SONNENRAD

 

Abb. 1
Abb. 2

 

SONNENRAD

Unergründlich sind die Bahnen,
die allein der Himmel kennt,
rätseltrunken schauten Ahnen
staunend auf zum Firmament.

Zahllos sind die Menschen-Fragen,
die der Sonne Pfad erzeugt -;
eine Antwort ist zu wagen,
dass die Sonne sich nie beugt.

Unbesiegbar ist ihr Kreisen,
seltsam ihr Spiralen-Lauf,
muss sie durch die Nachtwelt reisen,
steht sie doch am Morgen auf.

Wird sie tags vom Ross gezogen,
nachts im Schwanenboot gelenkt ?
Manches hat der Sinn erwogen,
der das Sonn'-Rad überdenkt.

Winter-Alben, Nacht-Dämonen
und des Sonnen-Wolf’s Gehetz’,
wollte nie das Licht verschonen,
beugten nicht sein Sieg-Gesetz.

Das war unserer Ahnen Glaube,
dass nach allen Kampfes Not
nimmer wird das Heil zum Raube,
aufersteht’s aus Nacht und Tod.

Alle die dem Licht verschworen,
die der Sonnen-Mythos eint,
sind auf Dauer unverloren -,
wütet auch des Lichtes Feind.

Auf zum Sonnenwirbel schauen,
schenkt den Seelen Lebens-Kraft,
macht sie frei vom Todes-Grauen,
den das Galgen-Kreuz erschafft.

Steigt vom Christenkreuze nieder,
macht euch frei vom Büßer-Wahn,
sind entfesselt Geist und Glieder,
lauft ihr auf der Sonnen-Bahn !




Bild 1: Eigener Papierhandabrieb des bronzezeitlichen Vierwirbel-Sonnen-Rades von Ekenberg (Norrköping / Schweden). Dicht dabei ist ein weiteres derartiges Spiral-Rad in einem Schiffsbug zu sehen. Der stark verwitterte Felsen lässt einen besseren Abrieb leider nicht zu. Alter der Ritzung ca. 3.500 Jahre.

Bild 2: „Kykladen-Pfanne“ (der kurze Griff ist abgebrochen), Ton, 22 cm. Um 2000 v. 0. Aus Naxos, im Nationalmus. Athen. Verwendungszweck: Vielleicht mit Wasser gefüllt als Spiegel. Die zentrale Sonnenzeichnung unterstreicht die Bedeutung des Spiralgebildes als Sonnenemblem.
 
 
Gib, hohe Sonne,
dass ich Tag für Tag
im Steigen mich,
wie Du, erneuern mag,
dass ich, aus Dir geflossen,
rein und frei,
ein Feuer wirkend
selber Sonne sei !

 

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