HEIMATGEWINN

 

HEIMATGEWINN

Die Hos’ zerfetzt, das Hemd vezockt,
so stand - mit Schelaba berockt -
ich eines Tag’s in Agadir
und frage mich: „Was soll ich hier ?“

Die Welt ist weit, der Globus rund,
mein Herz war jung und fernwehwund.
Ich wollt’ die bunte Fremde seh’n,
versteh’n wie dort die Uhren geh’n.

Fremdes Brauchtum, Art und Sitt’,
genoss ich auf dem Weltenritt -;
auch lockte mich das fremde Weib,
des Mannes feinster Zeitvertreib.

Urplötzlich schien mir all dies’ schal,
mir stand im Sinn mein Heimat-Tal,
mein Quellensee, mein Eichengrund -,
war mir denn je das Eigene kund ?

Die Fremde wird mir nie vertraut,
die ich als fremder Gast beschaut’,
die Heimat doch würd’ mein Gewinn,
ging ich mit Spürsinn wieder hin.

Wo gäb’s ein Land, geheimnisschwer,
voll Rätselfragen, kreuz und quer,
wie mein Germanien, dessen Teil
ich selbst doch bin, zu meinem Heil ?!

Ich fuhr nach haus' und nahm mir vor,
nicht länger bleib’ ich tumber Tor,
bei meinem Weltenbummler-Tick,
lern’ nun die Heimat, Stück für Stück.

Bild: Marokko, Ouarzazate, 11.08.1970

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