KIRCHGANG

 
KIRCHGANG
 
Wie schauerlich klingt in den kalten Hallen
das dumpfe Singen Gott zum Wohlgefallen;
wie fahl und bleich erscheinen die Gesichter
im Totenglanz geweihter Kirchenlichter.
 
Die Weihrauchschwaden ziehen vom Altare
und eingenebelt wird das lichte Klare.
Im Kreuzgang stehen still versteinte Götzen.
Aus ihrer Starrheit dunkelt das Entsetzen.
 
Frommtuend oder vielleicht weihrauchtrunken
sind vor dem Kreuz Gesichter hingesunken,
Nicht menschlich mehr, doch ausdruckslos entgottet
mit totem Blick, der des Sakralen spottet.
 
Die Toren suchen Gott in diesem Kreis
dumpf demutskrank erklingt das „Kyrieleis“ -,
Ich lasse hinter mir die Seelengruft
und atme draußen Gottes freie Luft.
 
 
Unbekannter Dichter
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