ZIEH’ WEITER, FREMDER !

 
 
ZIEH’ WEITER, FREMDER !

„Halt, Fremder, hütet euren Schritt,
verwehrt ist euch der heilige Hain,
wir feiern heut’ ein Wodan-Fest,
ihr seid ein Christ, ihr seid nicht rein !

Der Gode bin ich hier am Ort,
werd’ weihen diese heilige Nacht,
der Trank zum Alfa-Blod muss sein,
des Ahnen-Od's wird bald gedacht.

Fahr’ weiter Fremder diese Stund’,
damit du Wodin nicht empörst,
wir fürchten unseres Gottes Zorn,
so trolle dich, dass du nicht störst.

Schon schäumt das braune Äl im Pott,
die Festgemeinde ist bereit,
die Hörner harren froh des Trank’s,
zu preisen Wodins Herrlichkeit.

Wir Heiden sind ein mildes Volk,
und Gastfreiheit ist uns Gesetz,
doch heute gibt es kein Willkomm’,
erspar’ dir dein Missionsgeschwätz !“

Der Christ fährt hin, von Hof zu Hof,
doch keine Hausfrau lässt ihn ein,
zum Alfa-Fest im Schwedenland,
ist’s für den Fremden nicht gut sein.



Das nordische Asa-Alfa-Blod (Opferfest) im Herbst war ein Fest zu Ehren der Ahnengeister. Ein Bericht des Skalden Sigvatr Þódarson von einer Reise nach Ostschweden im Herbst des Jahres 1018 erzählt, wie er versucht, Unterkunft zu bekommen, doch bei mehreren Höfen abgewiesen wird, weil man besagtes Weihefest halten wolle. Die Menschen sagten, er möge weiterfahren, sie müssten ihres Gottes Zorn fürchten, wenn sie einem Christen Unterkunft in dieser Nacht gewähren würden.

 
Bild des russischen Malers Boris Olshansky
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