
 
Dass sich im Erscheinungsbild des Haupthaares der Grad menschlicher Vitalität ablesen lässt, ist für jedermann ganz offensichtlich. Als Säugling, in der Zeit des Unvermögens, ist das Haar kaum entwickelt oder zumindest spärlich, während es in der Reife glanzvolle Schönheit gewinnt und im Zuge des Alterns und Schwächerwerdens bei Mann und Frau wiederum Kraft und Fülle verliert, schließlich grau wird und gänzlich ausfällt. Sehr natürlich gehen mit den äußerlichen Veränderungsprozessen auch seelische Veränderungen im Menschen vor. So sind die Haare als eine Art Spiegel des inneren Menschen zu betrachten. Dass sich die Beschaffenheit und die Reaktionsweise der Haare im Verlauf von Lebensrhythmen ändern können, je nach hormonell bedingtem Seelenzustand, berichten oft die Frauen, welche ihren Haaren eine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Frauen geben an, dass ihren menstrualen Biokurven folgend, sich die Kopfhaare leichter legen lassen oder störrischer geben.
 
Wenn wir alle diese Beobachtungen und Eindrücke summieren, können wir problemlos nachempfinden, warum die verschiedensten Völker den Haaren den hohen Bedeutungswert zumaßen und warum auch unsere germanischen Vorfahren in den Haaren einen Spiegel der Seele erkannten. Das betonte Kämmen galt als Metapher der Seelenpflege, so wie es beispielsweise auf dem fränkisch-heidnischen Grabstein von Niederdollendorf (Stadtteil von Königswinter / Nordrhein-Westphalen), etwa aus dem 7. Jh., ins Bild gesetzt worden ist. Die Stele wird im „Rheinischen Landesmuseum Bonn“ aufbewahrt. Auf der Vorderseite des Steines ist der verstorbene bärtige Kriegsmann mit seinen Grabbeigaben dargestellt. In der rechten Hand hält er einen einreihigen Kamm, den er zum Haar führt. In der Linken hält er einen kurzen Breitsax (Sax. = germ. einschneidiges Hiebschwert). Im Hintergrund zeigt sich die für germ. Gräber typische Doppelschlage, das Sinnbild von Werden und Vergehen, also der ewigen Wiederkehr. Wir erinnern uns der Doppelschlangen-Baumsärge aus dem frühmittelalterlichen alamannischen Gräberfeld von Oberflacht (Kreis Tuttlingen). Der Sinn der hier ins Bild gesetzten Haarpflege ist - wie besprochen - darin zu suchen, dass das Haar als Ausdruck oder Sitz der Lebenskraft galt. Ganz natürlich wünscht sich der Mensch die Rückkehr seiner Lebenskraft, seiner Seelenkraft --, in Gestalt einer Wiedergeburt. Das ist der Grund dafür, dass in germanischen Gräbern regelmäßig Kämme gefunden werden. So pflegten auch unsere altgläubigen Vorfahren ihr Haar besonders vor einem hohen Wagnis oder vor einer Schlacht, damit sie mit gepflegtem Haarschmuck d.h. mit schöner Seele ins Jenseits des Toten-Seelen-Tempels der Walhalla eingehen würden. Zum Tod verurteilte Wikinger baten den Henker mit seinem Richtschwert vor ihrem Tod nicht ihr geschniegeltes Haar zu beschmutzen. Zudem war die Eidesleistung mit Berührung des Haupthaares verbunden, d.h.: „Ich schwöre bei meinem Leben“ bzw. „…bei meiner Seele“, „…bei meiner Seligkeit“.
 
DEUTUNG DER LORE-SAGA
 
Die Botschaft der ihre goldene Seele streichenden Lore, auf hoher Warte, heißt: „Gedenke des Besten -, vergiss deine Seele nicht !“ In der ihr Blondhaar kämmenden Lore am deutschen Rheinstrom ist die Inkarnation Germaniens zu sehen, die mit gespaltener Seele in die Zeit hineinwartet. Zum einen ist sie die verdrehte, von fremden Lehren gegen sich selbst Erzogene, die Umerzogene. Zum andern ist sie die ur-echte heimatgläubige, also deutsch-heidnische Germania, denn „deutsch“ heißt „heidnisch“, als Bezeichnung für die sich treu gebliebenen, gegenüber dem Angriff der orientalischen Missionierung „unbekehrbar“ verharrenden Germanenvölker. Sie wurde von den unser Vaterland usurpierenden fremdgläubigen Christen-Paffen als Hexe verteufelt. Der Papst hatte einstmals, ebenso wie die späteren vernichtungswilligen Mächte, seine Inquisitoren gegen sie ausgeschickt, um ihr den Garaus zu machen -; zahllose Volksgeschwister wurden unter unsäglichen Martern zum Tode befördert, stellvertretend für den unbeugbaren Seelenanteil der Deutschen. Seitdem geistige Fremdmächte über die Germania Gewalt errangen, ist sie eine Verlorene, die sich, die ihres Selbst, ihrer Seele verlustig ging. Sie singt auf hohem, steilen Felsen - vom ständigen Absturz in die Tiefe des endgültigen Todes bedroht - ihre altheiligen Zauberlieder, mit denen sie ihre Weihe der Wiedergeburt heraufbeschwören möchte. Die Schiffer unten im Strom, die zur Germania aufsehen, sich ihrer eigengesetzlichen Seele erinnern, sind höchst Gefährdete, denn der Strom, der „Mainstream“, will sie in die Gleichmacherei hineinsaugen, will sie verschlingen. Es ist ein unsagbar süßer Gesang, der Lockruf zu sich selbst, doch nur die Besten gelangen durch reißende Fluten, um tödlichen Klippen und Strudel, bis hin in das ruhige Fahrwasser einer gelungenen Lebensfahrt.
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