SPIRALE

 

SPIRALE

In Lichtes schimmerndem Male,
der heiligen Sonnen-Spirale,
schreibt der Gottheit eigene Hand,
kreisender Zeiten ewiges Band.

Des Nachthimmels Lichter erzeigen,
den immerwährenden Reigen.
Monde und Sterne in Jahr und Stund’,
tanzen auf ihren Spiralen rund.
 
Ein Jahr will kommen und gehen,
im Zeitlauf als Sonnen-Lehen -;
im doppelspiralig-glühenden Gang
läuft es himmlische Pfade entlang.
 
Gotteslicht muss steigen und fallen,
ehrend um den Nordberg wallen,
dort steht der Gottheit Thron und Altar,
umkreist von der Gestirne Schar.

So haben’s die Goden gedeutet,
durch Schauen ihr Wissen erbeutet,
das sie gehortet in heiliger Fron,
lange vor Nimrud und Babylon.

Und dass sich’s Himmelsdach stütze,
wär’ wohl eine All-Säule nütze,
so steht gewiss unter Gottes Stuhl,
über dem Nordberg die Irminsul.

Drum zieren das Zentrum des Heiles,
der Weltschau nördlichsten Teiles,
Metaphern von erhabener Wucht,
urdeutschen Glaubens geistige Frucht.



 

PS: Das Bild der Spirale und Doppelspirale als Inbild des göttlichen Heilsweges ist ein schon megalithisches Zeichen. Es hat sich, aus Urtagen tradiert, z.B. noch in den hessischen und fränkischen Fachwerkbauten auf den Eckständern erhalten. - Nach menschlich-irdischer Schau spiralt sich die Sonne im Laufe des Jahres in den Norden hinauf und in zweiter Jahreshälfte wieder in ihr südliches Grab zurück, um im nächsten Januar erneut ihren Weg auf den Nordberg zu beginnen. Dort auf dem Nordberg, unter dem Himmelspol und Nordstern, vermuteten unsere Vorfahren die Weltstütze, die Irminsul.

Bild: Diese goldene Scheibenfibel (Frauen-Gewandspange) des 10. Jh. wurde bei dem Wikinger-Hafen Haithabu (Schleswig) gefunden. Sie zeigt in Granulationstechnik das vorchristliche religiöse Motiv der Weltsäule bzw. All-Stütze oder Irminsul unter dem Himmelsdach, mit den daran befestigten Fixsternen (Planeten).

 

SPIRALE
 
Heil‘ges Sinnbild du, Spirale,
kräftig quellen deine Ringe
aus der ewig-einen Mitte,
endlos kreisend, All umgreifend,
vom Unendlichen umfangen
halten alles ird‘sche Werden
schwingend in der großen Ordnung.
 
Stille wendest du dich wieder
rückwärts, einwärts zu der Mitte,
tief dich bergend in dem Ausgang
ruhst im Unbegreiflich-Einen.
 
Jedes Tages Auf und Nieder,
jedes Jahres Steigen, Sinken,
unseres Lebens Kommen, Gehen,
und des Weltalls Werden, Sterben
bist du, heilige Spirale
aus der ewig-einen Mitte.
 
Von unbekanntem Dichter

 

 

     

 

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